"Pure" von Chuck Fryberger

Flow-artiger Bilderfluss

Chuck Frybergers Boulderfilm "Pure" setzt Maßstäbe in Sachen Aufwand, Ästhetik und Action. Eine Rezension von Steffen Kern.

 

Boulderfilm Pure von Chuck Fryberger
Foto: Chuck Fryberger

„Ich bin ein Vollzeitkletterer, keine Freundin, keine Arbeit, ich klettere nur.“ Und wie! Nalle Hukkataival ist der Protagonist in „Pure. A bouldering flick“ von Chuck Fryberger, und es scheint, als hätte der Regisseur die Form an den Inhalt angepasst. Denn genauso rund, flüssig und elegant wie sich der junge, sympathische Finne selbst in den härtesten Boulderproblemen bewegt, so ist auch die Sprache des Films.

Die richtige Dosis

Mit außergewöhnlichem Aufwand – vielen Kameraperspektiven, Detail­aufnahmen, meist optimalem Licht, knallig aufgedrehten Farben und toll eingesetzten Stilmitteln (wie zum Beispiel bei Dynamos die Filmgeschwindigkeit zu variieren) – schafft Fryberger einen modernen, fast flow-artigen Bilderfluss, wie man ihn bislang in Boulderfilmen noch nicht gesehen hat.

Genauso stimmig ist der Inhalt: reichlich geniale Probleme, tolle Linien und top Boulderaction, die richtige Dosis Landschaft und Story, dazu viel Lifestyle und Personality, ein guter Soundtrack und gutgelaunte Akteure: neben Hukkataival ziehen, pressen und springen Cody Roth, Kevin Jorgeson, Kilian Fischhuber, Anna Stöhr, Gerhard Hörhager, Reto Hartmann sowie François und Fred Nicole. Sechs Kapitel birgt der 65-minütige Streifen: die Reise beginnt in den südafrikanischen Rocklands, führt über Sonoma County in Kalifornien, Fontainebleau und Innsbruck in die Schweiz, bevor die Kamera dann im letzten Kapitel Fischhuber und Hukkataival am Fels und auf Boulderwettkämpfen begleitet.

Gewagt, aber auch gekonnt – denn selbst die „Plastikszenen“ aus Arco oder vom Worldcup 2008 in Vail fügen sich stimmig ein. Keine Frage: Mit „Pure“ hat Chuck Fryberger die Messlatte für Boulderfilme auf eine neue Höhe gelegt und einen Film geliefert, in dem die Faszination des Boulderns selbst für Nichtkletterer sicht- und spürbar werden sollte.

Chuck Fryberger: Pure. A bouldering flick; DVD, Vista Cerro Productions 2009; englisch, 65 min. plus Bonusmaterial; erhältlich unter www.klettern-shop.de, Preis: 27,50 Euro

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13.10.2009
Autor: Steffen Kern und Erwin Marz
© klettern
Ausgabe 9 / 2009/2009