10 Tipps: Besser Klettern

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Foto: Archiv Geldard Kletter-Tipps

1) Suche Dir einen guten Kletterpartner

Es macht viel aus, ob Dein Seilpartner (oder Seilpartnerin, natürlich) Dich motiviert, ähnliche Zeit- und Zielvorstellungen hat wie Du oder nicht. Ein guter Partner spornt Dich an, ist verlässlich, liegt mit Dir auf einer Wellenlänge, hat andere Stärken und Schwächen (um voneinander zu lernen) - und Ihr habt einen Haufen Spaß miteinander. Wie Jack Geldard und Rob Greenwood, die sich hier über ihre Begehung der Eiger Nordwand freuen.

2) Aufwärmen und Abwärmen

Es ist nichts Neues, aber es hilft wirklich: Auf- und Abwärmen bringt's. Erstens vermeidet man Verletzungen, zweitens bereitet man mit Aufwärmen die Muskulatur besser auf Leistung vor - warme Muskeln funktionieren besser. Mit dem Abwärmen ist es ähnlich: leichte Bewegungen zum Abschluss befördern die Regeneration und helfen, Muskelkater zu vermeiden. Hier wird eine weiche Knetmasse genutzt, um die Fingergelenke und -Muskulatur auf Belastung vorzubereiten.

3) Vernünftige Ausrüstung benutzen und deren Anwendung beherrschen

Spezial-Ausrüstung macht noch keinen Spezialisten - aber ohne die richtige Ausrüstung funktioniert das Klettern auch nicht. Vor allem sollte man darauf achten, dass die sicherheitsrelevante Ausrüstung passt und nicht schon zwanzig Jahre alt ist. Sprich: Klettergurt, Kletterseil, Sicherungsgerät und Express-Schlingen sollten aktuell und gepflegt sein. Außerdem sollte man sie alle sicher bedienen können. Im hakenfreien Gelände im Quartzit von Marokko sind außerdem mobile Sicherungsmittel (wie Keile und Friends) und das Wissen um deren Einsatzmöglichkeiten angeraten.

4) Realistische Ziele setzen und verfolgen

Viele Kletterer träumen davon, einmal richtig schwer zu klettern. Doch damit man erst einmal den nächsten Grad beherrscht, sollte man sich realistische Ziele setzen, zum Beispiel mehr Routen vorzusteigen, mehr im Onsight zu versuchen, oder überhaupt mehr schwere Routen zu probieren. Denn: wenn man schwerer klettern möchte, dann muss man auch regelmäßig härtere Routen probieren und Kampfgeist mitbringen. Wie hier Pete Robins in Sea of Tranquility (8c+) in Lower Pen Trwyn, Wales.

5) Sei informiert

Gerade bei unbekannten Klettergebieten oder neuen Kletterpartnern lohnt sich das Nachfragen oder -forschen: Ist ein Helm ratsam? Wer bringt das Seil mit? Brauche ich Keile für Routen bis 6b? Gibt es Routen bis 6b? Wie kommt man vom Berg wieder runter? Oft bringt es schon viel, den Topoführer vor dem Loslegen gründlich zu lesen.

6) Konzentration

Gerade an freien Tagen hat man vielleicht keine Lust, sich furchtbar zusammenzureißen und sich zu konzentrieren. Doch wer schon einmal einen Durchstieg vermasselt hat, weil die Schuhe nicht zu waren, oder der Chalkbag nicht auf - der weiß, wovon ich spreche. Oft hilft volle Konzentration, den Körper zu kontrollieren: wie hier James McHaffie in Master's Edge (E7 6c), der sich knapp vor dem Ausstiegsgriff am Finger verletzte und den kontrollierten Rückzug antrat.

7) Achte aufs Detail

Muss ich vor dem schlechten Seitgriff erst klippen oder später? Kommt erst der rechte Fuß auf den höheren Tritt oder erst der Linke? Muss ich frontal stehen oder eingedreht? Habe ich den Zielgriff anvisiert oder auf den Haken geschielt? Beim Klettern sind Details wichtig. Nun ja, zumindest achten gute Kletterer auf Kleinigkeiten und können mit gezieltem "Feintuning" noch einiges rausholen. Wie Jack Geldard in Chironico, weil gerade auf Platten Präzision gefordert ist.

8) Atmen und Schütteln

Durch manche Routen muss man durchrennen. Doch in 90 Prozent aller Fälle lohnt es sich, an offensichtlichen Ruhepunkten zu schütteln. Immer Ausschau halten sollte man nach der perfekten Rastposition: dem "No-Hand-Rest". In einer solchen Position kann man sich ausruhen, ohne sich mit einer oder beiden Händen festhalten zu müssen. Atmen sollte eigentlich automatisch gehen, doch beschleunigt sich die Atmung bei körperlicher Aktivität auch schon einmal automatisch. Wer eingreift, und die Atmung verlangsamt, kann auch die allgemeine körperliche Aufruhr besänftigen. Atmen und Schütteln klingen nach eher esoterischen Tipps, doch wer sie häufiger beachtet, wird ihren Nutzen schätzen lernen. Pete Robins pustet sich Lunge und Fingerspitzen frei in den Dinorwig Slate Quarries, Wales.

9) Essen und Trinken nicht vergessen

Ob man unbedingt ein Ei gefrühstückt haben muss, ist fraglich - es schadet aber sicher nicht! Wer nicht genug oder zuviel auf einmal isst, muss sich nicht wundern, wenn die Muskeln keine Leistung bringen und die Konzentration nachlässt. Auch genug Flüssigkeit im Körper hilft beim Klettern. Empfehlenswert: Eine Mischung aus Ballaststoffen (Gemüse oder Obst), Kohlenhydraten (zum Beispiel Brot) und Eiweiß (Hülsenfrüchte, Milchprodukte). Regelmäßiges Trinken ist wichtig, am besten Mineralwasser oder Saftschorlen. Mehr zum Thema Ernährung für Kletterer

10) Spaß haben!

Spaß gehört dazu. Alex Lowe hat's (angeblich) gesagt: "The best climber in the world is the one who's having the most fun." Wer gestresst ist oder unter Druck steht, klettert garantiert nicht besser. Außerdem: Wir klettern ja, weil es Spaß macht! Na, also.
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