Richtig Vorsteigen

Risiken beim Vorsteigen

In dieser Welt kann alles mögliche passieren. Doch diese Risiken beim Vorsteigen sollte man auf dem Schirm haben.

Wer sich ans scharfe Ende des Seils begibt, muss sich auf alles gefasst machen. Griffe können ausbrechen (oder, in der Kletterhalle: sich unerwartet drehen), Karabiner blockieren, Schlingen können verdreht sein. Auch eine Wespe zur falschen Zeit am falschen Ort kann den Kletterfluss unterbrechen.

Doch wer die "objektiven" Risiken kennt, der kann zumindest damit anfangen, die Lage zu erfassen und einzuschätzen. Während man beim Draußenklettern noch den Zustieg, die Felsbeschaffenheit und die Wetterlage mit einschätzen können sollte, bietet auch der Beginn der Vorstiegskarriere in der Kletterhalle genügend Stolpersteine.

Risiken beim Vorstieg minimieren:

- Sicherungspartner: Wer jemanden im Vorstieg sichert, muss gut sichern können. Er sollte das Seil-Einholen und -Ausgeben (!) flüssig beherrschen. Nur wenn das Seil zügig und korrekt ausgegeben und eingeholt wird, kann der Vorsteiger ohne erhöhtes Risiko klettern. Der Sichernde muss einschätzen können, wann der Kletterer wieviel Seil braucht. Je nach Gewichtsverhältnissen wird der Sicherer im Sturzfall gegen die Wand gezogen oder nicht, muss schnell das Seil blockieren oder weich bremsen.

- Kletterer im Vorstieg: Auch der Vorsteiger muss alles richtig machen. Das Seil muss richtig herum in die Zwischensicherungen eingehängt werden. Das heißt, dass das vom Gurt kommende Seil immer oben/vorne aus dem Karabiner herauslaufen muss. Sonst besteht die Gefahr, dass sich das Seil wieder ausklippt.

Weiterhin sollte man nicht zu früh klippen. Denn je mehr Seil man herauszieht, desto tiefer endet der Sturz. Warum dies gefährlich ist und wann man am besten klippt zeigt das Video auf der nächsten Seite.

Foto: Ralph Stöhr Vorsteigen beim Klettern

Im Sturzfall gefährlich: das Bein hinter dem Seil.

Beim Vorsteigen sollten alle Zwischensicherungen eingehängt werden. Erst wenn eine stabile Position erreicht ist, sollte man klippen. Außerdem ist wichtig, dass man das Seil immer zwischen Wand und Körper entlangführt, es also vor sich behält. Wenn der Körper zwischen Wand und Seil gerät (siehe Bild rechts) besteht im Sturzfall ein deutlich erhöhtes Verletzungsrisiko. Das berüchtigte "Bein hinterm Seil" kann sich verfangen und den Kletterer kopfüber stürzen lassen. Dabei besteht die Gefahr, dass man den Sturz nicht mit den Füßen an der Wand abbremst, sondern mit dem Kopf.

Wann ist der Moment zum Klippen?

Idealerweise klippt man, wenn sich die Zwischensicherung auf Hüfthöhe befindet.

Warum das so ist, erklärt das Video auf der nächsten Seite

Sicher klettern - Tipps der Alpenvereine

30.03.2012
Autor: Stöhr / Burmester
© klettern