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Juliane Wurm und Markus Hoppe deutsche Meister 2009
30.11.2009 von Ralph Stöhr
Nach einem bewegten Wochenende in Darmstadt stehen die deutschen Meister fest. Auch bei der Jugend gibt es Deutsche Meister, und im Speed ebenso.
Es ging knapp zu: Nur jeweils ein Griff trennte am Samstag bei der Deutschen Meisterschaft die Sieger bei Herren und Damen von den Zweitplatzierten. Und viel weiter als in Wandmitte kam in den Finalrouten überhaupt niemand.
Erst im März eröffnete das DAV Kletterzentrum Darmstadt seine Pforten, und schon war es am letzten Wochenende Austragungsort der Deutschen Meisterschaft im Sportklettern und Speed. So konnten Betriebsleiter Erwin Marz – als erfahrener Organisator mitverantwortlich dafür, dass die DM nach Darmstadt kam – und die vielen Helfer der Sektion Darmstadt gleich beweisen, dass sie ein solches Mammutprogramm gut über die Runden bringen: am Samstag, dem 28.11., die Deutsche Meisterschaft der Herren und Damen und der Deutsche Speedcup. Am Sonntag dann noch die Deutsche Jugendmeisterschaft.
Wer zu spät kommt...
Der Samstag begann mit der Qualifikation im Speed, bei der sich vier Frauen und acht Männer für das abendliche Finale qualifzierten. Es folgte das Halbfinale der Herren und Damen im Sportklettern. Dafür hatten sich die zwölf besten Herren und acht Frauen aus dem vorangegangenen Sportklettercup qualifiziert, der dieses Jahr leider nur aus zwei Durchgängen bestand (Kempten und Leipzig). Dass schließlich nur elf Herren starteten, kam überraschend: Andreas Bindhammer war nicht rechtzeitig zum Beginn der Isolation erschienen und wurde damit zwangsläufig vom Wettkampf ausgeschlossen.
Die verbleibenden Teilnehmer durften sich dann an den unter Leitung von Ole Herrenkind geschraubten Routen die Zähne ausbeißen. Bei den Damen zeigten sich doch große Leistungsunterschiede zwischen den schwächeren Kandidatinnen, die schon sehr früh abfielen, und den Favoritinnen. Insbesondere die mehrfache Deutsche Meisterin (in allen Disziplinen) Juliane Wurm zeigte, dass sie deutlich mehr drauf hat als alle anderen und zog als einzige die Route bis zum Umlenker durch. Ines Dull, die jüngste Starterin im Feld, blieb ihr aber recht dicht auf den Fersen, als Dritte ging Luisa Neumärker aus dem Halbfinale hervor. Ähnlich schön verteilten die männlichen Starter ihre Abtropfstellen über die mit einigen sehr kniffligen Stellen gespickte Halbfinalroute. Thomas „Shorty“ Tauporn erreichte hier die höchste Höhe – den letzten Griff unter dem Umlenker –, konnte aber nicht top klettern. Christian Bindhammer – der hier seinen zehnten Meistertitel holen wollte – und Stefan Danker erwiesen sich ähnlich stark und fielen nur wenige Zentimeter vorher ab.
Verletzung auf der DM
Es folgte die Umbaupause. Die inzwischen über 500 Zuschauer – viele, die später kamen, mussten sogar am Eingang abgewiesen werden – wurden mit einer Feuershow im Freien unterhalten, während Ole Herrenkind und sein Team zwei brettharte Finalrouten an die Wand schraubten. Wie fast immer dauerte das etwas länger als geplant, doch die Verzögerung von einer guten Dreiviertelstunde wurde im Finale wieder wettgemacht, denn in beiden Routen konnten sich die Athleten nur jeweils wenige Minuten festhalten.
Sechs Damen traten zum Finale an: Lisa Weisensee, Anna Katharina Böhm, Irina Mittelmann, Luisa Neumärker, Ines Dull und Juliane Wurm. Gleich zum Auftakt sorgte Lisa Weisensee für Aufregung und den Einsatz der Rotkreuz-Helfer: Beim Anziehen an einem Heelhook verletzte sie sich den Oberschenkel, fiel ab und ging mit Schmerzensschreien zu Boden. Sie wurde daraufhin sofort ins Krankenhaus gebracht, kehrte aber später mit Krücken wieder ins Publikum zurück: Muskel- oder Sehnenverletzung, das wird sich noch herausstellen.
Routen zu schwierig?
