Gesunde Füße trotz Kletterschuhen

Wenn der Schuh drückt

Foto: Sarah Burmester Kletterschuh vs Fuß - Übungen für gesunde Füße

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Kletterschuhe fördern nicht gerade die Fußgesundheit. Besonders die Zehen müssen beim Klettern einiges aushalten. Mit diesen Tipps bleiben die Füße gesund.

Mit Kletterschuhen lässt sich prima klettern und bouldern – doch superenge, vorgespannte und harte Kletterpatschen sind nicht unbedingt gut für die Füße. Die intensiven Kräfte beim Klettern belasten die Füße, die evolutionär gesehen auf vielfältige Bewegungen ausgelegt sind. Beim Bouldern und Klettern werden aber nur wenige Gelenkwinkel beansprucht, dazu kommt eine starke Kompression.

Diese Kombination setzt den Zehengelenken ordentlich zu. Besonders in der Kletterhalle passiert es zudem nicht selten, dass die Zehen mit Karacho und recht unkontrolliert gegen die Wand donnern. Diese Art von Aufprall wirkt sich auch ungünstig auf die Zehengelenke aus.

Übrigens: Nicht nur Kletterschuhe malträtieren unsere Füße. Auch das Stehen und Gehen auf ausschließlich ebenen Böden belastet unsere untersten Extremitäten, denn auch dabei bleiben die Belastungswinkel immer gleich, was auf Dauer nicht gut ist. Deshalb sind anspruchsvolle Zustiege zum Fels und das Gehen auf verwurzelten, steilen und unebenen Böden bereits eine gute Fußgymnastik.

Ideal wäre regelmäßiges Barfußlaufen im Sand – aber da die meisten von uns nicht ständig am Strand spazieren gehen können, haben wir eine Reihe von Maßnahmen zusammengestellt, die den Füßen gut tun (siehe rechts). So manche Fußprobleme können in schmerzhafte Arthrose münden. Außerdem können sich Fußbeschwerden in andere Gelenke und Körperregionen (Knie, Hüfte, Wirbelsäule) fortsetzen, da die Füße gewissermaßen das Fundament des Skeletts darstellen. Da ist es um so sinnvoller, das „Bodenpersonal“ fit zu halten.

Kletterschuhe belasten die Füße einmal auf mechanische Weise, weil die Zehen und Füße zusammengedrückt werden. Eine sinnvolle und nicht zu unterschätzende Maßnahme ist daher, die Kletterpatschen so oft es geht zwischendurch auszuziehen, die Füße zu lüften und kurz durchzubewegen. Nach dem Klettern, vielleicht in Verbindung mit einer Lockerungs- und Dehn-Session, kann man die hier gezeigten Übungen einbauen.

Zum anderen ist das Klima in den Kletterschuhen nicht gerade gesundheitsförderlich. Das dunkle und warmfeuchte Klima lässt Keime und Pilze gedeihen. Deshalb sollten die Kletterschuhe nach dem Klettern gut gelüftet und getrocknet werden, um Nagelpilz, Fußpilz und sonstigen Infektionen vorzubeugen.

Der Physiotherapeut und Osteopath Klaus Isele hat bereits für Aufsehen gesorgt, als Adam Ondra erklärte, dass ihm die von Klaus verordneten Übungen gegen seinen sogenannten Plattfuß geholfen haben, mehr Kraft zu entwickeln und so die Knieklemmer und sonstige Akrobatik in seiner Route Silence (9c) in Norwegen besser durchführen zu können.

Tatsächlich neigen Kletterfüße zu Problemen wie Hallux Valgus (nach innen tendierender Großzeh) sowie Hammer- und Krallenzehen (pathologisch aufgestellte Zehen). Das Tragen von Flipflops verstärkt diese Tendenz, da die Schlappen bei jedem Schritt mit den Zehen festgehalten werden (was meist unbewusst passiert).

Die Konstruktion vieler Kletterschuhe verstärkt Tendenzen zum Hallux Valgus. Da ist es sinnvoll, schon beim Schuh-Kauf auf die Position der Zehen zu achten. Manche Modelle wirken der Hallux-Position auch entgegen. Je gerader die Großzehe im Schuh bleibt, um so besser für die Füße.

Nach dem Klettern: dehnen und mobilisieren

Im Fuß arbeiten rund 30 Knochen, fast 30 Gelenke, 60 Muskeln, mehr als 100 Bänder und über 200 Sehnen zusammen. Im Alltag nutzen wir nur wenige der Bewegungsmöglichkeiten im Fuß, und auch beim Klettern kommt durch die Kompression der Kletterschuhe wenig Bewegung in die Füße. Wenn wir aber nur Bruchteile der möglichen Bewegungen machen, verkümmern die ungenutzten Strukturen, neben Knorpel-Unterernährung verhärten Bänder und verfestigen sich die Faszien. Denn: Erst durch Belastung wird der Gelenkknorpel ernährt.

Wenn dies nur in eine Richtung, also wenige der möglichen Gelenkwinkel passiert, wird der Knorpel nur punktuell ernährt und der Rest bleibt unversorgt. Auch Muskeln und Sehnen, die nicht genutzt werden, rosten sozusagen ein. Deshalb ist es sinnvoll, die Füße mit unterschiedlichen Bewegungs-Anforderungen zu trainieren. Mit den hier gezeigten Mobilisierungen lassen sich viele der möglichen Bewegungswinkel abdecken. Die Füße nach dem Aufenthalt in den engen Kletterschuhen wieder beweglich zu machen, hilft also dabei, sie gesund und fit zu halten.

Adam Ondra klettert 'Silence' (9c)




29.05.2016
Autor: Sarah Burmester
© klettern