Für Einsteiger: Bouldern

Bouldern - der kleine Knigge

Beim Bouldern gelten andere Regeln als beim Routenklettern. Wer unsere Tipps beachtet, hat's leichter.

Boulder sollen schwierig sein. Dies bringt es mit sich, dass man an seine Grenzen geht - und auch schon einmal herunterfällt und den Weichbodenmatten näher kommt, als man geplant hatte. Zum sorgenfreien Runterfallen sollte man möglichst keine harten Gegenstände am Körper tragen, Gurt und Sicherungsgeräte oder auch Schlüssel oder die Nagelfeile in der Hosentasche sollte man vorher ablegen.

 

Rückwärtsbouldern
Foto: Sarah Burmester Es muss nicht immer knüppelhart sein - Hauptsache, die Bewegung fordert uns.

Dann sind selbst unkontrollierte Abflüge in aller Regel unproblematisch. Möglichst schwierige Bewegungen zu machen bedeutet aber auch, dass man sich gründliche aufwärmen sollte, da auf Gelenke, Muskeln und Sehnen große Belastungen kommen. Zum Aufwärmen: Seilspringen, zwei bis drei leichte (!) Routen klettern, leicht (!) Bouldern. Wegen der Verletzungsgefahr empfiehlt es sich auch nicht, zum „Platt-Machen“ in ermüdetem Zustand zu bouldern. Auch wenn man bereits Überlastungsprobleme oder noch andere alte "Kriegsverletzungen" hat, ist das Bouldern mit Vorsicht zu genießen.

 

Steffen macht einen Sitzstart
Foto: Volker Leuchsner / klettern.de Beim Sitzstart verlässt der Hintern als letztes den Boden.

Was man beim Bouldern noch machen kann

Wenn es euch schwer fällt, allein Boulder zu kreieren, ist beispielweise das sogenannte Koffer packen eine gute Möglichkeit: Einer legt den ersten Zug fest, danach steigt ihr abwechselnd ein und fügt jeweils einen Zug hinzu.

Sitzstarts bieten einen klar definierten Beginn, auch lassen sich Boulder so verlängern. Beim Sitzstart sind Hände und Füße bereits in Position, bevor das Gesäß als letztes Körperteil den Boden verlässt.

Boulder definieren

Besonders, wer in einer Halle ohne farblich kodierte Boulder klettert, muss sich selbst seine Züge überlegen. Es ist sinnvoll, dies vor dem Losklettern zu tun. Hängt man erst einmal im Dach, lässt es sich nicht mehr entspannt überlegen. So schwer das "Boulder Ausdenken" zu Beginn scheinen mag: Es ist sinnvoll, dies zu üben, es hilft auch dabei, sich später Kletterbewegungen vorzustellen und sie umzusetzen.

Wenn man nach einem schönen Boulder fragt, bekommt man nach der Griffabfolge nicht selten ein kryptisches "nur Trekking" oder "alle Spax" oder ähnliches zu hören. Diese Zusätze beziehen sich auf die erlaubten Tritte. Dies ist eine der wichtigen Boulderweisheiten: Nicht die Griffe kleiner wählen, sondern die Tritte! Schließlich will man sich nicht die Finger ruinieren, sondern stark werden. Es wird zwischen verschiedenen Definitionen unterschieden (die wiederum regional unterschiedlich genannt werden) - die wichtigsten lauten:

Alles stehen / mit allen Tritten Klar: Alle Tritte dürfen benutzt werden.

Mit Spax / mit Strukturen In vielen Boulderwänden finden sich Tritte, die so klein sind, dass man sie mit Spax-Schrauben befestigen muss. Diese Spaxtritte sind besser als nichts, aber schwer zu belasten.

Hand-Fuß / Griff-Tritt / Trekking Es dürfen ausschließlich Griffe zum Stehen benutzt werden, die auch als Griff zählen. Diese Variante macht's athletisch.

Was man beim Bouldern beachten sollte

Landebahn räumen
Haltet immer die Augen offen (nach oben und hinten!), ob ihr euch nicht in der Einflugschneise eines Boulderers befindet. Wer fällt, kann
nicht ausweichen! Andersrum gilt: Bevor ihr startet, weist andere darauf hin, dass sie sich möglicherweise in der Gefahrenzone befinden.

Völlig benebelt
Der Chalkbag bleibt am Boden, damit ihr beim Aufschlagen nicht euch und andere in eine Chalkwolke hüllt.

Ekel-Alarm
Auch ohne Schweiß- oder Stinkefüße: Barfuß bouldern ist eklig und deshalb tabu.

Alles meins?
Wenn viel Betrieb ist, keine endlosen Quergänge bouldern. Denn damit belegt ihr einen ganzen Wandbereich.

Staugefahr
Bevor ihr losklettert, vergewissert euch, dass ihr nicht anderen in die Quere kommt. Im Zweifel kurz fragen.

Weniger ist mehr
Legt Klettergurte und vor allem daran baumelnde Metallwaren vor dem Bouldern ab. Sonst outet ihr euch als Boulderlaien, zudem werden die Matten unnötig strapaziert. Von der Verletzungsgefahr für euch und andere ganz zu schweigen.

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18.12.2008
Autor: Kern / Burmester
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