Rockmaster 2009: Erfahrung contra Jugend + Fotostrecke: die schönsten Flüge des Rockmaster 2009

In einem dramatischen Wettkampf setzten sich am vergangenen Wochenende beim Rock Master 2009 Angela Eiter und Ramon Julian Puigblanque durch. Für Angela war es bereits ihr fünfter, für Ramon der vierte Rockmaster-Titel.


Auch Toehooks kann er: Ramon Julian Puigblanque in der Onsight-Route beim Rockmaster 2009.
Foto: Ralph Stöhr

Vorsicht: Kletterwettkämpfe können starke Emotionen auslösen. Der beste Beweis dafür war der diesjährige Rockmaster in Arco, bei dem am 5. und 6. September unter strahlend blauem Himmel um den begehrten Rockmaster-Titel hart gefightet wurde. Eine internationale Auswahl von 13 Männern und 12 Frauen ging bei dem zweitägigen Spektakel an den Start, dabei waren alle, die derzeit beim Wettkampfklettern Rang und Namen haben. Und nicht wenige Zuschauer hätten wohl auf den Sieg der Jugend gewettet: Mit Johanna Ernst aus Österreich und Adam Ondra aus der Tschechei gingen eine 17-Jährige und ein 16-Jähriger an den Start, die zuletzt mit ihren Kletterleistungen immer wieder die Schlagzeilen beherrscht hatten. Doch erstens kommt es bekanntlich anders, und zweitens als man denkt.

Am Samstag begann der Rockmaster mit der Onsight-Route. Die Routenbauer Leonardo Di Marino und Donato Lella hatten die Fähigkeiten des Starterfelds gut eingeschätzt, denn bei den Herren kletterten nur die bewährt ausdauernden Spanier, Ramon Julian Puigblanque und Patxi Usobiaga, der Sieger des Vorjahres, bis zum höchsten Punkt. Adam Ondra stieg schnell und effizient, doch auf den letzten Zügen ging ihm dann doch der Strom aus, von dem die Spanier so unendlich viel haben. Als vierter platzierte sich David Lama, der sich somit auch noch Hoffnungen auf den Titel machen durfte.

Bei den Damen war Angela Eiter die erste Starterin, bei der sich im Publikum die Hoffnung auf einen Durchstieg der sehr harten Route breitmachte: Angy gab alles, was sie hatte, und das ist nicht wenig. Sie kletterte extrem gut, hatte aber für die letzten Züge die Reserven nicht mehr – dennoch: Mit 23,49 Metern legte sie eine Marke vor, die eine Weile nicht überboten werden sollte. Das gelang erst der Koreanerin Ja-In Kim, die relativ kurz vor dem Umlenker stürzte. Den klippte schließlich – als einzige der Frauen – die, von der man es erwartet hatte: Vorjahres-Siegerin Johanna Ernst kletterte konzentriert und sicher zum Top der Route.

Damit waren – aus internationaler Sicht – die Zeichen für den Sonntag gesetzt: Die Favoriten waren vorn, die Verfolger hatten noch eine Chance, mussten allerdings darauf hoffen, dass die Spitze patzt. Aus deutscher Sicht sah es so aus, dass Thomas Tauporn und Juliane Wurm, die beiden einzigen deutschen Teilnehmer, alles gaben, nach dem ersten Durchgang aber nur noch wenig Chancen auf einen Sieg hatten.

5 mal Rockmaster: Das schaffte vor Angela Eiter (Mitte) nur die Amerikanerin Lynn Hill. Links im Bild die Zweite, Mina Markovic, rechts die Koreanerin Ja-In Kim.
Foto: Ralph Stöhr

Der Sonntag beförderte die Athleten ab 10:00 Uhr in die After-Work-Route. Die war am Freitag schon ausgecheckt worden und hatte sich sowohl bei den Frauen als auch bei den Herren als richtig harte Nuss erwiesen. Hier startete Angela Eiter als siebte und legte gewaltig vor: 27,18 Meter reichten zumindest bis in die Nähe des Umlenkers, und in der Summe mit der Vortageshöhe als Zwischenstand erst einmal auf den ersten Platz. Mina Markovic aus Slowenien, am Vortag höhengleich mit Angela, kam fast genau so weit, konnte den letzten Griff aber nur noch berühren, nicht halten. Bei den Herren zeigte David Lama als erster eine Superleistung: Dynamisch und kämpferisch kletterte er bis zum Schlussüberhang, mit 33,45 Meter lag er meterweit über dem restlichen Starterfeld.

