Alpin-Klettern für Einsteiger - die wichtigsten Tipps

Routenwahl und Planung

Foto: Björn Ernst Alpinklettern Dolomiten Drei Zinnen
Mit grandiosem Tiefblick weit überm Tal stehen, welcher Kletterer träumt davon nicht? Doch das Klettern im Gebirge hat eigene Spielregeln. Wir zeigen euch, wie ihr beim ersten Mal sicher durchkommt.

Bevor ihr ans Gebirgsklettern denkt, solltet ihr folgendes draufhaben: Klettern an echtem Fels, am besten auch in Mehrseillängenrouten. Lässt sich in unseren Mittelgebirgen oder mediterranen Gebieten lernen. Kondition und Trittsicherheit im alpinen Gelände: Bekommt ihr am besten beim Wandern oder auf Klettersteigen im Gebirge. Falsch bis lebensgefährlich: aus der Halle ins Gebirge.

Bei der Routenwahl gilt folgendes: Die erste Route sollte ungefähr zwei volle Grade unter dem, was ihr im Klettergarten vorsteigt, liegen (also zum Beispiel 5 statt 7). Gebirgsrouten sind kompliziert, ausgesetzt und oft auch ungewohnt hart bewertet. Die Route sollte gut gesichert oder – sofern ihr mit Keilen und Schlingen firm seid – zumindest gut absicherbar sein. Gebohrte Standplätze sind bei den ersten Routen sehr ratsam. Fester Fels und ein klarer Routenverlauf sollten gegeben sein. Fürs erste Mal genügt eine Wandhöhe von 200 bis 300 Metern vollauf, die Gipfelhöhe sollte 2500 Meter nicht überschreiten. Wichtig: Auch Zu- und Abstieg sollten leicht sein. Optimal ist, wenn sie weitgehend auf einem bezeichneten Wanderweg verlaufen.

Foto: Archiv Ernst Alpinklettern Dolomiten Drei Zinnen

Stefan steigt nach in der "Cassin" (7-) am Preussturm in den Dolomiten.

Eine geeignete Route findet ihr am besten in einem Auswahlführer, der auf Genussklettern spezialisiert ist, zum Beispiel: „Best of Genuss“, Panico Alpinverlag; „Schweiz Plaisir“, Edition Filidor; „Genussklettern Österreich Mitte“, Alpinverlag; „Genuss-Kletteratlas Österreich Ost“, Schall-Verlag. Diese beschreiben leichte bis mittelschwere (ca. 3 bis 6+), schöne und meist gut gesicherte Routen.

Denkt bei der Routenwahl daran, dass ihr anfangs länger brauchen werdet als im Führer angegeben. Da trifft es sich gut, dass alpines Klettern im Hochsommer stattfindet: Nicht nur sind dann die Zu- und Abstiege oft schon schneefrei, sondern die Tage auch recht lang. Startet früh am Tag. Ihr wollt nicht die letzten in der Route sein und habt so auch noch Zeitreserven für den Abstieg. Steigt nur bei stabilem Schönwetter ein (siehe nächste Seite).

Am besten geht ihr das erste Mal natürlich mit einem erfahrenen Partner. Falls euch das alles trotzdem zu windig erscheint, findet ihr unter www.bergfuehrer-verband.de geeignete Bergschulen für einen Alpinkletterkurs.

27.08.2009
Autor: Steffen Kern & Ralph Stöhr
© klettern
Ausgabe 7+8/2009/2009