8 Kletterseile im Test

Test: 8 Kletterseile zwischen 9,1 und 9,9 mm


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Kletterseil beim Abseil-Einsatz
Foto: Klaus Kranebitter

 

Kletterseil-Test 2014
Foto: Austrialpin

 

Kletterseil-Test 2014
Foto: Beal Joker

 

Kletterseil-Test 2014
Foto: Cousin Trestec

 

Kletterseil-Test 2014
Foto: Edelrid
Sie wollen ein Kletterseil kaufen? Wir hatten zehn neue Einfachseile im Test, die dünner als zehn Millimeter sind. Hier erfahren Sie, was die Seile können.
Zu den getesteten Produkten

Das Prinzip ist alt. Seit über 60 Jahren sind Kletterseile aus einem tragenden Kern und einem schützenden Mantel aufgebaut und werden aus dem gleichen Material (Nylon) auf die gleiche Art und Weise gefertigt. Die Weiterentwicklung bei Seilen liegt seither im Knowhow der Hersteller: Einerseits die Eigenschaften der Nylonfasern durch Wärmebehandlung oder mechanische und chemische Prozesse immer weiter zu verbessern.

Andererseits im Flechtprozess, wenn der Mantel um den Kern geflochten wird, Maschinenparameter wie etwa die Fadenspannung oder das Flechtmuster auf die gewünschten Eigenschaften des Seils einzustellen. Je aufwendiger diese Prozesse sind, desto haltbarer und teurer ist das Seil in der Regel.

Dass es den Herstellern immer wieder aufs Neue gelingt, mehr aus einer einfachen Nylonfaser zu machen, zeigt die große Anzahl an neuen Kletterseilen, die jedes Jahr auf den Markt kommt. Wir stellen euch im Folgenden zehn Einfachseile vor, die entweder komplett neu sind oder weiterentwickelt wurden oder von Firmen stammen, die zum ersten Mal Seile auf den deutschen Markt bringen.

Wer sich ein Kletterseil kaufen will, wird in der Regel zum Einfachseil greifen und auf Gewicht und geringes Volumen achten. Da zudem die signifikantesten Fortschritte in den letzten Jahren bei dünnen Einfachseilen zu verzeichnen sind, haben wir uns bei unserer Auswahl auf Kletterseile mit einem Durchmesser von weniger als zehn Millimeter konzentriert. Die Palette reicht vom 9,1 mm starken Kletterseil Joker Unicore von Beal bis zum 9,9 mm dicken Kletterseil Tepee II von Cousin. Mit dem Joker und dem Kletterseil Finesse von Mammut sind auch zwei Modelle vertreten, welche die Normen für alle drei Seiltypen (Einfach-, Halb- und Zwillingsseil) erfüllen.

Kletterseile: Alles nach Vorschrift

Wie alle Kletterseile müssen auch die neuen Dünnen den Normanforderungen der EN 892 für dynamische Seile entsprechen. Für Einfachseile heißt das, dass sie mindestens fünf sogenannte Normstürze halten müssen (80 kg Fallmasse, Sturzfaktor 1,77, statisch gebremst über eine Kante mit einem Radius von 5 mm). Kletterseile müssen als dynamische Seile vor allem Sturzenergie aufnehmen, damit die auf den Kletterer und die Sicherungskette wirkenden Kräfte begrenzt werden. Die Zahl der gehaltenen Normstürze ist zugleich ein Maß für die Sicherheitsreserven eines Seils.

Denn das Seil verliert durch Alterung und Verschmutzung, aber auch durch Nässe und bei Frost einen Teil seiner Leistungsfähigkeit. Dass die Reserve bei ganz dünnen Seilen nicht so üppig ausfällt, ist klar. Die neun Normstürze des Kletterseil Eagle Light von Edelrid zeigen aber eindrucksvoll, was bei einem Durchmesser von 9,5 mm drin ist. Neben der Sturzzahl ist der Fangstoß die nächstwichtige Kenngröße. Die Norm für Kletterseile EN 892 verlangt, dass der Fangstoß bei Einfachseilen maximal 12 kN beträgt. Zwischen dem Fangstoß und der Dehnung eines Seils besteht ein Zusammenhang; vereinfacht gesagt dehnen sich Kletterseile mit geringem Fangstoß mehr als solche mit hohem Fangstoß.

Die Dehnung ist zwingender Teil der Funktionsweise eines Kletterseils, aber auch problematisch, da sie den Sturzweg verlängert. Den niedrigsten Fangstoß weist das Kletterseil Edelweiss Energy mit 8,1 kN auf, allerdings bei recht hoher Dehnung. Die große Zahl der Normstürze beim Kletterseil Eagle Light von Edelrid gehen eindeutig auf Kosten des Fangstoßes. Es ist das zweithärteste Seil im Feld und hat die geringste Dehnung.

Kletterseil kaufen - darauf solltet Ihr achten

Neben den harten Fakten bestimmen in der Praxis weitere Faktoren die Beurteilung: wie weich ist es, neigt es zum Krangeln, wie wird der Durchmesser empfunden, welches Sicherungsgerät ist geeignet? Da der Durchmesser der Seile unter Belastung gemessen wird, sind die meisten Seile unbelastet etwas dicker als die Normangabe. Bei weichen, flexiblen Seilen macht sich dies am stärksten bemerkbar. Weichere Seile sind zunächst angenehmer im Handling und klippen sich etwas leichter. Im neuen Zustand laufen sie allerdings auch sehr leicht durchs Sicherungsgerät. Als besonders glatt haben wir am Anfang die Modelle von Beal, Edelrid, Petzl und Skylotec empfunden. Geeignete Sicherungsgeräte sind hier Pflicht.

Kletterseile im Test - Fazit und Empfehlungen

Die Kletterseil-Hersteller haben ihre Hausaufgaben gemacht, so dass Sie alle getesteten Kletterseile bedenkenlos kaufen können. Gravierende Unterschiede im Handling, wie noch vor ein paar Jahren, gibt es nicht mehr, und die Seile sind, bezogen auf den Durchmesser, im Schnitt leistungsfähiger geworden. Vom Handling besonders gut gefallen haben uns die Seile von Petzl, Mammut und Skylotec. Wobei letzteres wegen des hohen Fangstoßes an einer Empfehlung vorbei geschrammt ist. Edelrid erhält eine Empfehlung wegen der hohen Leistungsreserve. Den Preistipp erhält das äußerst günstige Kletterseil von Cousin Trestec.

Hier können Sie über uns Kletterseile kaufen

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(Die Einzeltests mit Produktdaten befinden sich weiter unten)


06.09.2014
Autor: Volker Leuchsner
© klettern
Ausgabe 04/2014