Sportklettern: Pushing the Limits

Alex Megos pushing the Limits

„Das ging schneller als erwartet“ – so beginnen fast alle seine Erfolgsmeldungen. Das perfekte Projekt fehlt Alex Megos aber noch.

Wie viele 9a‘s oder schwerer hast du 2017 geklettert?
Ich schätze mal so um die zehn, davon eine Erstbegehung, die Clash of the Titans (9a+) am Götterwandl. Den meisten Aufwand habe ich in die Wieder­holung von Jakob Schuberts Companion of Change (9a+) im Zillertal gesteckt. Da habe ich drei Tage gebraucht.

Foto: Thomas Ballenberger / Red Bull Contentpool Alexander Megos klettert Coup de Grace 9a

Alexander Megos klettert 'Coup de Grace' (9a) im Tessin.

Was war die inspirierendste Route dieses Jahr?
Das war Pasito a Pasito (9a) in Chile. Nach meiner Fingerverletzung war das die erste richtig harte Route. Da habe ich gemerkt, dass ich langsam aus dem Loch rauskomme, dass ich wieder klettern kann. Außerdem waren die Leute sehr cool und wir hatten viel Spaß. Das war ein megageiler Trip.

Adam Ondra hat Wochen in seiner Route Silence (9c) zugebracht. Inspiriert dich der Aufwand, den Adam getrieben hat, oder schreckt dich das eher ab?
Ich finde das mega inspirierend. Aber ich könnte nicht wochenlang eine Route in Flatanger projektieren. Mir liegt dieser Kletterstil nicht, wo man 50 Meter durch ein Höhlendach eumelt. Ich würde mir aber wünschen, irgendwo ein Projekt zu finden, für das ich so viel Zeit investieren könnte. Das ist ja viel schwerer, als die Leute denken, dieses Projektieren. Am Anfang geht das, aber von dem Moment an, wo du weißt, dass du es schaffen könntest, wird es richtig schwierig für den Kopf.

Glaubst du, dass 9c nur mit so großem Aufwand möglich ist?
Nein, die Entwicklung geht weiter. Irgendwann kommen Leute, die das in einer Woche klettern. Wenn dir der Stil liegt, wird 9b einmal geklettert werden wie heute 8b.

Die schwierigste Route im Frankenjura ist immer noch deine Supernova. Hast du noch härtere Projekte in deiner Heimat im Visier?
Erst mal glaube ich inzwischen, dass Supernova eine 9b ist, keine 9a+. Nach der Erfahrung in den 9b‘s, wo ich jetzt schon drin war, und nachdem ein kleines Felsstückchen ausgebrochen ist, ist das schon eher 9b. Ansonsten war ich wegen meiner Fingerverletzung und den vielen Reisen seit eineinhalb Jahren nicht mehr ernsthaft in der Fränkischen klettern. Das einzige Projekt, dass mir noch im Kopf rumspukt, ist zehn Zehner an einem Tag zu klettern. Das ist gar nicht so einfach.

Deine schwierigsten Routen waren bisher 9b. Ist 9b+ ein Ziel für dich?
Ja klar. 9b geht ja schon relativ gut, wenn es mir liegt. Es müsste also auch noch härter gehen. Das Problem ist, dass die Auswahl sehr begrenzt ist. Momentan gibt es nur drei Routen im Grad 9b+ und eine 9c. Eine davon, Adam Ondras Route in Tschechien, ist nach Adams Aussage nicht besonders schön. Zwei davon sind in Flatanger, was mich nicht sonderlich reizt. Und eine ist La Dura Dura, wo du eine Riesenspannweite für einen Zug brauchst und ich nicht weiß, ob das für mich überhaupt geht. Und bei Erstbegehungen an der Grenze zwischen Möglich und Unmöglich ist es sehr, sehr schwierig, was zu finden, was dann genau 9b+ wird. Entweder sind die Routen unmöglich oder sie gehen, wie zuletzt in Kanada oder in Nassereith, dann doch schneller und sind leichter als erhofft.

Du bist dieses Jahr wieder ins Wettkampfgeschehen eingestiegen. Meinst du das ernst?
Natürlich meine ich das ernst! Ich werde im nächsten Jahr auf jeden Fall bei Weltcups starten, deshalb aber nicht auf das Felsklettern verzichten. Das Klettern draußen gibt mir viel Energie, die ich auch für das Wettkampfklettern nutzen kann. Wichtig ist für mich, die Sache nicht zu verbissen anzugehen, denn dann klettere ich nur schlechter.

Foto: Thomas Ballenberger / Red Bull Contentpool Alex Megos beim Dehnen

Alex Megos beim Dehnen.

Alex Megos (Bio)

Was haben Action Directe (9a, Frankenjura), Demencia Senil (9a+, Margalef), Biographie/Realization (9a+, Ceüse), Im Reich des Shogun (9a, Basler Jura), Coup de Grace (9a, Tessin) und Jaws II (9a+, Rumney, USA) gemeinsam? Alex Megos kletterte sie alle im dritten Versuch. Für den Klassiker La Rambla (9a+, Siurana) benötigte er sogar nur zwei Anläufe, und Estado Critico (9a, Siurana) und TCT (9a, Gravere, Italien) hakte er kurzerhand onsight ab. Dazu hat der 24-jährige Franke mit Supernova, First Round, First Minute und Fight Club drei 9b‘s auf dem Routenkonto, zwei davon als Erstbegehung.

15.12.2017
Autor: Steffen Kern
© klettern
Ausgabe 8/2017