Seile fürs Sportklettern im Vergleich

Sportsfreunde

Sie sind, wie ich gerne wäre: dünn, leicht und stark. Wir stellen sieben Exemplare der aktuellen Generation der Sportkletterseile (9,5 mm) vor.
Zu den getesteten Produkten

Hier Kletterseile online kaufen„Für leistungsorientierte Kletterer“, „Für Topkletterer zum Punkten harter Routen“, „Perfekt für Onsight-, Flash- und Rotpunktbegehungen“, „Für Sportkletterer, die ihr Limit nach oben verschieben wollen“: Glaubt man den Beschreibungen der Seilhersteller, dann katapultiert uns der Kauf eines Seils der 9,5-Millimeter-Klasse direkt auf eine Stufe mit Chris Sharma und Adam Ondra.

 

Kletterseile im Test (9,4 - 9,6mm)
Foto: Redaktion klettern Das Beal Stinger wird gebrauchsfertig im Seilsack geliefert.

Die von uns getesteten Seile werden als „Spezialistenseile“ beschrieben. Was steckt dahinter? Seile mit rund 9,5 Millimetern Durchmesser sind dünner, leichter und beim Transport weniger voluminös als ihre gängigen Schwestern mit 10 Millimetern. Beim Metergewicht macht das zwar meist nur wenige Gramm aus, aber auf 70 Meter Länge ist der Unterschied bemerkbar.

Nicht nur beim Zustieg, sondern auch am Fels: Die dünnen Seile laufen reibungsärmer durch die Karabiner und ziehen beim Vorstieg in langen Seillängen weniger nach unten.
Kehrseite der Medaille ist, dass weniger Seilmasse auch weniger gehaltene Normstürze bedeutet. Diese kleinere Sicherheitsreserve reicht zwar zum normalen Sportklettern völlig aus, mit einer kürzeren Lebensdauer ist aber zu rechnen.
Deshalb preisen die Hersteller die Seile eher für den entscheidenden Rotpunktversuch an als zum Ausbouldern der Route, wo ein Seil durch viele Stürze beansprucht wird. Daneben führt die Reduktion des Durchmessers auch dazu, dass die Festigkeit bei Belastung über eine Felskante geringer ist. Für alpinen Felseinsatz sind diese Seile deshalb nicht gedacht.

Vorsicht beim Sichern

Die geringen Seildurchmesser erfordern schon im normalen Sportklettergebrauch etwas Aufmerksamkeit. Wenn die Seile noch neu sind, laufen sie besonders bei geradem Seilverlauf und gewichtigem Vorsteiger sehr flott durchs Sicherungsgerät. Bei Tubern sollten dann besser zwei statt einem Schraubkarabiner verwendet werden. Nach kurzem Gebrauch rauen aber die meisten Seile etwas auf, so dass die Reibung im Sicherungsgerät und damit die Bremskraft steigt. Dennoch: Für ungeübte Sicherer stellen sie ein Risiko dar.

Ansonsten ist es durchaus ein Genuss, mit den Leichtseilen unterwegs zu sein: Der Seil- oder Rucksack ist weniger voll, und beim Klettern klippen sich besonders die weicheren Exemplare fast wie von selbst.
Was das Gewicht der Seile angeht, lässt sich leider aus der Metergewichtsangabe kein verlässlicher Rückschluss darauf ziehen, was das gekaufte Seil am Ende tatsächlich wiegt. Erstens wird das Metergewicht unter Normbedingungen und mit einer Vorbelastung des Seils von 10 Kilogramm bestimmt, im „Normalzustand“ kann es daher etwas abweichen.

Zweitens sind die Seile meist nicht genau 50, 60 oder 70 Meter lang, sondern die Hersteller legen noch etwas drauf – aber eben unterschiedlich viel. In unserem Fall war zwar das laut Metergewicht schwerste Seil auch als 70-Meter-Exemplar das schwerste (das Laser von Edelweiss mit 4,68 kg), und das leichteste (das Magma von Millet mit 4,28 kg) hat auch das geringste Metergewicht. Bei den anderen ergibt sich aber aufgrund abweichender Längen kein zuverlässig interpretierbarer Zusammenhang zwischen Metergewicht und tatsächlichem Gewicht des Seils im Rucksack.

Einige der vorgestellten Seile kommen in unterschiedlichen Ausstattunsgvarianten, zum Beispiel als Bicolor oder Non-Bicolor-Seil. Wo dies der Fall ist, haben wir es jeweils angegeben.
Fast alle Seilhersteller machen sich im Zusammenhang mit ihren Angeboten auch für die Umwelt stark. Beal hat gemäß seinem Program „1 corde = 1 arbre (1 Seil = 1 Baum) in den letzten zwei Jahren 100 000 Bäume auf Madagaskar gepflanzt, Mammut baut solare Treibhäuser im Himalaya („Mammut-Seile sind klimaneutral“). Edelrid achtet auf schadstoffarme Produktion (nachgewiesen per bluesign-Zertifikat), Tendon und Millet nehmen gebrauchte Seile zum Recycling zurück. Von Millet gibt es auch das sehr energie- und rohstoffsparend hergestellte Seil „Low Impact Triaxiale“, das aber vom Durchmesser her nicht in dieses Feld passt.

Resümee und Empfehlung

Gut gefallen haben uns der niedrige Fangstoß des 9.4 Masters von Tendon und das butterweiche Klippen mit dem Stinger von Beal. Aufgrund ihrer Ausgewogenheit und ihres guten Handlings verdienen sich aber das Falcon von Edelrid und das Infinity von Mammut eine Empfehlung. Von den Werten und der sehr guten Ausstattung her spielen beide auf ähnlich hohem Niveau. Das Edelrid-Seil ist das etwas weichere und weist in der Testversion nur den Nachteil der kaum sichtbaren Mittenmarkierung auf. Beim Infinity von Mammut ist die Mitte dauerhaft durch das Duodess-Design erkenntlich. Für seinen hohen Preis darf man erfahrungsgemäß mit einer langen Haltbarkeit rechnen. Wer auf jedes Gramm achten muss oder will, dem empfehlen wir das Magma von Millet, das nicht nur beim Gewicht überzeugt.

Hier Kletterseile online kaufen

Weitere Artikel:


Die Seile im Detail:

  • 1
  • 2

Inhaltsverzeichnis

05.10.2010
Autor: Ralph Stöhr
© klettern
Ausgabe 09/2010