Klettergurt-Test

Test: Zehn aktuelle Klettergurte


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Klettergurt
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Komfort ist beim Klettergurt-Kauf das entscheidende Kriterium. Wir haben zehn neue oder überarbeitete Klettergurte probegeklettert.
Zu den getesteten Produkten

Kletterausrüstung bietet reichlich Diskussionsstoff. Man braucht nur am Fels oder in der Halle die Ohren zu spitzen: „Das Seil krangelt…, dieser Schuh hat mehr Vorspannung und steht besser…, jenes Sicherungsgerät lässt sich besser bedienen …“ Debatten über Klettergurte sind mir aber bisher noch nicht zu Ohren gekommen.

Dabei erfüllt der Klettergurt als Bindeglied zwischen Köper und Seil nicht nur eine wichtige Aufgabe, sondern trägt durch Komfort und gutes Handling zum Kletterspaß, ja sogar zum Gelingen einer Route bei. Das sind auch die Kriterien, welche die Hersteller immer weiter zu verbessern suchen.

Für uns ein Grund, die aktuellsten Klettergurt-Modelle näher anzuschauen. Das Testfeld reicht dabei vom Ausstattungsriesen für Trad-, Alpin- und Bigwallrouten über universell einsetzbare Allrounder bis zum extrem leichten Sportklettergurt.

Wie bequem ist der Klettergurt? Komfort geht vor

Vom Sicherheitsaspekt her ist die Sache klar: Ein Klettergurt soll die beim Sturz auftretenden Kräfte gleichmäßig und schonend auf den Körper übertragen. Das ist zwar die wichtigste, aber nicht die häufigste Aufgabe. Am meisten belastet wird ein Gurt beim Abseilen, beim Hängen am Stand oder beim Auschecken einer Route. Und dabei soll er vor allem bequem sein und eine möglichst aufrechte Hängeposition bieten.

Gerade in diesem Punkt scheinen die Hersteller in letzter Zeit an den Geometrien getüftelt zu haben. Wiesen vor ein paar Jahren noch einige Klettergurte die Tendenz auf, beim freien Hängen nach hinten zu kippen, so baumelt es sich nun mit allen Gurten im Feld relativ entspannt und aufrecht am Seil. Dass beim Hängen nichts zwickt oder drückt, lässt sich entweder durch breite Bänder oder dicke Polster erreichen. Am bequemsten hängt es sich auf Dauer im AR 395a von Arc‘teryx. Aber die ganze Reihe an Modellen mit vier Sternen in der Hängewertung stehen dem Arc‘teryx-Gurt kaum nach.

Unter den breiten Bändern und dicken Polstern wird es aber schnell warm, was sich in einem verminderten Tragekomfort bemerkbar macht. Hier punkten die luftigen Modelle von Mammut und Ocùn. Wie bequem der Klettergurt voll beladen auf der Hüfte sitzt, fließt ebenfalls in den Punkt Tragekomfort mit ein.

Klettergurt-Ausstattung: das Drum und Dran

Wie gut laufen die Schnallen? Wie groß sind die Materialschlaufen? Lassen sie sich gut bedienen und sind sie gut erreichbar? Kurzum: Wie sieht es mit dem Handling bei den vorgestellten Klettergurten aus? Punkt eins ist schnell abgehakt. Alle Verschlussschnallen laufen gut und lockern sich auch nicht. Beal spendiert dem Rebel zwei Schnallen am Hüftgurt. Beim Renegade von DMM ist das Polster auf dem Hüftband verschiebbar. Diese beiden Gurte lassen sich dadurch zentrieren, so dass die Materialschlaufen immer symmetrisch am Körper sitzen. Bei allen anderen Klettergurten ist dies nur beim komplett geschlossenen Gurt der Fall.

Ob die Materialschlaufen eher vorn sitzen oder weiter hinten, ist Geschmacksache. Je weiter vorn, desto besser ist das ganze Material einsehbar, baumelt aber im Extremfall auf den Oberschenkeln. Ganz vorn sitzt das Material beim mit drei Schlaufenpaaren ausgestatteten Gurt von DMM. Am weitesten hinten sitzen die Schlaufen bei den Klettergurten von Edelrid und Camp. Am besten zu handeln sind Materialschlaufen mit steifem, horizontalem oder leicht nach vorn abfallendem Steg. Bei halbrunden Schlaufen können die Karabiner leicht übereinander rutschen und sich gegenseitig verhaken.

10 Klettergurte getestet - Fazit und Empfehlungen

Das Testfeld bietet für alle Ansprüche den passenden Gurt. Wer als Sportkletterer aufs Gewicht schaut, ist mit dem Mammut Zephir und dem Petzl Hirundos gut bedient. Camp und Ocùn bieten voll ausgestattete Allrounder zu einem günstigen Kurs und erhalten einen Preistipp. Am bequemsten hängt es sich im Gurt von Arc‘teryx, der sich zusammen mit den Kollegen von Beal und Black Diamond eine Empfehlung verdient hat.


18.03.2015
Autor: Volker Leuchsner
© klettern
Ausgabe 02/2015