Test: Dreilagenjacken 2017

8 preisgünstige Dreilagenjacken im Test

Foto: Arc'teryx Regenjacken-Test Alpha FL Jacket Arcteryx

Fotostrecke

Ob man auch mit relativ preisgünstigen Dreilagenjacken trocken bleibt, haben wir in diesem Hardshell-Test überprüft.
Zu den getesteten Produkten

Das Testfeld im Überblick:

Dreilagenjacke / Link zum Testbericht Preis
Arc'teryx Alpha FL Jacket 400,00 Euro
Bergans Letto Jacket 250,00 Euro
Berghaus Hagshu Jacket 350,00 Euro
Directalpine Guide 379,95 Euro
Marmot Red Star Jacket 329,95 Euro
Montane Air Jacket 269,95 Euro
Mountain Equipment Ogre Jacket 329,90 Euro
Rab Firewall Jacket 299,95 Euro

Man muss beileibe nicht wie die drei Jungs aus Belgien 19 Tage bei Schnee, Regen und patagonischen Stürmen in der Wand hängen, um die Vorzüge einer Dreilagenjacke schätzen zu wissen. Da reicht auch schon ein überraschender Wettersturz in den Alpen oder ein geplanter Hüttenanstieg im Regen. Bisher waren es vor allem die Highend-Modelle, die eine perfekte Balance aus Wetterschutz, Komfort und Strapazierfähigkeit boten. Der Preis dieser Edelteile ist in den letzten Jahren allerdings gewaltig gestiegen und rangiert mittlerweile zwischen 500 und 800 Euro.

Da verständlicherweise nicht jeder Kletterer oder Bergsteiger solche Summen für eine Jacke aufbringen kann oder will, haben viele Firmen inzwischen preisgünstigere Jacken aus Dreilagenlaminaten auf den Markt gebracht. Acht Modelle zwischen 250 und 400 Euro haben wir zusammen mit unserem Schwestermagzin outdoor für euch getestet. Das Spektrum reicht von ausgesprochenen Leichtgewichten bis zu extrem robusten Allroundjacken.

Vom Material zum Klima

Gerade bei den preiswerteren Jacken verarbeiten viele Hersteller entweder eigene Membranen oder die unterschiedlichster Hersteller und greifen selten auf die bekannten Produkte von Gore zurück. Einzig die teuerste Jacke im Feld, das Alpha FL Jacket von Arc‘teryx, basiert auf einer Gore-Tex-Membran. In puncto Wetterschutz und Atmungsaktivität können sich die anderen Materialien aber durchaus sehen lassen.

So setzen etwa Marmot und Montane auf minimalst luftdurchlässige Membranen, die dennoch wind- und wasserdicht sind. Hier kann die Feuchtigkeit direkt verdunsten und muss nicht per Diffusion durch ein porenloses Material wandern, was einen großen Beitrag zu einem guten Klimakomfort leistet. Bei langen, schweißtreibenden Aufstiegen stößt aber auch die atmungsaktivste Membran an ihre Grenzen. Belüftungsöffnungen wie Unterarmreißverschlüsse (Pitzips) oder Taschen mit Netzfutter befördern dann zusätzlich Frischluft ins Jackeninnere.

Einzig Arc‘teryx verzichtet bei seiner Jacke auf zusätzliche Öffnungen, macht das aber durch aufwendigen Schnitt mit wenigen Nähten und extrem schmalen Tapes wieder wett. Nicht nur die Breite der Tapes, sondern auch die Fläche der doppelten Materiallagen sind Punkte, die beim Jackenklima oft unterschätzt werden. So sind große Taschen zwar praktisch, vermindern aber die Atmungsaktivität, wenn sie aus zwei Lagen wasserdichtem Material aufgebaut sind.

Eine möglichst dauerhafte Imprägnierung hat ebenfalls großen Einfluss auf das Klima. Denn saugt sich der Oberstoff mit Wasser voll, nimmt die Atmungsaktivität rapide ab. Hier haben die Modelle von Arc‘teryx, Directalpine und Montane die Nase vorn.

Vom Labor in die Praxis

Durchweg positiv: Alle Jacken haben die harten Regentests im Labor und so manchen Schauer in der Praxis klaglos überstanden und sind durchweg dicht. Unterschiede im Wetterschutz ergeben sich durch kleinere Details wie etwa den Fleecebesatz beim Firewall Jacket von Rab, der Nässe ins Innere saugen kann. Auch die Taschen blieben in unseren Tests trocken. Darauf sollte man sich aber nicht zu 100 Prozent verlassen. Feuchteempfindliche Geräte gehören gesondert verpackt, worauf Mountain Equipment vorbildlich mit kleinen Flyern in den Taschen hinweist.

Im täglichen Einsatz beim Klettern zählt vor allem, wie viel Bewegungsfreiheit die Modelle lassen. Hier glänzen die Jacken von Berghaus und Directalpine. Beim Hagshu und beim Guide Jacket rutscht der Saum mit hochgestreckten Armen nur minimal nach oben. Aber auch alle anderen Jacken machen Kletterbewegungen mit, ohne dass es irgendwo spannt oder zwickt.

Im Gegensatz zu vergangenen Tests gibt es bei der Helmtauglichkeit der Kapuzen nur wenig Grund zur Kritik. Die besten Hauben liefern ebenfalls Berghaus und Directalpine. Die Kapuzen von Montane und Rab fallen für großvolumige Helme etwas zu klein aus. Hier spannt dann der Kragen. Alle Kapuzen lassen sich ohne Helm sehr gut an den Kopf anpassen.

Abzüge beim Punkt Praxis/Klettern gab es teilweise für relativ dünnes, weniger abriebfestes Material oder tiefsitzende Taschen, die mit Klettergurt nicht optimal zugänglich sind. Auch lassen sich bei manchen Modellen die Ärmelbündchen bei dünnen Handgelenken nicht optimal schließen.

Fazit und Empfehlungen

Es muss nicht immer das absolute Highend sein. In unserem Testfeld an preisgünstigen Jacken gibt sich kein Modell eine gravierende Blöße. Trotzdem: Den besten Spagat aus Wetterschutz, Klimakomfort und Kletterperformance schaffen die drei teuersten Modelle. Eine Empfehlung erhält das Leichtgewicht Alpha FL Jacket von Arc‘teryx, das extrem robuste Hagshu Jacket von Berghaus und das in nahezu allen Belangen überzeugende Guide Jacket von Directalpine.

Dass man auch für unter 300 Euro zuverlässigen Wetterschutz und eine durchweg alltagstaugliche Jacke erhalten kann, beweisen die Jacken von Bergans und Montane. Das Letto Jacket und Air Jacket haben sich deswegen einen Preistipp verdient.

22.06.2017
Autor: Volker Leuchsner
© klettern
Ausgabe 04/2017