Workshop: Richtig klippen

Korrekt einhängen - sicher klettern

Im Vorstieg richtig klippen will geübt sein. Welche Techniken, Fehler und Tricks rund ums Einhängen existieren, erklärt Ralph Stöhr.

Fotostrecke: Sauber Klippen im Vorstieg

7 Bilder
Klinktechniken Foto: Redaktion klettern
Eingehängt Foto: Redaktion klettern
falsch geklippt Foto: Redaktion klettern

 

Klippen einhängen klinken
Foto: Redaktion klettern

Eigentlich ist es ja einfach: Expressschlinge in den Haken klippen, Seil in den anderen Karabiner, fertig ist der Sicherungspunkt. Doch in der Praxis lauert manche Tücke.

Zunächst einmal gilt es, die Expressen am Gurt ordentlich zu verstauen. Sie gehören beim Sportklettern an die vorderen Materialschlaufen des Klettergurts. Ob die oberen Karabiner dabei mit dem Schnapper zum Körper oder vom Körper weg zeigen, ist lediglich eine Frage des Geschmacks und der Gewöhnung. Nur eines sollten sie am Gurt: alle in dieselbe Richtung zeigen.

 

Klinken Express
Foto: Redaktion klettern Ein sauberer Seilverlauf bedeutet mehr Sicherheit.

Später klippen ist sicherer

An dieser Stelle noch ein kurzes Wort zur Ausrichtung der Karabiner in der Expressschlinge: Ob hier die Schnapper in die gleiche Richtung weisen (wie auf unseren Bildern) oder entgegengesetzt, spielt nach Auffassung der DAV-Sicherheitsforschung von der Festigkeit her keine Rolle. Auch hier gilt: Man sollte eine einheitliche Anordnung wählen.

Beim Einhängen der Haken gibt auch noch zu bedenken, dass das Einhängen von der frühestmöglichen Klinkposition oft unnötig anstrengend ist. Völlig überstreckt zu klippen kostet mehr Kraft und Nerven als ein weiterer Schritt nach oben. Das Einhängen des Seils in den unteren Karabiner der Expresse zeigen wir im Kasten unten. Als Trockenübung kann man das auch zu Hause an einer aufgehängten Expressen üben.

Beim Einhängen des Seils in die Expresse ist die Wahl der richtigen Einhängeposition noch wichtiger: Es ist meist günstiger, etwas höher zu steigen (bis man die Expresse wenigstens auf Kopfhöhe hat) und dann zu klinken, als meterweise Seil hochzuziehen und dann völlig überstreckt in einen Karabiner zu fummeln. Zumal dann wegen des hochgeholten Seils der Sturz beim Einhängen zur echten Bedrohung wird, während beim Klinken vor dem Oberkörper oder Bauch kaum Seil hochgezogen werden muss. In der Praxis hängt das aber natürlich auch von der Felsstruktur, der Anordnung der Griffe und nicht zuletzt der eigenen Psyche ab.

 

klinken
Foto: Redaktion klettern Eine bequeme Position beim Einhängen ist wichtig – je weniger Seil dazu hochgezogen werden muss, desto besser.

Mindestens haltbar bis

Korrektes Klippen ermöglicht vor allem zwei Dinge: Erstens soll ein sauberer Seilverlauf mit geringer Seilreibung erreicht werden. Zweitens und sicherheitstechnisch wichtiger geht es darum, ungünstige Belastungen auf die Sicherungskette, speziell die Karabiner, zu vermeiden. So soll das Seil nicht über die Schnapper laufen, und die Karabiner sollen nicht quer oder mit offenem Schnapper belastet werden. Wichtig ist dabei, immer den weiteren Routen- und damit Seilverlauf zu beachten und die Karabinerschnapper richtig auszurichten. Mehr dazu in untenstehender Media-Show.

Zuletzt ein Wort zur Pflege und Haltbarkeit von Expressschlingen: Für die Schlingen lautet die Empfehlung, sie spätestens nach fünf Jahren auszutauschen, bei offenkundig starkem Verschleiß auch früher. Bei Metallwaren raten die Hersteller nach CE-Norm dazu, spätestens nach zehn Jahren einen Austausch vorzunehmen. Auch hier gilt natürlich: Bei möglicher Beschädigung – zum Beispiel durch Fallen des Karabiner aus großer Höhe oder wenn der Schnapper nicht mehr verlässlich schließt – sollte der Austausch sofort erfolgen.

03.01.2008
Autor: Ralph Stöhr
© klettern
Ausgabe 10/2007