Kletterhalle Kassel verbietet Tubes zum Sichern

Sicherungsgerät Tube verboten - Teaserbild
Foto: www.klettern.de
Nach einem schweren Unfall im Kletterzentrum Nordhessen in Kassel hat die dortige Leitungsebene beschlossen, das Sichern mit Tube zu verbieten.

In der Kurzform liest sich die Ankündigung der Kasseler Kletterhalle so:

"Liebe Kletterer,

das Sichern mit Tuber ist im Kletterzentrum Nordhessen nicht mehr gestattet. Andere Sicherungsgeräte (Smart, Grigri,) können kostenlos ausgeliehen werden!

Durch die Risikobereiche in der Handhabung des Tube raten wir, wie schon in der Vergangenheit, zu einem Smart oder einem Grigri.
(...)
Wir bitten um Euer Verständnis.
"

Warum wurde das Sichern mit Tube in Kassel verboten?

In ihrer Stellungnahme erklärt das Kletterzentrum Kassel, warum sie das Sichern mit Tubes ab sofort untersagen. Hier geben wir die wichtigsten Punkte im Überblick.

Resultierend aus einem Unfall mit Bodensturz Anfang April hat die Leitung der Kletterhalle gemeinsam mit den Trainern und der Alpenvereins-Sektion Kassel das Sichern mit Tubes verboten, weil diese im Verhältnis zu anderen Typen von Sicherungsgeräten weniger sicher seien.

So erklärt die Stellungnahme:

"Dies liegt an der spezifischen Funktionsweise des Gerätes. Es ist völlig richtig, dass bei korrekter Bedienung (Handhaltung der Bremshand nach unten) ausreichend Bremswirkung vorhanden ist, um auch harte Stürze zu bremsen. Aber eben nur dann. Um Seil ein- oder auszugeben, muss diese sichere Handposition zwangsläufig verlassen werden.
D.h.: die gewünschte Sicherungswirkung wird immer wieder für einen mehr oder weniger kurzen Zeitraum außer Kraft gesetzt. Wenn in diesem Moment ein für den Sichernden überraschender Sturz erfolgt, besteht das Risiko, dass es nicht mehr gelingt, die Bremshand schnell genug unter das Gerät zu bekommen. Ein Halten ist nicht mehr möglich...
"

Auch der Kletterhallenverband KLEVER und der Österreichische Alpenverein empfehlen das Tube nicht mehr als optimales Sicherungsgerät für die Halle. Der Deutsche Alpenverein hat laut Aussage des Ressorts Breitenbergsport, Sportentwicklung und Sicherheitsforschung eine Empfehlung zur Verwendung von Sicherungsgeräten beim Sportklettern in der Vorbereitung. Im Vereinsmagazin Panorama liest sich der aktuelle Stand beim DAV zum Thema Sicherungsgeräte so:

"Der klassische Tube ist das Expertengerät für fortgeschrittene Sicherungsaufgaben wie dem dynamischen Sichern sehr leichter Kletterer und / oder bei viel Seilreibung; um mit Tube sicher zu sichern, braucht man Erfahrung im Halten von Stürzen, gute Bewegungsroutine und ausreichend Handkraft. Vor allem für Gelegenheitskletterer, Anfänger und leichte Sicherer empfiehlt die DAV-Sicherheitsforschung Halbautomaten (Click-Up, Smart, Grigri, Ergo, Mega Jul). Sie bieten bei korrekter Bedienung ein Plus an Sicherheit. Jedes dieser Geräte hat seine Besonderheiten, eine kompetente Einweisung ist dringend zu empfehlen."

Hieraus erwächst natürlich die Problematik, dass "Erfahrung im Halten von Stürzen" sowie "gute Bewegungsroutine" eben durch Übung und Erfahrung entsteht, die man nicht mehr sammeln kann, wenn man nicht mit dem Tube sichert. Es müsste also deutlich mehr und deutlich intensiveres Training im Sichern und an den Geräten stattfinden, um ebenjene erwünschte Fähigkeiten zu gewährleisten. Vielleicht ein Ansatz, der schon jetzt ein Plus an Sicherheit bringen könnte.

Mehr zum Thema Sicherungsgeräte und das sichere Sichern gibt's hier: Sind Tubes unsicher? Die Debatte um verschiedene Sicherungsgeräte

Was meint ihr dazu? Ist das Verbot gerechtfertigt? Sagt uns eure Meinung im Kommentarfeld unterhalb!

Fotostrecke: Neue Sicherungsgeräte

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Sicherungsgeräte zum Sichern und Klettern Foto: Hersteller
Sicherungsgeräte zum Sichern und Klettern Foto: Hersteller
Sicherungsgeräte zum Sichern und Klettern Foto: Hersteller

Fotostrecke: Sicherheit beim Klettern - die häufigsten Fehler

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Fehler beim Sichern in der Kletterhalle Foto: Georg Sojer / DAV
Fehler beim Sichern in der Kletterhalle Foto: Georg Sojer / DAV
Fehler beim Sichern in der Kletterhalle Foto: Georg Sojer / DAV