Crashpads im Test

Mattenmatik

Von wegen Hülle mit etwas Schaumstoff dazwischen – ein gutes Crashpad zu konstruieren, ist eine Wissenschaft für sich. Wir haben bei 19 Bouldermatten ausgiebig geprüft.
Zu den getesteten Produkten

 

Jonas Junker im Anflug auf die Matten.

Bereits im August 2008 haben wir mit unserem bis dato längsten Produkttest begonnen. Susten- und Gotthardpass, Fontaine­bleau, Tessin, Averstal, Odenwald, Pfalz – über ein Jahr lang waren 19 Matten in unterschiedlichem Gelände im Einsatz. Über 20 Boulderinnen und Boulderer unterschiedlicher Größen- und Gewichtsklassen haben mitgetestet, ihre Kritikpunkte und Anregungen sind in die Bewertung eingeflossen. Mit Ausnahme von drei Matten, die sich schnell als unzureichend herausstellten, haben wir alle Crashpads mindestens 20 Bouldertage getestet, die meis­ten brachten es auf 30, manche sogar auf über 50 Tage.

Selbstverständlich wären noch mehr Testtage pro Crashpad wünschenswert, um den Alterungsprozess während eines ganzen Mattenlebens beobachten zu können. Ein Vergleichstest über einen noch längeren Zeitraum macht jedoch keinen Sinn, da viele Crashpads am Ende gar nicht mehr erhältlich wären. Schon im Rahmen unseres Tests gab es bei zwei Firmen für 2009 Änderungen gegenüber den von uns beboulderten Matten: beim Flashed Ronin nur die Farbe, das aktuelle Modell ist schwarz-grau. Revolution hat sein Mission Pad dagegen nicht nur optisch verändert, sondern auch um einige sinnvolle Details verbessert.

Für jeden etwas

Wir haben das Spektrum der Crashpads bewusst weit gefasst – von putzig klein bis Monstermatte –, damit für jeden etwas dabei ist. Gelegenheitsboulderern, Fontaine­bleau-Parcourkletterern und Blockjüngern, die ihre Probleme grundsätzlich in größeren Gruppen angehen und dann meist mit mehreren Pads ausgestattet sind, dürfte ein kleines, etwa 120 mal 90 Zentimeter großes Crashpad genügen. Passionierten Einzelkämpfern, Highballspezialisten und Liebhabern von stark verblockten Bouldergebieten wie dem Magic Wood im Averstal kann ihre Matte dagegen oft nicht groß genug sein, sofern sie nicht lieber mehrere Exemplare durch die Gegend schleppen. Und natürlich haben wir auch einige Modelle im Angebot, die zwischen Minimatte und Doppelbett rangieren.

Die Mischung macht‘s

17 der 19 Modelle sind konven­tionell aufgebaut: zwei oder mehr Schaumstoffschichten, oben eine harte, geschlossenzellige, welche die Sturz­energie verteilt, dann eine weichere, meist offenzellige Schicht, die für die Dämpfung sorgt, darunter oft nochmal ein geschlossenzelliger Schaum, der ein Durchschlagen auf harten Untergrund verhindern soll. Ob zwei oder fünf Schichten ist aber nicht die entscheidende Frage, es kommt auf die Qualität und die Abstimmung der Schaumstoffe an.
Zwei Hersteller beschreiten innovative Wege. Bei den Modellen von Chillaz und Flashed übernimmt vorrangig Luft die Aufgabe der Dämpfung – jeweils mit überzeugendem Ergebnis.
Bleibt noch die Frage: „Geschnitten oder am Stück?“ 13 Matten kommen mit zweiteiliger Konstruktion, fünf besitzen nur eine Kammer, das Beal Big Air Bag ist eine Kombination aus beidem (siehe Kasten unten).

And the winner is

Von den vier großen Matten hat uns das Mondo von Black Diamond am meisten überzeugt. In Sachen Sicherheit und Handling top, dazu robuste Materialien – ein klarer Fall für eine Empfehlung. Bei den mittelgroßen bis kleinen Modellen haben uns vier Crashpads besonders gut gefallen: das extrarobuste Ronin von Flashed mit seiner innovativen und funktionellen Luftkammer-Konstruktion, das ebenfalls sehr robuste Metolius
Boss Hog mit einer rundum guten Performance, dito das Ocùn Paddy Dominator und das schon erwähnte Mission Pad von Revolution. Der einzige Preistipp geht an das kleine Mad Pad von Mad Rock, das dafür Größe beim Preis-Leis­tungsverhältnis zeigt.

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Inhaltsverzeichnis

Autor: Steffen Kern
© klettern
Ausgabe 10+11/2009/2009