Die häufigsten Sicherungsfehler in der Kletterhalle Statistisch gesehen passiert beim Klettern in der Kletterhalle wenig. Und doch: Sicherungsfehler führen immer wieder zu... mehr ...
Workshop: Sauber Sichern
Achtung Tiefflieger!
In der Nähe des Bodens ist die Gefahr am größten. Worauf man achten sollte und wie man sauber im Vorstieg sichert erklärt Ralph Stöhr.
Mehr zum Thema Eltern haften für ihre Kinder - aber wer haftet beim Klettern? Klettern im Toprope: Tipps, Tricks, Gefahren Sicherheit: Gefahren für Karabiner Die häufigsten Sicherungsfehler in der Kletterhalle
Neulich bei uns in der Halle: Geübter Vorsteiger klettert in steiler Wand zwischen drittem und viertem Haken, verfehlt Dynamo an Griff, stürzt. Anseilpunkt des Vorsteigers bei Sturzbeginn: kein halber Meter über dem dritten Haken. Eigentlich harmlos? Nicht in diesem Fall. Denn der weniger geübte Sichernde hat etwas Schlappseil gegeben, und bis er recht begriffen hat, was abgeht, schlägt der Vorsteiger neben ihm auf. Fersenbein kaputt, Abtransport. Muss nicht sein.
Derlei Unfälle in der Halle sind nicht ungewöhnlich. Spricht man mit den Hallenbetreibern, ist es angesichts der zu beobachtenden Sicherungsfehler sogar erstaunlich, dass nicht mehr passiert.
Die Probe aufs Exempel
Insbesondere beim Hallenklettern, aber auch beim Sportklettern draußen, besteht im Grunde die größte Gefahr auf den ersten Metern. Macht man hier Fehler, kann ein Sturz schnell auf dem Boden enden, auch wenn eine große Hakendichte anderes suggeriert. Ist man in einer (gut gesicherten) Route erst mal weiter oben, kann dann etwas dynamischer gesichert werden. Auf den ersten Metern ist aber wirklich höchste Vorsicht angesagt. Vom Sichernden verlangt das vor allem, dass er seine Sicherungsposition und das Schlappseil jederzeit unter Kontrolle hat. Ist der Vorsteiger mehr als 15 Kilo schwerer als der Sichernde, sollte sich dieser übrigens irgendwo unten fixieren.
Aber auch der Vorsteiger ist gefragt: Wer aus einer tiefen Position den nächsten Haken einhängt und dazu jede Menge Seil hochzieht, muss sich absolut sicher sein, dass er in diesem Moment nicht stürzt. Denn mit dem hochgezogenen Seil in der Hand reicht es sogar zwischen drittem und viertem Haken schnell auf den Boden, mit etwas Schlappseil des Sicherers sogar von noch weiter oben (siehe unten). Oft ist es deshalb sicherer, den Haken erst zu klippen, wenn man ihn auf Brust- oder Bauchhöhe hat. Gefordert sind aber auch die Routenbauer in den Hallen, die dafür sorgen müssen, dass auf den ersten Metern gute Positionen und Griffe zum Klippen vorhanden sind.
Aus den realen Verhältnissen an der Kletterwand haben wir ein kleines Rechenexempel erstellt und auch gleich in der Praxis überprüft. Die Skizze rechts zeigt die Höhen der ersten vier Expressen (jeweils deren unteres Ende) an der Wand. Die erste hängt auf 2,50 m, die zweite auf 3,35 m, die dritte auf 4,35 m und die vierte auf 5,60 m. Die Abstände erhöhen sich nach oben also etwas.
Sturz mit Schlappseil
Die Skizze zeigt nun den Fall, dass der Vorsteiger die zweite Expresse geklinkt hat und die dritte von einer tiefen Position aus einhängt, also maximal viel Seil hochzieht. Zwischen dem Anseilpunkt am Gurt und der nach oben gestreckten Hand mit dem Seil befinden sich 1,10 m Seil. Da der Abstand zwischen 2. und 3. Expresse nur 1,00 m beträgt, kann er einhängen, obwohl sich der Anseilpunkt noch unter der zweiten Expresse befindet.
Das Experiment
Was passiert nun, wenn er oder sie in diesem Moment stürzt? Rechnen wir mal nach:
| (A) Hochgezogenes Seil zwischen Anseilpunkt und oberer Hand des Vorsteigers: |
1,10 m |
| (B) Hochgezogenes Seil zwischen 2. Expresse und oberer Hand des Vorsteigers |
1,00 m |
| (C) Seilstück vom Sicherungsgerät des Sichernden zur 2. Expresse (3,35 - 1,00 m) |
2,35 m |
| Leichtes Schlappseil beim Einhängen | 0,20 m |
| Summe ausgegebenes Seil | 4,65 m |
| plus Dehnung (mind. 10%) | 0,46 m |
| Länge Seil bei Sturz | 5,11 m |
| davon zwischen Sicherungsgerät des Sichernden und 2. Expresse | 2,35 m |
| davon auf Seite des Stürzenden | 2,76 m |
Nachdem die zweite Exe, die den Sturz stoppt, auf 3,35 m hängt, verbleiben zwischen Boden und Anseilpunkt des Gestürzten 3,35 - 2,76 m = 0,59 m. Nur wer verdammt kurze Beine hat, schlägt da nicht auf. Der gleiche Rechengang bezogen auf das (überstreckte) Klinken der vierten Expresse erbringt im Sturzfall übrigens eine Differenz zwischen Boden und Anseilpunkt von 1,21 m. Bei einem männlichen Erwachsenen liegt der Anseilpunkt etwa 1,10 Meter über der Fußsohle, ergo bleiben demjenigen zwischen Fußsohle und Boden gerade mal 10 Zentimeter Luft.


klettern bei Facebook