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Karabiner zum Klettern - Report

Das wichtigste Glied in der Kette

Karabiner sind zentral für unsere Sicherheit; verbinden sie doch das Seil mit den Haken in der Wand. Die neuen Modelle sind leichter geworden. Ob das immer besser ist?

Karabiner Schlingen Rack

"Rack up, mate!"
Foto: Ralph Stöhr

Sie werden immer dünner. Und leichter, und kleiner. Trotzdem sollen sie alles andere als zerbrechlich sein, schließlich hängt unser Leben immer wieder an ihnen. Ob nun an einer Expresse im Bohrhaken, in einem windigen Wackelkeil, mit der Trittleiter drin an einem Haken oder zugeschraubt am Standplatz: Karabiner kommen in ganz unterschiedlichen Situationen zum Einsatz. Entsprechend weit ist der Markt aufgespreizt, und jedes Jahr kommen einige neue Modelle hinzu.

Der Boom des Kletterns in den letzten Jahren hat uns auch auf dem Hardware-Sektor einige neue Hersteller beschert, Namen wie Anlo oder Climbing Technology sind in diesem Report zum ersten Mal vertreten. Produziert werden die Karabiner in Europa, den USA und zunehmend auch in Fernost.

Alle Kletterkarabiner sind heute aus Aluminiumlegierungen gefertigt. Sie werden aus Alu-Stangenware zunächst auf Länge gesägt, dann in die Grundform gebogen und schließlich geschmiedet. Beim Schmieden verbreitet sich das Heißschmieden immer mehr. Das Schmieden bei hoher Temperatur erlaubt aufwendigere Formen wie die Doppel-T-Querschnitte der DMM- oder Wild-Country-Karabiner. So wird bei hoher Haltekraft Gewicht gespart.

In der Regel werden aus einer Karabiner-Grundform gleich eine Reihe Varianten hergestellt: mit geradem und gebogenem Schnapper, mit Drahtschnapper, als Schrauber. So sind viele der vorgestellten Karabiner auch mit anderen Schnappertypen erhältlich. Wie auch immer der Karabiner produziert wird: Soll er in Europa auf den Markt kommen, muss er der Norm EN 12275 entsprechen. Die Mindesthaltekräfte nach Norm betragen in Längsrichtung 20 kN, in Querrichtung 7 kN und mit offenem Schnapper ebenfalls 7 kN. Diese Werte überschreiten heute viele Karabiner. Zur Normerfüllung ist eine Stückmusterprüfung nötig. Ist die erfolgt, hat der Hersteller zu gewährleisten, dass alle Karabiner dieses Modells die am Stückmuster festgestellten Festigkeiten erreichen. Es gibt dazu unterschiedliche Methoden: Stichproben je Charge, 3-Sigma-Verfahren (das sicherstellt, dass 99,9 Prozent aller Karabiner höhere als die angebenen Haltekräfte haben), nichtzerstörende Einzelstückproben und optische Inspektion – oder eine Kombination aus diesen Dingen wie zum Beispiel bei Black Diamond, DMM oder Wild Country. Ebenfalls der Qualitätskontrolle dient das Aufdrucken von Batchnummern auf jeden einzelnen Karabiner, so dass eine Rückverfolgung durch alle Stadien der Herstellung möglich ist.

Neben den reinen Haltekräften gibt es aber noch einige andere Qualitätsmerkmale. Ein Karabiner sollte selbstverständlich keine scharfen Kanten aufweisen, auch nicht im Bereich der Nase oder des Verschlusses. Außerdem sollte der Schnapper sauber schließen. Einige Karabiner haben im Bereich der unteren Krümmung eine kleine Vertiefung, damit das Seil im Sturzfall besonders nah am langen Schenkel liegt, was sich günstig auf die Haltekraft auswirkt. Ebenfalls günstig ist eine geradere Auflage für Expressschlingen an der dem Seil entgegengesetzten Krümmung des Karabiners. Wenn diese Krümmung sehr rund ist, neigen die Exen dazu, sich im Karabiner zu verschieben. Bei Schraubkarabinern laufen Messinghülsen besonders sahnig auf dem Gewinde, sind aber auch ein bisschen schwerer.

