Kletterschuhe 2010 im Test

Es geht auch ohne Schmerzen

Lange Zeit galt, dass zu einem Kletterschuh mit optimaler Performance auch Schmerz gehört. Zum Glück haben sich die Zeiten geändert.
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Test Kletterschuhe
Foto: Redaktion klettern Gute Beinarbeit basiert auf guten Kletterschuhen.

Normalerweise ist die Schuhtestzeit eine Zeit des Leidens. Da werden die Zehen immer wieder in nagelneue und echt enge Schuhe gepresst, und verzweifelt versuchen wir, die Fersenkappen irgendwie über den Fuß zu bringen. Ganz ohne Schmerz ging es zwar auch dieses Jahr nicht, dennoch präsentierte sich das Testfeld insgesamt ungewöhnlich erfreulich: Die Passform der Schuhe ist heute schon im unteren Preissegment erstaunlich gut.

Insgesamt ist der Schmerz eher von vorn nach hinten gewandert: Der Trend zu starker Vorspannung im Schuh hat zu straff sitzenden Fersengummis geführt, die bei empfindlichen Gemütern schon mal für gereizte Achillessehnen sorgen können. Das betrifft naturgemäß weniger die Komfort-orientierten Allrounder als die scharfen Geräte für den Überhang. Um so bemerkenswerter, wenn sich solche Waffen auch noch relativ komfortabel tragen lassen wie der Instinct von Scarpa. Wobei in dieser Hinsicht der Apache V von Boldrini Maßstäbe setzt und sich unglaublich geschmeidig den Fuß legt. Die üppige und raffinert gemachte Gummierung macht‘s möglich.


Schaut man sich die Testkandidaten
in Summe an, fällt auf, dass Schnürschuhe mit nur fünf Modellen in der Minderzahl sind. Der schnell und bequem an- und auszuziehende Velcro-Schuh liegt im Trend. Dabei ist mit den gut laufenden Schnürungen von La Sportiva oder Roc‘terra der Unterschied zum Velcro minimal. Nur im Highend-Bereich sind die Schnürungen so extrem aufs Zuknallen des Schuhs ausgelegt, dass der Bedienkomfort etwas leidet.
Eine echte Neuheit bringt Edelrid mit dem Slide-Rail-System, bei dem die Umlenkschnallen der Velcros auf dem Schuh individuell verschiebbar sind. Manche Tester klagten allerdings darüber, dass die Metallschnallen drücken können, besonders bei Toehooks.

Schon seit 2008 hat Evolv den EcoTrax-Sohlengummi im Programm, der beim Kaos II zum Einsatz kommt. Reibt richtig gut, besteht aber zu 30 Prozent aus recyceltem Gummi. Ansonsten verwenden viele Schuhe aus Gründen der Formstabilität und des Gewichts ein synthetisches Obermaterial, das zu Lüftungszwecken gerne auch perforiert sein darf.

Fazit und Empfehlung

Das Testfeld umfasste vom Einsteigerschuh bis zum Dachspezialisten ein weites Feld. Generell lag die Performance dieses Jahr erstaunlich hoch, dennoch stachen einige Modelle positiv hervor. Da ist zunächst der Apache V von Boldrini, der in Sachen Passform unerreicht ist und in der Kletterpraxis ebenfalls weit nach vorn gehört. Der Scarpa Instinct kombiniert sehr überzeugend Attacke mit Komfort, der La Sportiva Katana Lace ist ein ausgesprochen vielseitiger Allrounder für alle Zwecke. Red Chilis Corona gefällt ebenfalls durch die Kombination aus Komfort und Performance, ist aber etwas gemäßigter ausgelegt als der Instinct. Bequem geht es im Kaos II zu, ohne dass man auf Performance verzichten muss, wobei der Vapor V von Scarpa die feinste Kombination aus Tragekomfort und Kletterleistung abliefert.

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Die getesteten Kletterschuhe:

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Inhaltsverzeichnis

04.08.2010
Autor: Ralph Stöhr
© klettern
Ausgabe 06/2010