Der Gipfel des Verbrechens von Michael Kodas

Geschäfte in der Todeszone

Das Buch "Der Gipfel des Verbrechens" von Michael Kodas beschäftigt sich mit den nicht immer ganz sauberen Machenschaften am Mount Everest.

 

Michael Kodas: Der Gipfel des Verbrechens
Foto: Malik Verlag Ein Blick hinter die Kulissen des Geschäfts mit dem Höhenbergsteigen am Everest.

Zugegeben, das Buch liest sich spannend, fast wie ein Krimi, und ich musste mir immer wieder vor Augen halten, dass das alles Realität ist.

Am Beispiel seiner eigenen Expedition zum Everest und den Umständen des Todes von Nils Antezana rechnet der Amerikaner Michael Kodas mit der Situation am Mount Everest ab. In teils drastischen Worten berichtet er über „Pauschaltouristen“ am Berg, Diebstähle, Müllhalden, Streit, Betrug, unfähige Führer, alleingelassene Kunden und den Tod.

Das Buch macht einen sehr gründlich recherchierten Eindruck. Viele Fakten, die Kodas anführt, sind bekannt und wurden schon in der Presse und in Internetforen diskutiert. Ihren Wahrheitsgehalt haben Kenner der Szene bestätigt. Bei allen Machenschaften unterstreicht das Buch wieder einmal das für mich Erscheckendste: Mit welcher Eiseskälte teilweise mit Menschenleben umgegangen wird, um den Gipfel zu erreichen.

So kann man dem Autor als Verdienst anrechnen, dass er dies alles zusammengefasst und an die breite Öffentlichkeit gebracht hat. Natürlich, und diese kleine Kritik muss folgen, macht er so auch „Geschäfte“ mit dem Everest. Zudem komme ich beim Lesen des bis auf wenige Passagen recht gut übersetzten Buches um das Gefühl nicht herum, dass der Autor sich in dem Buch auch den Frust seiner eigenen zwei Everest-
expeditionen von der Seele schreibt.

Ein lesenswertes Buch bleibt es aber allemal. Dass das Buch etwas an der Situation am Everest ändert, glaube ich kaum. Dort herrschen wohl eigene Gesetze. Wer aber ernsthaft vorhat, den höchsten Berg der Erde zu besteigen, sollte das Buch unbedingt vorher lesen, und sei es nur um zu wissen, was sie oder ihn erwarten kann. Und um bei der Vorbereitung und Wahl der Partner besonders vorsichtig zu sein.

Michael Kodas: Der Gipfel des Verbrechens; 414 Seiten, Piper/Malik Verlag München 2008; ISBN 978-3-89029-339-4; Preis: 18 Euro

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12.01.2009
Autor: Volker Leuchsner
© klettern