Nach dieser Unterbrechung nahm das Damenfinale im Großen und Ganzen den gleichen Verlauf wie das Halbfinale. Die Athletinnen tropften in der gleichen Reihenfolge ab, nur dass Juliane Wurm dieses Mal nicht mehr viel weiterkam als Ines Dull. Nach langem Schütteln konnte sie aber doch einen Griff höher berühren als die Kemptnerin und holte sich verdient ihren vierten Deutschen Meistertitel bei den Erwachsenen – eben alle, seit sie bei den Erwachsenen startet. Dritte wurde Julia Neumärker.
Die Herrenroute erwies sich als noch kurzweiliger als das Frauenfinale: Länger als drei Minuten kletterte keiner der Männer, über die Wandmitte kam keiner. Aus Zuschauersicht – und wahrscheinlich auch aus Sicht der Athleten – war die Route einfach zu schwierig, aber die Routen so zu bauen, dass immer gerade eine durchkommt, ist natürlich auch eine extrem anspruchsvolle Aufgabe. Im Finale jedenfalls waren schon die unteren Meter bretthart, dann kam eine Stelle mit zwei Unter- bis Seitgriffen, an denen Christian Bindhammer und der bisherige Deutsche Meister Jan Hojer abtropften. Markus Hoppe war bis hierher gewohnt ruhig und elegant unterwegs, kämpfte dann aber mit den zwei undankbaren Griffen und fand schließlich eine Lösung, um mit rechts den nächsten zu erwischen. Füße hoch, mit links einmal geschnappt, dann mit links noch mal weiter an ein großes grünes Strukturelement – das der Dresdner aber nicht mehr halten konnte. Thomas „Shorty“ Tauporn als letzter Starter kletterte extrem zügig, fast schon schnell. Die Stelle mit den zwei Untergiffen löste er flott, erreicht den nächsten Griff mit rechts, zog mit links weiter, trat mit rechts über Kopfhöhe an, die zweite Hand zum Griff, weiterziehen zum grünen Strukturelement – in dem Moment rutschte der Fuß vom Tritt. Und zwar bevor er das grüne Teil berührt hatte. Das hieß: Zweiter Platz für den Schwaben und der erste Deutsche Meistertitel im Sportklettern für Markus Hoppe. Dritter wurde Jan Hojer, Vierter Christian Bindhammer.
Es folgte das Finale im Speed, wo sich Jonas Baumann (wieder einmal) und Isabell Haag die Titel sicherten.
Ergebnisse im Überblick
Damen
1 Wurm Juliane 1990 Wuppertal
2 Dull Ines 1991 Allgäu-Kempten
3 Neumärker Luisa 1990 Sächsischer Bergsteigerbund
4 Mittelman Irina 1972 Frankfurt/Main
5 Böhm Anna Katharina 1977 Sächsischer Bergsteigerbund
6 Weisensee Lisa 1984 Frankfurt/Main
7 Raab Luise 1992 Frankfurt/Main
8 Loichen Birte 1989 Koblenz
Herren
1 Hoppe Markus 1978 Sächsischer Bergsteigerbund
2 Tauporn Thomas 1991 Schwäbisch Gmünd
3 Hojer Jan 1992 Frankfurt/Main
4 Bindhammer Christian 1976 Allgäu-Kempten
5 Danker Stefan 1988 Landshut
6 Lau Johannes 1984 Frankenthal
7 Conrad Mathias 1989 Zweibrücken
8 Böbel Florian 1988 Schwaben
Jugend
Männliche Jugend A
1. Megos Alexander Erlangen
2. Leuoth Felix AlpinClub Hannover
3. Porscha Maximilian Schwaben
Männliche Jugend B
1. Halenke Sebastian Schwäbisch Gmünd
2. Adolph Samuel München-Oberland
3. Hanke Christoph München-Oberland
Junioren
1. Dippon Marcel Oberer Neckar
2. Götting-Boller Mathias Siegerland
3. Bosler Fabian Schwaben
Weibliche Jugend A
1. Leiner Isabell Zweibrücken
2. Raab Luise Frankfurt/Main
3. Haag Isabell Schwaben
weibliche Jugend B
1. Färber Lilli Erlangen
2. Kellner Ronja Freising
3. Baehr Hannah Rosenheim
Juniorinnen
1. Wurm Juliane Wuppertal
2. Neumärker Luisa Sächsischer Bergsteigerbund
3. Dull Ines Allgäu-Kempten
Speed
Damen:
1 Haag Isabell 1992 Schwaben
2 Fichtner Andrea 1976 Stuttgart
3 Beck Selina 1992 Schwaben
Herren:
1 Baumann Jonas 1986 Wuppertal
2 Porscha Maximilian 1992 Schwaben
3 Conrad Mathias 1989 Zweibrücken
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30.11.2009
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Autor: Ralph Stöhr
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