Test: Hardshells

Regenjacke, Windjacke, Alleskönner: Hardshells im Test

Regenjacken: Hardshell-Jacken im Test
Foto: Redaktion klettern
Dreilagenjacken gelten als der ultimative Wetterschutz. Je nach Einsatzzweck gibt es sie von ultra leicht bis super robust. Wir haben neun aktuelle Hardshell-Jacken unter die Lupe genommen.
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Regenjacke gesucht? Wir empfehlen Hardshell-Jacken, genauer gesagt: Dreilagenjacken, wenn es um Bergsport geht. Denn oft ist es doch so: Beim Start auf dem Parkplatz scheint noch die Sonne. Auf halbem Weg zur Hütte schieben sich die ersten dunklen Wolken über den Bergkamm und wenig später ist es schon geschehen. Ein sommerliches Wärmegewitter öffnet seine Schleusen, es gießt wie aus Kübeln, nach und nach mischen sich auch noch Hagelkörner unter den Regen.

Eine typische Situation im Gebirge, bei der eine zuverlässige Regenjacke mehr als willkommen ist. Hardshells sind hier die erste Wahl: Die 3-Lagen-Laminate halten dicht gegen Regen und Wind und bieten Atmungsaktivität. Diese Dreilagenjacken sind eine robuste Schutzschicht, die den Druck schwerer Rucksäcke sowie das Scheuern an Fels und Eis klaglos überstehen sollen.

Um euch die Auswahl beim Kauf einer neuen Hardshell-Jacke zu erleichtern, haben wir zusammen mit unseren Kollegen vom outdoor Magazin neun aktuelle Dreilagenjacken auf Herz und Nieren geprüft.

Neues Material für Hardshells am Start

Unsere Auswahl reicht von der Leichtjacke bis zur super robusten Expeditionsjacke inklusive Schneefang. Das Gewichtsspektrum reicht von 320 bis rund 650 Gramm, das der Preise von 350 bis fast 700 Euro.

Sechs Hersteller setzen auf das im letzten Herbst neu auf den Markt gekommene Gore-Tex Pro, für das der Hersteller eine bis zu 28 Prozent höhere Atmungsaktivität gegenüber dem Vorgänger Pro Shell verspricht. Mountain Hardwear verwendet seine eigene Membran Dry.Q Elite. Das Leashless Jacket von Patagonia fällt gegenüber den anderen Jacken etwas aus dem Rahmen.

Zum einen wegen der verwendeten Gore-Tex Active Membran und zum anderen, weil in ungünstigen Fällen über die Seitentaschen Nässe ins Innere der Jacke gelangen kann. Wer aber eine extrem gut belüftbare Jacke für gemäßigte Einsätze sucht, für den ist das Modell von Patagonia durchaus eine Alternative.

Hardshell kaufen - worauf achten?

Der Klimakomfort hängt nicht nur von der verwendeten Kombination aus Membran und Oberstoff ab. Auch die Konstruktion einer Hardshell-Jacke ist maßgeblich daran beteiligt. Nahtbänder (Tapes), die zum Abdichten der Nähte von innen aufgeklebt werden, verringern die Atmungsaktivität genauso wie überlappende Materialflächen, etwa an den Taschen.

Spitzenreiter ist hier die Arc‘teryx FL, deren Tapemenge gerade mal die Fläche eines DIN-A4-Blatts einnimmt. Bei anderen Dreilagenjacken sind es im Schnitt drei bis vier. Die Länge der Unterarmbelüftungen (Pitzips) ist ein weiterer Klimafaktor. In puncto Tragekomfort und Klettertauglichkeit haben die Hersteller in letzter Zeit ihre Hausaufgaben gemacht.

Keine der Hardshells, auch die körpernah geschnittenen Modelle von Mammut, Mountain Hardwear oder Millet, engen die Bewegungsfrei heit ein. Relativ steif, dafür aber besonders robust ist das Material beim Ulvetanna Jacket von Berghaus. Besonders flexibel sind die Modelle von Mountain Hardwear, Norrøna und Millet. Bis auf Patagonia haben alle Konstrukteure die Taschen der Jacken so platziert, dass sie auch mit Klettergurt gut zugänglich sind.

Überaus positiv: Alle Kapuzen sind helmtauglich. Da gab es bei früheren Outdoor-Jacken oft Grund zur Kritik. Einzig unter der Kapuze des Seraction Jackets von Mountain Hardwear finden großvolumige Helme keinen Platz. Alle Kapuzen lassen sich auch ohne Helm mit wenigen Handgriffen anpassen. Sehr gut gefallen haben uns die Hauben von Mammut und Mountain Equipment. Sie sitzen perfekt und machen mit und ohne Helm jede Kopfbewegung mit.

Hardshells im Test - Fazit und Empfehlungen

Selten zuvor hatten wir, was die Performance angeht, solch ein homogenes Testfeld. Wenn man vom Leashless Jacket absieht, das in eine andere Kategorie fällt, gibt sich keine der Hardshells eine gravierende Blöße. Bleibt als Unterscheidungsmerkmal noch der Einsatzzweck. Absolut überzeugend für denjenigen, der eine extrem leichte und dennoch relativ robuste Jacke sucht, ist die Alpha FL von Arc‘teryx.

Voll ausgestattet bis hin zum abnehmbaren Schneefang und zugleich robust sind die Nordwand Pro von Mammut und die Ulvetanna Pro von Berghaus, beides Hardshells für harte Einsätze zu allen Jahreszeiten. Die Ulvetanna bringt aber auch ordentlich Gewicht auf die Waage. Der Spagat zwischen Gewicht und Leistung gelingt dem Trilogy Jacket von Millet sehr gut. Das Point Five Jacket bietet eine gute Allroundperformance zu einem günstigen Kurs. Deswegen erhält die Jacke von The North Face unseren Preistipp.


12.06.2014
Autor: Volker Leuchsner
© klettern
Ausgabe 05/2014