Kletterhelme im Test

Kletterhelm-Test: 10 aktuelle Kletterhelme im Überblick


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Kletterhelm-Test
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Test - Helme fürs Klettern
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In diesem Kletterhelm-Test gibt's die neuesten Helme fürs Klettern und Bergsteigen im Vergleich.
Zu den getesteten Produkten

Kletterhelme sind in den letzten Jahren immer leichter und komfortabler geworden. Auch das Aussehen der Helme kann nicht mehr als Ausrede herhalten, auf das Tragen eines Kletterhelms zu verzichten. Schon beim letzten Kletterhelm-Test durften wir deutliche Verbesserungen bei Komfort und Gewicht der Kletterhelme vermelden.

Dass die Entwicklung in Sachen Kletterhelme nicht stehen geblieben ist, zeigen die zehn Modelle, die wir für diesen Test ausgewählt haben. Allesamt sind sie in den letzten zwei Jahren neu auf den Markt gekommen. Dabei fällt auf, dass es sich beim Großteil der neuen Kletterhelme um Inmolding-Konstruktionen handelt, bei denen das dämpfende Material (Styropor) in eine relativ dünne Kunststoffschale eingespritzt wird.

Nur zwei Helme (von Edelrid und Mammut) sind als Hybrid-Konstruktionen ausgeführt, die aus einer harten Schale mit einem dämpfenden Einsatz im oberen Bereich bestehen. Ganz aktuell bringt Mammut mit dem Rock Rider einen weiteren Inmolding-Helm in den Handel, der in diesem Kletterhelm-Test leider nicht mehr berücksichtigt werden konnte.

Kletterhelme werden immer leichter

Es sah schon fast nach Rekordjagd aus, als Black Diamond im Sommer mit dem Vapor den ersten Kletterhelm mit unter 200 Gramm Gewicht präsentierte und Petzl mit dem nochmal rund 20 Gramm leichteren Sirocco konterte. Rund 250 Gramm wiegen moderne Inmolding-Helme heute im Schnitt. Natürlich müssen auch die leichtesten Kletterhelme die entsprechenden Normen erfüllen. Maximal 10 kN an Kraft dürfen auf den Kopf einwirken, wenn ein fünf Kilo schwerer Stein aus zwei Metern Höhe auf den Helm fällt.

Das schreibt die Norm EN 12492 für Bergsteigerhelme vor. Aus größerer Höhe genügt da natürlich schon ein kleinerer Stein, um dieselbe Kraft auf den Helm auszuüben. Daneben sieht die Norm für Kletterhelme noch seitliche Aufprallversuche, einen Durchdringungstest sowie Prüfungen der Festigkeit der Gurte und des Sitzes auf dem Kopf vor. Einen Schritt weiter bei der Dämpfung geht die freiwille Norm der UIAA. Sie lässt nur eine Kraft von 8 kN zu. Von den hier vorgestellten Modellen sind die Kletterhelme von Black Diamond, Edelrid, Stubai und Petzl auch nach dieser Norm zertifiziert.

Um die vorgeschriebenen Werte auch bei den ultraleichten Kletterhelmen zu erreichen, hat Black Diamond beim Vapor eine Kevlar-Schicht eingebaut und den Helm mit einem Gitter aus Kohlefaserstreben versehen. Petzl greift beim Sirocco zu einem besonderen Schaum, expandiertem Polypropylen (EPP), und verzichtet auf die Polycarbonatschale. Mammut setzt beim leichten und schmalen Hybridmodell El Cap zwei unterschiedlich harte, ineinander verzahnte Styroporschichten ein.

Worauf es bei Kletterhelmen ankommt

Geringes Gewicht allein ist aber nicht alles. Damit ein Kletterhelm nicht als lästig empfunden wird, müssen Passform, Polsterung und vor allem die Frischluftzufuhr stimmen. In diesem Punkt schlägt der Vapor von Black Diamond alles bisher da gewesene. Ebenfalls hervorragend belüftet zeigt sich sein etwas schwererer Bruder Vector, dicht gefolgt vom Stubai Nimbus. Aber auch unter den beiden Inmolding-Helmen von Edelrid und dem Defender von LACD lässt es sich bei höheren Temperaturen gut aushalten. Fast alle Kletterhelme weisen eine gut an die Kopfform angepasste Schale auf oder lassen sich mittels Nackenband gut anpassen.

Etwas aus der Reihe fallen hier der Kosmos von Kong, der für die jeweilige Größe eine sehr breite Schale aufweist, und der nur für kleine Köpfe taugliche El Cap von Mammut. In Sachen Polsterung gibt es nichts auszusetzen. In der Regel fällt sie recht üppig aus. Die etwas spartanischer gepolsterten Leichtmodelle bei den Kletterhelmen erreichen wegen ihres geringen Gewichts trotzdem einen relativ guten Tragekomfort. Guter Service: Edelrid legt seinen Helmen serienmäßig Ersatzpolster bei.

So sitzt ein Kletterhelm richtig

Im Idealfall schmiegt sich ein Kletterhelm an den Kopf wie eine Mütze, rutscht nicht, wackelt nicht, drückt nicht und fällt auch mit offenem Kinnband nicht vom Kopf. Zudem sollte der Helm gerade sitzen, nicht im Nacken hängen und auch nicht zu weit in der Stirn. Die Gurtbänder sollten dabei nicht über die Ohren laufen und die Verschlussschnalle darf nicht drücken.

Die Anpassung an den Kopf gelingt bei allen Kletterhelmen - mit mehr oder weniger Aufwand. Besonders gut ist der Shield II von Edelrid: Ein Dreh am üppig dimensionierten Rad und der Helm sitzt. Sehr gut funktioniert das auch beim Vector von Black Diamond, beim Defender von LACD oder Nimbus von Stubai. Die reinen Gurtsysteme des Shield Lite und Sirocco sind relativ umständlich zu bedienen. Doppelte Kinnbänder wie bei den Kletterhelmen von Kong, LACD und Stubai sind fummelig.

Fazit Kletterhelmtest 2013

Wie robust sich die beiden ultraleichten Modelle Vapor und Sirocco in der Praxis erweisen, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedenfalls, dass mit allen leichten Inmolding-Kletterhelmen ein sorgsamer Umgang gepflegt werden sollte. Mal eben mit samt der Hardware in den Rucksack stopfen und sich dann womöglich noch draufsetzen, tut nicht gut.

Wer deshalb einen sehr robusten, günstigen Helm sucht und nicht aufs letzte Gramm schaut, sollte zum Zodiac von Edelrid greifen. In der Inmolding- Kategorie bietet Stubai mit dem Nimbus einen guten Allroundhelm. Er erhält unseren Preistipp. Zählt man alle Kriterien wie Klima, Komfort, Gewicht, Handling und auch ein gewisses Maß an Robustheit zusammen, so liegen der Black Diamond Vector und der Shield II von Edelrid an der Spitze. Beide tragen sich über lange Zeit bequem und haben die klettern-Empfehlung verdient.


Die einzelnen Kletterhelme im Test:

20.05.2013
Autor: Volker Leuchsner
© klettern
Ausgabe 04/2013