Test: Kletterschuhe

Topmodelle im Vergleich

Wer für den optimalen Kontakt mit der Wand neues Schuhwerk sucht, wird hier fündig. Die aktuellen Topmodelle im Vergleich.
Vergleichbare Produkte im Test

 

Anasazi Verde
Foto: Redaktion klettern

Reinschlüpfen, hinstellen, wohlfühlen – das ist wohl der Traum aller Kletterer. Ein Kletterschuh, der weder zwickt noch drückt und trotzdem in jeder Lage optimal steht. So dass man sich aufs Klettern konzentrieren kann und die Füße fast dabei vergisst. Die neuen Topmodelle der verschiedenen Hersteller, die wir für euch getestet haben, sollen diesen Traum so weit wie möglich wahr machen - obwohl kein Schuhfabrikant Hausschuh-ähnlichen Komfort verspricht, schon gar nicht für die Spitzenmodelle. Äußerste Präzision und extremen Druck im steilen Gelände gibt es eben nur durch eine gewisse Enge im Schuh und ordentlich Vorspannung.

Was die Asymmetrie und Vorspannung angeht, ist allerdings anzumerken, dass die Schuhe im Neuzustand meist deutlich radikaler aussehen, als sie sich im Gebrauch anfühlen. Und allen Bemühungen der Hersteller zum Trotz zeigt die Sohlenspitze schon nach kurzer Gebrauchsdauer auch bei den wildesten Modellen nicht mehr wirklich nach unten – wobei eben beispielsweise ein Scarpa Spectro trotzdem noch unter Spannung steht und auch auf kleinsten Tritten im steilen Gelände sauber hält.

Ansonsten bieten die neuen Topmodelle nichts revolutionär Neues, die Optimierung verläuft eher im Detail. Unser Testfeld umfasst Schnürer und Velcroschuhe gleichermaßen und reicht vom stark asymmetrischen, extrem vorgespannten Schuh bis zu recht gerade geschnittenen Modellen wie dem Verde von Five Ten, mit dem es sich aber ebenfalls exzellent klettern lässt. Auch die Härte der Sohlenkonstruktion deckt ein weites Feld von sehr weich (wie beim Top Gun von Rock Pillars) bis zu ziemlich hart (wie beim Smythers von Montrail) ab. Solche Extreme haben allerdings jeweils einen etwas engeren Einsatzbereich, in dem sie wirklich brillieren.

Die meisten Exemplare in diesem Schuhtest sind übrigens für steiles Gelände (mindestens senkrecht) konzipiert und eignen sich weniger für plattige Anstiege.

Echte Ausfälle gab es erwartungsgäß nicht. Alle Modelle gehören in Sachen Passform und Perfomance zum gehobenen Niveau. Will man sie nach ihrem besten Einsatzfeld kategorisieren, dann sieht das ungefähr so aus: der Solution von La Sportiva, der Top Gun von Rock Pillars und der Corona VCR von Red Chili eignen sich besonders gut zum Bouldern. Der Spectro von Scarpa, der Smythers von Montrail und der Verde von Five Ten sind Präzisionsschuhe für kleinste Tritte in nicht extrem überhängendem Gelände. Die übrigen Modelle, der Mutant von Boreal, der Aarotz von Garra, der Goblin von Mammut und der Supra von Bufo sind gute bis sehr gute Allrounder. Aber bitte: Diese Kategorisierung soll nur ein grober Hinweis auf besondere Eignungen sein.

Was die Fertigung angeht, so wird ein Großteil der Schuhe in Europa hergestellt (Tschechien, Italien und Spanien). Der Five Ten stammt aus Amerika, Montrail und Red Chili fertigen in China – was übrigens schon lange kein Qualitätsmakel mehr ist.


Die Schuhe im Detail

21.12.2007
Autor: Ralph Stöhr
© klettern
Ausgabe 06/2007