Sicher am Standplatz

Körpersicherung am Standplatz - Dummy-Runner und Plus-Clipp

Schnelleres Seil-Ausgeben, geringerer Fangstoß: Wenn möglich, wird in alpinen Sportkletterrouten heutzutage oft über Körper gesichert. Mit Dummy-Runner oder Plus-Clipp-Methode wird's möglich.
Foto: Johanna Widmaier

Körpersicherung mit Hilfe eines Dummy-Runners I

1. Dummy-Runner

Bei der Dummy-Runner-Methode fixiert man sich mit einer mindestens einen, besser anderthalb Meter langen Selbstsicherung am Stand. Bis der Vorsteiger die erste Zwischensicherung geklippt hat, läuft das Seil durch eine Expressschlinge, die am Standhaken eingehängt ist (Dummy-Runner).

In dieser Phase sollte der Vorsteiger nicht stürzen – wegen der Kollissionsgefahr von Vorsteiger und Sicherndem und weil der Sichernde in den Dummy Runner gezogen werden kann. Ist die erste Zwischensicherung geklippt, wird der Dummy Runner entfernt. Vorausgesetzt die Zwischensicherung ist solide, da bei ihrem Versagen ein Standplatzsturz mit Sturzzug nach unten die Folge wäre. Auch muss die Zwischensicherung einigermaßen senkrecht über dem Standplatz sein.

Foto: Johanna Widmaier

Körpersicherung mit Hilfe eines Dummy-Runners II

Ist der Dummy-Runner entfernt, hat der Sichernde zwei bis drei Meter Strecke nach oben, bevor er gegen die Wand beschleunigt wird, was in aller Regel ausreichen sollte.

Die Dummy-Runner-Methode kann auch angewendet werden, wenn sich die ers­te Zwischensicherung seitlich vom Standplatz befindet. Dann belässt man den Dummy-Runner über die komplette Seillänge. In diesem Fall sollte die Selbstsicherung aber minimal 2 Meter lang sein, da der Sichernde eben nur die Strecke bis zum Dummy-Runner als “Pufferzone” hat. Weil in alpinen Routen die Standhaken aber meist direkt oberhalb einer Stelle, an der man gut stehen kann, angebracht sind, gestaltet sich die Methode des “Tie­ferhängens” meist relativ unbequem und wird selten praktiziert.

Foto: Johanna Widmaier

Die Plus-Clipp-Methode I

2. Plus-Clipp

Bei der Plus-Clipp-Methode überklettert der Vorsteiger den Standplatz und hängt die erste Zwischensicherung der nächsten Seillänge ein, bevor er zum Stand zurückkehrt. Nun kann er den Nachsteiger quasi im Toprope über Körper sichern und dieser kann im Anschluss ohne jeglichen Umbau in den Vorstieg wechseln. Diese Methode hat den Vorteil, dass man dem Nachsteiger gut Zug geben kann und dass das manchmal heikle Losklettern vom Standplatz entfällt. Allerdings ist diese Methode nur bei Wechselführung sinnvoll. Voraussetzung ist, dass genügend Restseil vorhanden ist und dass die erste Zwischensicherung absolut zuverlässig ist. Außerdem sollte sie nicht allzuweit und einigermaßen senkrecht über dem Standplatz sein.

Foto: Johanna Widmaier

Die Plus-Clipp-Methode II

Auch hier sollte die Selbstsicherung mindestens einen, besser anderthalb Meter lang sein. Wichtig: Das Seil muss „falsch herum“ in die Zwischensicherung überm Stand geklippt werden, damit es beim da­rauffolgenden Vorstieg von unten innen nach außen oben durch die Express-Schlinge läuft. Dies ist deshalb nicht problematisch, weil das "falsch herum" eingehängte Seil ja anfangs beim Abklettern des Vorsteigers zum Stand und nachher beim Sichern des Nachsteigers jeweils nach unten verläuft.

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19.09.2008
Autor: Steffen Kern
© klettern
Ausgabe 06/2008