24 Crashpads im Test

Bouldermatten im Vergleich


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Bouldern im Tessin Jorg Verhoeven Crashpad Aufmacher Teaser
Foto: Stefan Kürzi

 

Crashpad Test Bouldermatten
Foto: Hersteller

 

Crashpad Test Bouldermatten
Foto: Hersteller

 

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Crashpad Test Bouldermatten
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Wir haben 24 Crashpads von 20 Herstellern im Langzeittest ausgiebig besprungen und geschleppt. Und verraten euch nun, wo ihr am besten landet.
Zu den getesteten Produkten

Hier präsentieren wir die Ergebnisse unseres Crashpad-Tests, für den wir seit Februar dieses Jahres 24 Modelle aller in Europa gängigen Hersteller genau unter die Lupe genommen haben.

Kleine Crashpads, große Crashpads, Spezialmodelle
Der Einsatzbereich der getesteten Crashpads reicht von Sitzstart bis Highball, ihre Größe von Minipad bis Monstermatte. Elf der Pads sind Burritos, dazu kommen acht Tacos (Crashpad-Kon­struk­tio­nen; siehe unten) und fünf Bouldermatten, die beide Bauweisen auf unterschiedliche Weise kombinieren.

Abgesehen von vier ungewöhnlichen Dämpfungs-Konstruktionen weisen alle Crashpads eine konventionelle Schaumstoff­-La­genkonstruk­tion auf, wobei die Zahl der verwendeten Schichten zwischen zwei und fünf variiert. Drei der getesteten Matten waren jedoch Vorserienprodukte, weshalb wir diese – trotz teils bester Ergebnisse – nicht bei den Empfehlungen berücksichtigt haben.

Sicherheit geht vor
Priorität bei unserer Bewertung hatten selbstverständlich Sicherheit und Dämpfung, denn darum geht es bei Crashpads vorrangig: die Landung möglichst weich und sicher zu gestalten. Bei den konventionell aufgebauten Burritos überzeugte uns das mit haltbareren Schaumstoffen als das Vorgängermodell bestückte Mondo von Black Diamond. Am anderen Ende des Größenspektrums begeisterte das Spot 2 von DMM, das eine tolle Ergänzungsmatte abgibt.

Auf dem gleichen Niveau wie das Mondo bewegt sich das Mammut Crashiano, das eine durchgehende obere Schaumstofflage besitzt, also ein Element der Taco-Bauweise integriert. Dies ist auch beim Metolius Boss Hogg der Fall, wobei dessen Durchschlagschutz nicht ganz an die Modelle vom Black Diamond und Mammut heranreicht. Unter den reinen Tacos konventioneller Bauweise stach in Sachen Sicherheit und Dämpfung das Moon Saturn hervor.

Von den vier „exotischen“ Modellen konnten zwei hinsichtlich Sicherheit und Dämpfung überzeugen. Das Snap Wrap sorgte bei den Testern mit seiner „variablen“ Dämpfung für Begeisterung. Stark auch das Paddy Dominator von Ocùn, das bis an die Ränder hohen Durchschlagschutz bietet. Auf die Kanten sollte man aber besser nicht springen. Zuletzt bekommen das Black Diamond Impact und das Red Chili Standard für genügend Dämpfung und Durchschlagschutz bei geringem Preis einen Preistipp.

Worauf beim Crashpad-Kauf sonst noch zu achten ist

Was das Handling anbelangt, hatten wir bei manchen der getesteten Bouldermatten den Eindruck, dass deren Hersteller mehr wert auf Gimmicks als auf sinnvolle Details legen. Das Gros der Pads besitzt keine Positionierschlaufen auf allen Seiten, was aber vor allem bei dicken und großen Modellen wichtig ist, um deren Lage schnell an die potenzielle Sturzbahn des Boulderers anpassen zu können.