Wie schon am Tag zuvor wurde es auch am Sonntag bei den letzten drei Startern so richtig spannend: Statt erst alle Damen und dann alle Herren klettern zu lassen, hatten die Organisatoren beschlossen, die letzten drei Damen und drei Herren zum Schluss antreten zu lassen. Leider – und dies war das einzige kleine Manko des Wettbewerbs, dem die Übertragung im italienischen RAI-Fernsehen ein enges Zeitkorsett übergestülpt hatte – kletterten die Besten vom Vortag nun in der Frauen- und Herrenroute zeitgleich.

Dennoch: Es wurde richtig interessant. Adam Ondra war am Samstag weit gekommen, durfte sich aber keinen Fehler erlauben, wollte er eine Chance auf den Titel wahren. Doch so geschickt er sich auch eindrehte und so schnell er kletterte: Bei 25,64 m war Schluss für ihn. Bei den Frauen erwischte es die Französin Charlotte Durif noch viel früher. Für beide sah es nicht mehr gut aus mit Podiumsplätzen. Dann kamen Ja-In Kim und Patxi Usobiaga. Ja-In Kim kletterte nach der üblichen kurzen Verbeugung zum Publikum prima und elegant, auch Patxi gewann scheinbar mühelos an Höhe. Bis er plötzlich, völlig unerwartet und nach nur 11,55 m im Seil hing – der Fuß war von einem Tritt gerutscht. Aus der Traum von der Titelverteidigung. Ja-In Kim musste sich mit einer Höhe von 24,04 m geschlagen geben, immerhin die drittbeste Höhe bis zu diesem Zeitpunkt. Nun also Ramon Puigblanque und Johanna Ernst. Und das Unmögliche geschah: Johanna Ernst, Siegerin des Vorjahres, stürzte am zweiten Haken. An einer Stelle, die man bisher gar nicht wahrgenommen hatte, weil alle anderen einfach darüber geklettert waren. Doch Johanna kam ins Stocken, chalkte, griff mit links zum nächsten Griff, zurück, chalkte wieder. Nach dem fünften Nachchalken begann das Publikum zu ahnen, dass das eventuell nicht nur eine kleine Unsicherheit war – von einem „jugendlichen Blackout“ sprachen später Johannas Eltern. Schließlich sprang Johanna mit rechts an den Griff und stürzte – 4,82 Meter. Wann hat es das je gegeben, dass gleich zwei hochklassige Favoriten mit der schlechtesten Höhe aus einem finalen Wettkampfdurchgang abgehen?

Ramon Julian Puigblanque jedenfalls ließ nichts mehr anbrennen: Mit der höchsten Höhe im Afterwork-Durchgang sicherte er sich seinen vierten Rockmastertitel vor David Lama und Adam Ondra.

Im anschließenden Duell, bei dem die vier besten auf identischen Routen noch einmal auf Zeit gegeneinander antretensiegte Ramon bei den Herren, während die Duell-stärkte Frau Ja-In Kim aus Korea war.

Bleibt nur zu sagen: Der Arco Rockmaster 2009 war einer der besten und spannendsten der letzten Jahre. Das lässt hoffen für viele weitere Rockmaster in Arco und ganz besonders für die Weltmeisterschaft 2011, die dann im Juli in der Kletterstadt beim Gardasee stattfinden wird.

Die Ergebnisse

Frauen:
1. Angela Eiter (AUT)
2. Mina Markovic (SLO)
3. Ja-In Kim (KOR)
4. Charlotte Durif (FRA)
5. Natalja Gros (SLO)
6. Maja Vidmar (SLO)
7. Johanna Ernst (AUT)
8. Juliane Wurm (GER)
9. Jenny Lavarda (ITA)
10. Alexandra Eyer (SUI)
11. Alexandra Ladurner (ITA)
12. Caroline Ciavaldini (Fra)

Männer:
1. Ramon Julian Puigblanque (ESP)
2. David Lama (AUT)
3. Adam Ondra (CZE)
4. Cédric Lachat (SUI)
5. Jakob Schubert (AUT)
6. Tomás Mrazek (CZE)
7. Patxi Usobiaga (ESP)
8. Klemen Becan (SLO)
9. Romain Desgranges (FRA)
10. Jorg Verhoeven (NED)
11. Flavio Crespi (ITA)
12. Thomas Tauporn (GER)
13. Valeriy Kryukov (UKR)

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Autor: Ralph Stöhr

© klettern

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