Worauf kommt es an?

Beim Handling ist es wichtig, dass die Karabiner gut in der Hand liegen und sich problemlos klippen lassen. Geriffelte Schnapper wie bei Black Diamond oder spezielle Formgebung des Schnappers wie bei AustriAlpin oder Anlo helfen hier. Auch bei Drahtschnappern lassen sich leicht gekrümmte einen Tick leichter öffnen. Man muss aber schon feinfühlige Finger haben, um das zu spüren.
Generell sind Karabiner mit Keylock statt klassischer Nase etwas einfacher in Hakenösen zu versenken, was für Expressen bedeutet: auf der Hakenseite ein Karabiner mit Aluschnapper und Keylock, auf der Seilseite ein Drahtschnapper – so kommt zum Beispiel die LiveWire-Expresse von Black Diamond in den Handel.

Bei Verschlusskarabinern verengt die Schraub- oder Twistlock-Hülse grundsätzlich die Schnapperöffnung. Man sollte darauf achten, dass diese nicht zu klein ausfällt, sonst wird das Handling mit Schlingen und Seil und was sich noch alles am Standplatz rumtreibt, erschwert. Während die kleinen Schrauber sich vor allem für die schnelle Selbstsicherung oder auch mal als Zwischensicherung eignen, sollte man an etwas komplizierteren Standplätzen größeren Schraubern den Vorzug geben. Die Schnapper-offen-Bruchkraft ist bei Schraubern natürlich weniger wichtig als die Querbruchkraft.

Nachdem im Outdoor-Bereich das Leichteste immer auch das Beste zu sein scheint, seien hier ein paar Anmerkungen gestattet. Natürlich ist es prima, dass das Eisenzeug heute viel weniger wiegt als früher. Beim reinen Sportklettern – dem ja doch sehr viele huldigen – stellt sich aber die Frage, ob es wirklich auf jedes Gramm ankommt. Zumal in Highend-Routen die Exen ja oft schon drin hängen. Und falls nicht, werden sie heute vor dem Durchstieg normalerweise eingehängt, und sei es nur zum Warmmachen vor dem Rotpunktversuch. Jedenfalls hängen sie meist nicht mehr am Gurt.
Der Gewichtsfetischismus hat nämlich auch seine Kehrseiten: Erstens haben die ultraleichten Karabiner meist sehr schmale Profile, die bei Biegebelastung – die nicht vorkommen sollte – schneller brechen als massivere Modelle. Zudem verringert sich mit der Verkleinerung der Karabiner auch der Radius, über den das Seil im Sturzfall gebremst wird, was zu stärkerem Seilverschleiß führt. Und schließlich sind die kleinen Karabiner zum Hineingreifen sehr unbequem.
Dennoch haben sie natürlich ihre Berechtigung: Beim Trad- oder alpinen Klettern, wo Stürzen eher die Ausnahme und zuviel Geraffel am Gurt die Regel ist, freut man sich über jedes gesparte Gramm.

Was kommt und was nicht kommt

Ganz neu wurde von Kong auf der letzten OutDoor-Messe eine Oberflächenbehandlung vorgestellt, die den Abrieb am Karabiner reduzieren soll. In dieser Richtung – Langlebigkeit durch Veredlung – dürfen wir in Zukunft sicher noch einiges erwarten. Was dagegen nicht abzusehen ist, sind durchstanzsichere Hülsen an Schraubern und Twist-Lock-Karabinern. Ein am Schnapper verklemmter Abseilachter kann immer noch zum Brechen der Hülse und Öffnen des Karabiners führen. Hier ist also weiterhin Aufmerksamkeit und Mitdenken angesagt – aber das gilt für den Umgang mit Klettermaterial ja ohnehin immer.

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Autor: Ralph Stöhr

© klettern : Ausgabe 9 / 2009/2009

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