Test: Hybridjacken 2016

Hybridjacken: Die Mischung macht's


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Hybridjacken im Test
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Ob beim Eisklettern oder am Fels, bei schweißtreibenden Aktivitäten oder Sicherungspausen: Hybridjacken schließen die Lücke zwischen zu warm und zu kalt.
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Das Jacke-an-Jacke-aus-Spielchen kennt wohl jeder. Wenn es einem zu kalt wird, zieht man eine Wärmejacke über, regnet es, kommt eine Hardshell zum Einsatz. Doch spätestens nach der ersten Steigung oder ein paar Klettermetern kocht man im eigenen Saft. Also Jacke wieder aus. Oder nur in einer dünnen Jacke, bis einem wieder zu kalt oder zu nass wird.

Sogenannte Hybridbekleidung versucht dem Dilemma ein Ende zu setzen. Dabei werden die unterschiedlichsten vor Kälte, Wind und Nässe schützenden Materialien mit luftigen Stretcheinsätzen seitlich, unter den Armen oder am Rücken kombiniert. So soll, je nach Situation, ein optimaler Kompromiss aus Schutz und Klimakomfort erzielt werden.

Dabei verfolgen die Hersteller verschiedene Ansätze: Das Spektrum reicht von dünneren Oberteilen zum Drunterziehen aus Fleece oder Wolle über dickere Isolationsschichten bis hin zu Kleidung, die Wind und Regen abhalten sollen. Bei letzterer werden elastische Softshellfasern, wasserdichte und atmungsaktive Materialien miteinander verarbeitet.

Beispielhaft für verschiedene Materialkombinationen und Einsatzzwecke haben wir 10 Hybridjacken ausgesucht und, um die Orientierung zu erleichtern, in drei verschiedene Kategorien unterteilt. Das wären einmal die warmen Wind- und Kälteschutzjacken, dann die weniger warmen Modelle, die aber dafür sehr gut Wind und Nässe abhalten, und als dritte Gruppe die Jacken und Pullis, die hautsächlich zum Drunterziehen konzipiert sind.

Alle vorgestellten Jacken sind für den gedachten Einsatz äußerst sinnvoll ausgestattet. Taschen, Ärmelbündchen, Kapuzen... alle Details erfüllen ihren Zweck. Auffallend ist der bei den meisten Jacken doch recht körperbetonte Schnitt. Ausnahme ist hier nur das Alpha Comp Hoody von Arc‘teryx.

Hybridjacken für Wärme

Der Einsatzbereich der Kandidaten aus dem Wind- und Kälteschutzsegment lässt sich mit dem einer Softshell vergleichen: Sie empfehlen sich als äußere Lage für kühles, windiges Wetter und stecken auch kurzen Niesel weg. Wie stark solch eine Jacke wärmt, hängt aber ganz vom verwendeten Isolationsmaterial und der Menge der "Füllung" ab. Die Palette reicht hier vom extrem luftigen Centrifuge Hoody von Outdoor Research über die beiden mittelwarmen Modelle von Marmot und Ortovox bis hin zur dick gefüllten Jacke von Jack Wolfskin.

Neben der Wärmeleistung unterscheiden sich die Jacken auch im Klimakomfort. Generell gilt: Je dicker die Füllung und je größer die Anteile der winddichten und wasserabweisenden Oberstoffe einer Jacke sind, desto geringer ist der Klimakomfort. Ortovox und Marmot bieten hier mit unterschiedlichem Isolationsmaterial – Wolle und Polartec Alpha – einen hervorragenden Kompromiss für alle, die bei moderater Kälte viel in Bewegung sind.

Hybridjacken gegen Feuchtigkeit

Bei gelegentlichen Schauern, wenn es aus dem Eisfall tropft oder aus wolkenverhangenem Himmel nieselt, kommen die Jacken aus der Wind- und Nässeschutzkategorie ins Spiel. Sie isolieren weniger als die bereits erwähnten Kandidaten, schützen aber noch besser gegen Feuchtigkeit.

Das liegt vor allem an der großflächigen Verarbeitung von stark nässeabweisenden oder wasserdichten Materialien. Diese Modelle ersetzen bei Dauerregen zwar keine Funktionsjacke, tragen sich dafür aber durch ihre Stretcheinsätze und körperbetonten Schnitte geschmeidiger und sind weniger schwitzig. Auch in dieser Kategorie sind die drei Modelle recht unterschiedlich.

Die Adidas Agravic Hybrid Softshell glänzt mit einem minimalen Gewicht und Packmaß – praktisch, um es immer mitzunehmen. Arc‘teryx setzt bei der Alpha Comp auf wasserdichtes, atmungsaktives Dreilagen-Gore-Tex sowie wind- und wasserfesten Stretchstoff.

Die Kombi sorgt für einen sehr guten Klimakomfort und hält auch bei Nässe lange durch. Zusammen mit der helmtauglichen Kapuze eine Topjacke für alle Aktivitäten am Berg. Etwas weniger Wetterschutz, aber dafür noch mehr Tragekomfort und Bewegungsfreiheit hat in dieser Kategorie das Falketind Windstopper Hybrid Jacket von Norrøna zu bieten.

Hybridjacken für Dazwischen

Bei der dritten Gruppe handelt es sich um Jacken, die sich aufgrund ihrer wenig windabweisenden Fleecestoffe vor allem als Isolationsschicht zum Drunterziehen eignen. Natürlich können sie, entsprechendes Wetter vorausgesetzt, auch als Oberschicht getragen werden.

Alle drei Jacken sind sehr komfortabel, unterscheiden sich aber in puncto Isolation und Materialzusammensetzung deutlich. Am wärmsten ist das Trilogy X Wool Jacket von Millet aus kuscheligen Hochflorfasern und Stretchpartien mit Wollanteil.

Der Kapuzenpulli von Icebreaker besteht aus einem eher dünnen, elastischen Merinostoff. Brustbereich und Kapuze besitzen eine zusätzliche Wollfüllung mit einer winddichten Außenhaut. Wer gar nicht auf Wolle steht, hat im Clive Hybrid Down Hoodie eine Alternative. Die sehr stylische Jacke von Yeti ist vorn mit Daune isoliert. Rücken, Ärmel und Kapuze formen ein extrem elastisches Kunstfasergewebe.

Fazit Test Hybridjacken

Wie bei vielen anderen Produkten gibt es auch unter den Hybridjacken kein "one and only" Jacket für alle Zwecke. Die dicke Daunenjacke und die 3-Lagen-Hardshell werden in Zukunft aber die meiste Zeit des Jahres ihr Dasein im Kleiderschrank fristen müssen. Denn bis auf Extremsituation sind die Hybride sehr flexibel einsetzbar. Und wer ja nach Typ und Aktivität die passende Jacke wählt, kann sich definitiv viel von dem dauernden An und Aus sparen.

Knowhow Hybridjacken

Der Einsatzbereich zählt: Kunstfaserfüllungen, Fleece, Daune oder Wolle, dazu winddichte und wasserfeste Oberstoffe, sie alle kombiniert mit Stretchfleece kommen bei Hybridbekleidung zum Einsatz. Allerdings gibt es je nach Verwendungszweck und Trägertyp mehr und weniger gut geeignete Materialien. Hier gibt's den Überblick.


08.12.2016
Autor: Frank Wacker, Volker Leuchsner
© klettern
Ausgabe 08/2016