Routensanierung Schweiz

ReBolting saniert Kletter-Routen

Foto: Martin Schupp Raphael Schmid, Verein ReBolting Schweiz
Alte Haken sanieren: Das betreibt und organisiert der Verein ReBolting in vier Schweizer Kantonen. Ein Interview zur Tätigkeit des Vereins.

Dieses Interview erschien in klettern 6-2018

In vier Schweizer Kantonen organisiert und praktiziert der Verein ReBolting die Sanierung von Klettergebieten. Raphael Schmid ist einer der Hauptakteure – wir haben ihm einige Fragen gestellt.

Raphael, wie kam es zur Gründung des Vereins ReBolting?
Durch meine Erfahrungen als Mitglied der Fachkommission „Erschliessen und Sanieren“ beim SAC (Schweizer Alpen Club, Anm.d.Red) war mir klar geworden, dass wir grundlegende Veränderungen bei der Organisation von Sanierungen benötigen. Vorbild wurde für mich die Sanierungsgruppe Oberhasli: nicht von oben installiert, sondern von unten gewachsen, die Ethik der einzelnen Gebiete wird berücksichtigt, die Sanierung erfolgt gemeinsam mit Erschließern und Locals. Die Gründung von ReBolting erfolgte dann 2016, Pesche Wüthrich und ich waren die Initiatoren.

Was ist eure Zielsetzung?
Wir wollen Sanierungen nicht per se pushen. Es soll sanft und sinnvoll saniert werden. Wichtig ist, dass der Erfahrungsaustausch zwischen heutigen Locals und den Erschließern gefördert wird, am besten durch gemeinsames Arbeiten, damit Sanierungen optimal gelingen. Wir wollen die Sensibilität für die Vielfalt und Unterschiedlichkeit von Klettergebieten und deren Absicherungsstil fördern. Dazu den Sanierern qualitativ bestes Material zur Verfügung stellen und Kletterer auf rebolting.ch über Sanierungen und neue Routen informieren.

Wie finanziert ihr euch?
Einerseits durch Gönner: Jeder Kletterer darf,... nein, sollte (lacht) seinen Beitrag zum Erhalt von Kletterrouten leisten. Andererseits durch Sponsoren: Petzl, Gecko Resoling, Mammut, Transa, Filidor, Austri­Alpin, Höhenfieber, Seilschaft.ch sowie Kooperationen mit Kletterhallen, Shops und weiteren Marken.

Bislang beschränkt ihr euer Wirken auf die Kantone Bern, Solothurn, Freiburg und Wallis. Habt ihr vor, eure Arbeit auf die ganze Schweiz auszudehnen?
Bei anhaltend positiven Erfahrungen wollen wir längerfristig schon eine schweizweite Zusammenarbeit mit anderen Vereinen oder neu interessierten Regionen anstreben.

Wie ist bislang das Feedback?
Sehr gut! Oft hören wir: „Ihr werdet dringend gebraucht!“

Was steht aktuell an?
Vom Erneuern kompletter Routen bis zum punktuellen Austausch von Zwischensicherungen, Standplätzen, scharfkantigen Karabinern oder durchgescheuerten Fixschlingen gibt es in vielen Klettergärten Handlungsbedarf. Auch viele lange Routen sollten zumindest teilsaniert werden. Am Grimsel, an den Wendenstöcken, im Oberwallis oder auch im Jura finden sich etliche Routen mit Sanierungsbedarf. Des weiteren widmen wir uns der Material-Entwicklung. Zum Beispiel möchten wir dezentere Bohrhaken-Laschen produzieren, ein Gerät entwickeln, mit dem man alte Haken entfernen kann, um die Löcher im Fels wiederzuverwenden, sowie einen Klebehaken, der nach seiner Lebenszeit entfernt werden kann. Alles mit dem Zweck, so wenig Spuren wie möglich am Fels zu hinterlassen. Dabei unterstützt uns auch der Verein Mountain Wilderness.

Was war bislang dein erschreckendster Hakenfund?
Für mich sind alte Haken eher fas­zinierend als erschreckend. Ich freue mich immer über Unikate und sammle sie leidenschaftlich gerne. Nicht schlecht gestaunt habe ich über ein selbstgestanztes, anderthalb Millimeter dickes Stahlblech – zumal es an einem Abseilstand verwendet worden war.

Foto: Martin Schupp Raphael Schmid, Verein ReBolting Schweiz

Raphael Schmid, einer der Hauptakteure des Vereins ReBolting.

Raphael Schmid (35) klettert seit 15 Jahren und genießt alle Facetten des Kletterer-Daseins, von der Solo-Erstbegehung langer Alpinrouten bis zum gemütlichen Klettergarten-Nachmittag mit Freunden. Seine Brötchen verdient der Berner als Sozialarbeiter.

Zur Webseite des Vereins ReBolting

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25.09.2018
Autor: Steffen Kern
© klettern
Ausgabe 06/2018