Sicherheit am Fels

Vorsicht beim Sichern

Die größten Gefahrenmomente liegen beim Klettern im Sturz. Ein Grund, beim Sichern große Sorgfalt walten zu lassen.

 

Risiko
Foto: Ralph Stöhr Standbauen: Eine Wissenschaft für sich.

Neben dem Sturz sind es vor allem Fehler beim Sichern und in der Seiltechnik, die zum Unfall führen. Der DAV hat im Jahr 2004 untersucht, wie es um die Sicherungstechnik in den Hallen bestellt ist, und stellte fest, dass rund ein Drittel der Sichernden Fehler machten, die im Sturzfall fatale Folgen gehabt hätten. Schlappseil, falsche Sicherungsposition, Fehlbedienungen des Sicherungsgeräts wurden da häufig festgestellt. Wobei die Fehler keineswegs nur bei unerfahrenen Kletterern zu sehen waren. Der große Anteil fehlerhafter Seil- und Sicherungstechnik an den tödlichen Sportkletterunfällen (siehe nächste Seite) deutet darauf hin, dass auch am Fels die Fehlerquote zu hoch ist.
Gefahrenquellen, die in der Halle nicht existieren, sind der Abstieg und das Abseilen. Zwar sind Abseilmanöver am Gesamtunfallaufkommen nur mit knapp zehn Prozent beteiligt, bei den tödlichen Kletterunfällen liegt ihr Anteil aber viel höher. Kein Wunder, führen Abseilfehler doch in der Regel zu weiten, ungebremsten Stürzen.

Von der Regel über die Erfahrung zur Intuition

Sowohl die Statistik als auch die Analyse von Einzelfällen zeigt, dass es meist individuelle Fehler sind, die zum Unfall führen. Das heißt anders herum, dass Sicherheit am Fels in allererster Linie von unserem eigenen Verhalten abhängt. Draußen ist in hohem Maße Eigenverantwortung gefragt, wozu auch gehört, die richtige Balance zwischen Wollen und Können zu finden.
Der Bergführer und Psychologe Jan Mersch führt in „bergundsteigen“, einer Zeitschrift über Sicherheit im Bergsport, aus, dass Einsteiger vor allem einfache Regeln lernen und danach handeln müssen (zum Beispiel richtig sichern, Kurzprusik beim Abseilen, Standplatzbau). Ihr findet auf diesen Seiten viele Hinweise, wie ihr euer Tun am Fels sicherer macht.
Könner greifen laut Mersch dagegen auf ein größeres Wissen und Erfahrung zugrunde. Jahrelange Erfahrung schließlich führt beim Experten zu einem intuitiven Erfassen von Gefahrensituation und zu intuitivem Handeln. Vieles geht einem mit der Zeit in Fleisch und Blut über. Vieles lässt sich aber auch durch Kurse oder geeignete Literatur lernen.
Um beim Klettern möglichst risikoarm unterwegs zu sein, braucht es jedenfalls immer die Bereitschaft, Neues zu lernen. Es braucht das Wissen um bestimmte Grundregeln, das Akzeptieren der eigenen Verantwortung und das Handeln danach. Es braucht ständige Aufmerksamkeit sowie die Fähigkeit zur Selbstreflektion und den Mut, zu sich selbst und manchmal auch zu anderen „Nein“ zu sagen. Und ganz gelegentlich braucht es auch ein bisschen Glück.


14.07.2010
Autor: Ralph Stöhr
© klettern
Ausgabe 05 /2011