Test: Kletterhelme 2017

8 Kletterhelme im Test

Foto: Claudia Ziegler

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Die neuesten Kletterhelme: Wir haben acht neue oder überarbeitete Modelle unter die Lupe genommen.
Zu den getesteten Produkten

Das Testfeld im Überblick:

Kletterhelm / Link zum Testbericht Preis
Camp Storm 80,00 Euro
Climbing Technology Orion 79,95 Euro
Edelrid Shield II 84,95 Euro
Grivel Stealth 89,90 Euro
Mammut Wall Rider 100,00 Euro
Rock Helmets Morpheus 64,95 Euro
Salewa Vayu 140,00 Euro
Skylotec Grid Vent 95,00 Euro

Wozu ein Kletterhelm?

Mir ist in über 30 Jahren Klettern noch nie ein Stein auf den Kopf gefallen. Aber seit ich vor ein paar Jahren bei einem unerwarteten Pendelsturz, ein Trittausbruch beim Sportklettern, mit dem Kopf ein Felsband gestreift habe (mit Helm) und bei einem Freund ein Sturz Kopf voraus zum Glück Zentimeter über einem Felsblock endete (Griffausbruch, Sportklettern ohne Helm), habe ich beim Klettern immer einen Helm auf. Egal ob im alpinen Gelände, am heimischen Fels im Mittelgebirge oder unter südlicher Sonne. Die zweite Funktion eines Helms, den Kopf bei unkontrollierten Stürzen zu schützen, ist im Kletteralltag heute die wichtigere.

Und dass mir das nicht schwer fällt, dafür haben die Hersteller seit unserem letzten Test vor zwei Jahren wieder einiges getan. Zwar sind keine Gewichtsrekorde mehr zu verzeichnen, in Sachen Komfort und Belüftung wurde aber fleißig getüftelt. Acht seitdem neu erschienene oder weiterentwickelte Helme haben wir in unseren Test aufgenommen. Einige Hersteller, wie etwa Austrialpin, Beal, Black Diamond, Kong, Singing Rock oder Stubai sind deswegen hier nicht vertreten. Deren Spitzenmodelle sind aber weiterhin topaktuell. Petzl bringt im Sommer noch eine überarbeitete Version des ultraleichten Sirocco heraus. Einen Test werden wir dann nachliefern.

Normierte Leistung

Maximal 10 kN an Kraft darf auf den Kopf einwirken, wenn ein fünf Kilo schwerer Brocken aus zwei Metern Höhe auf den Helm fällt. Das schreibt die Norm EN 12492 für Bergsteigerhelme vor. Aus größerer Höhe genügt natürlich schon ein kleinerer Stein (z.B. ein Kilo aus zehn Metern Höhe), um dieselbe Kraft auf den Helm auszuüben. Daneben sieht die Norm noch seitliche Aufprallversuche, einen Durchdringungstest sowie Prüfungen der Festigkeit der Gurte und des Sitzes auf dem Kopf vor. Einen Schritt weiter bei der Dämpfung geht die freiwillige Norm der UIAA. Sie lässt nur eine Kraft von 8 kN zu. Von den hier vorgestellten Modellen sind die Helme von Climbing Technology, Edelrid und Skylotec auch nach dieser Norm zertifiziert. Richtwerte für eine maximal zulässige Beschleunigung bei einem Seitenaufprall, gibt es für Bergsteigerhelme im Gegensatz zu Fahrrad- oder Skihelmen noch nicht.

Ein Blick ins Innere

Die meisten modernen Leichthelme sind in Inmolding-Technologie aufgebaut. Dabei wird eine dämpfende Schicht aus Styropor (Expandiertes Polystyrol, EPS) in eine dünne Schale aus Polycarbonat eingespritzt. Einen anderen Weg geht Mammut beim Wall Rider und Salewa beim Vayu. Mammut verwendet als Schaum EPP (Expandiertes Polypropylen). Ein elastisches Material, das die Schlag-Energie durch Verformung aufnimmt, und anschließend größtenteils wieder seine alte Form annimmt. Darüber liegt beim Wall Rider eine partielle Hartschale.

Der Vayu ist als Hybrid-Helm aus Hartschale und dämpfendem Schaumstoff innen aufgebaut. Das dafür extrem geringe Gewicht erreicht Salewa durch die Verwendung von EPP als Schaum und einer mit Carbon-Fasern verstärkten, sehr dünnen und leichten Schale. Diese Konstruktion ermöglicht auch eine für Hybridhelme große Zahl an Belüftungsöffnungen kombiniert mit Luftkanälen im Inneren des Helms.

Was haben wir getestet?

Bewertet haben wir bei den acht Probanden den Tragekomfort, die Belüftung und das Handling der Systeme zur Größenanpassung. Am Tragekomfort gibt es nichts zu meckern. Keiner der Helme drückt und alle sitzen, je nach Kopfform, gut bis sehr gut auf dem Kopf. Auch in der Belüftung sind die Unterschiede nicht sehr groß. Am meisten Frischluft bieten die Modelle von Climbing Technology, Grivel, Mammut und Salewa.

Die Bandsysteme unterscheiden sich da schon deutlicher. Ein Drehrad am Nackenband macht die Größenanpassung sehr einfach. Kombiniert man das noch mit einem separat aufgehängten Kinnriemen und Clips, die ein Verrutschen der Seitenbänder verhindern, so ist das wie beim Storm von Camp optimal. Ergänzend haben wir noch überprüft, wie gut sich Stirnlampen fixieren lassen, was für Alpinisten ja durchaus interessant ist. In die Bewertung ist das aber nicht entscheidend eingegangen.

Fazit und Empfehlung Kletterhelme 2017

Die Hersteller haben in Sachen Tragekomfort ihre Hausaufgaben gemacht. Alle Helme sind sehr bequem. Wem welcher Helm mehr zusagt, liegt letztlich an der Kopfform. Auch mangelnde Belüftung kann bei den meisten Helmen nicht mehr als Ausrede für Helmmuffel herhalten. Sehr gut in allen Belangen sind der Allrounder Storm von Camp, der robuste, satt sitzende Shield II von Edelrid und der sehr leichte Mammut Wall Rider mit seiner hervorragenden Belüftung. Letztere zeichnet auch den sehr robusten Vayu von Salewa aus. Dessen Anpassung mit einem elastischen Band ist zwar praktisch, gefällt aber nicht jedem. Den Preistipp erhält der für einen Inmolding- Helm sehr günstige Morpheus von Rock Helmets.

Früher getestete Helme:

20.04.2017
Autor: Gnielka / Leuchsner
© klettern
Ausgabe 03/2017