Velcro-Verbindungsflaps, um mehrere gleiche Matten zu verbinden, können nützlich sein. Allerdings lässt das Gelände oft keine solche Mattenlandschaft zu, meist sind verschiedene Pad-Modelle am Start, und im Zweifel ist ein Sitzstartpad über dem Spalt zwischen den Matten sicherer. Unsinnig sind lange Gurte, um ein „Sofa“ basteln zu können, wenn diese unterwegs zur Stolperfalle werden.

Ein Block, ein Baum oder ein Auto, wo man das Pad anlehnen kann, findet sich immer. Zudem schadet der freistehende Sofa-Einsatz den Schaumstoffen – und eine sich durchbiegende Lehne ist ohnehin unbequem. Die Produk­tions­kosten für solche Features wären in genügend Positionierschlaufen oder einem komfortableren Tragesystem besser angelegt. Dass Handling und Tragekomfort in die derzeit in Ausarbeitung begriffene UIAA-Norm für Crashpads einfließen, steht nicht zu erwarten. Bis die kommt, kann es allerdings noch etwas dauern.

Kleine Crashpad-Kunde

Oben hart, unten weich: Meist sind Crashpads aus zwei bis drei Lagen Schaumstoff aufgebaut. Oben eine harte, geschlossenzellige Schicht zur Verteilung der Fallenergie auf eine größere Fläche, darunter eine weichere, offenzellige Schicht, die die Fallenergie absorbiert. Einige Hersteller platzieren darunter noch eine geschlossenzellige Schicht, wovon sie sich einen höheren Durchschlagschutz versprechen.

Burritos
Burritos bestehen aus zwei (manchmal drei) getrennten Kammern, die an der Oberseite durch die Außenhülle verbunden sind. Dementprechend können sie in diesem Falz zusammengeklappt werden und bei kurzen Transporten zwischen den Blöcken mit Kletterschuhen, Chalk & Co. darin wie ein Koffer getragen werden. Der Falz ist aber auch die Schwachstelle, wenn man mit den Füßen darauf landet.

Tacos
Tacos bestehen nur aus einer Kammer mit durchgängigem Schaumstoff, der Falz fällt weg. Schwachstelle ist meist, dass beim Zusammenklappen für den Transport der Schaumstoff geknickt wird. Damit die empfindliche geschlossenzellige Schicht nicht spitz geknickt wird, sollte sich das Tragesystem auf der Aufsprungseite befinden – sprich beim Bouldern muss es abgenommen oder abgedeckt werden.

Worauf es bei Crashpads ankommt

Was finden wir wichtig, wenn wir Crashpads testen? Das sind die Kriterien, nach denen wir die Bouldermatten beurteilt haben. Wer sich ein Pad kauft, kann anhand seiner Bedürfnisse diese Punkte überprüfen und sich daran orientieren.

Sicherheit
Hier bewerten wir den Schutz gegen "Durchschlagen" auf den Untergrund und ob die Gefahr besteht, umzuknicken (außer am Mattenrand) oder bei der Landung irgendwo hängen zu bleiben.

Dämpfung
Die Aufnahme der Fallenergie ist selbstverständlich auch ein Sicherheitsaspekt, der aber vom Durchschlagschutz zu unterscheiden ist. Die Sternbewertung bezieht sich auf den Durchschnitt zwischen großen und kleinen Stürzen, ob die Matte eher hart oder weich abgestimmt ist, beschreiben wir im jeweiligen Text zum Crashpad-Modell (siehe unten).

Handling
Manche Hersteller gehen offenbar davon aus, dass eine einmal platzierte Matte nicht mehr bewegt wird. Falsch! Vor allem wenn der Spotter einmal fürs schnelle Bewegen zuständig ist, sollte er die Matte an allen Seiten schnell an Positioniergriffen bewegen können. Des weiteren fließt hier die Bedienbarkeit der Schnallen, Gurte und Flaps ein.

Transport
Neben dem Rückentragesystem und den Tragegriffen für kurze Transporte haben wir hier auch das Gewicht und Format des Crashpads berücksichtigt.


18.12.2014
Autor: Steffen Kern
© klettern
Ausgabe 09/2014