Hot Rocks beim Rock Master in Arco

Wettbewerbsmarathon in drückender Hitze: Beim Rock Master in Arco vom 16. bis 18. Juli mussten Athleten und Zuschauer Stehvermögen zeigen.


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Siegertypen: Jakob Schubert, der neue Rock Master Ramon Julian Puigplanque und Adam Ondra vor der Siegerehrung.
Foto: Ralph Stöhr / klettern

Nur zur Übung: Weil im nächsten Jahr die WM in Arco im Juli stattfinden wird, verlegte das Rock Master-Komitee den diesjährigen Rock Master ebenfalls in den Juli. Von Freitag bis zum Sonntag Abend wurde im Wettkampfstadion von Arco fast ununterbrochen geklettert und gebouldert. Und in den engen Gassen von Arco kam man an diesem Wochenende vor lauter breitschultrigen Spitzenkletterern kaum noch durch. Wenn sich zwei von denen begegnen, müssen sie ja fast seitlich aneinander vorbei, so breit sind viele inzwischen.

Nicht nur der Termin war anders, auch der übliche Rock Master-Modus (mit seiner kombinierten Wertung aus Onsight- und Work-Out-Route) war dem international üblichen Wettkampfablauf gewichen: Geklettert wird nur onsight, und statt einem Einladungswettkampf stand der Rock Master 2010 den Besten aller Länder offen, die sich über Qualifikation und Halbfinale bis ins Finale kämpfen konnten. Und dies auch zahlreich taten: Über 170 Athleten aus aller Welt waren dieses Jahr in Arco am Start. Neben dem Lead gab es schließlich auch noch Bouldern und Speed.

Sie gab sich erst ganz kurz unterm Umlenker geschlagen: Siegerin Jain Kim aus Korea im Finale des Rock Master 2010.
Foto: Ralph Stöhr / klettern

Bis zum letzten Schweißtropfen

Sich ins Finale kämpfen, das war bei Temperaturen von bis zu 38 Grad sehr wörtlich zu nehmen. Und während die Zuschauer sich wenigstens bei Bedarf von einer Wasserkanone bespritzen und abkühlen lassen konnten, blieb den Wettkämpfern nicht anderes übrig, als den Schweiß von der Stirn zu wischen und weiter zu machen.

Besonders gut erledigten das im Lead Jain Kim und Ramon Julian Puigblanque. Beim Finale spät am Samstag Abend überzeugten beide mit souveränen Leistungen und stürzten jeweils ganz kurz vor dem Top, womit sie als Sieger des 25. Rock Masters feststanden. Hinter Jain Kim platzierten sich Katharina Posch und Angela Eiter, Ramon siegte vor Jakob Schubert und Adam Ondra.

Cédric Lachat zeigte nicht nur beim Bouldern, wo er den ersten Platz holte, Kämpferqualitäten. Er kletterte auch im Lead ins Finale und startet im Speed – alles an einem Wochenende!
Foto: Ralph Stöhr / klettern

Lachat – unterwegs in allen Disziplinen

Am Sonntag Morgen folgte bei den Boulderern das Finale der Herren. Hier setzte sich in einem harten Kampf an ebenso harten Bouldern schließlich Cédric Lachat aus der Schweiz durch. Was umso bemerkenswerter ist, als Cédric auch noch in der Speed-Qualfikation gestartet war und außerdem noch im Lead mitmachte, wo er immerhin den sechsten Platz erkletterte. Woher der Mann bei der Hitze die Energie nahm, bleibt sein Geheimnis, aber er zeigte in jeder Disziplin absoluten Kampfeswillen und rannte gegen die Boulder bis zur letzten möglichen Sekunde an. Für diesen Einsatz wurde er mit zwei Tops belohnt. Mehr konnte an diesem Morgen keiner einfahren. Der Russe Rustam Gelmanov wurde Zweiter, Tsukuru Hori aus Japan Dritter. Für Kilian Fischhuber, dem die Hitze nicht sonderlich bekam, endete das Boulderfinale sehr ungewöhnlich: Es dürfte lange her sein, dass er keinen einzigen der Finalboulder knacken konnte.

Erst so rum, dann so rum: Anna Stöhr fand zu den ersten beiden Bouldern keinen Zugang – und flashte den Rest. So kann man auch gewinnen.
Foto: Ralph Stöhr / klettern

Entscheidung in letzer Minute

Als die Frauen zum Boulderfinale antraten, war es dann noch ein paar Grad wärmer geworden. Die sechs Finalistinnen fighteten um jeden Zentimeter, doch erst am allerletzten Boulder entschied sich die Hitzeschlacht: Anna Stöhr, die bei den ersten beiden Problemen wenig Land gesehen hatte, knackte die beiden letzten Probleme jeweils im ersten Versuch. Und siegte damit am Ende noch überraschend. Gut mitgehalten hatten außerdem noch Olga Shalagina aus der Ukraine (Platz 2) und Akiyo Noguchi aus Japan (Platz 3). Ebenfalls sehr beeindruckend zeigte sich die Slowenin Mina Markovic, die sowohl im Lead als auch beim Bouldern angetreten war und sich in beiden Disziplinen bis ins Finale vorkämpfte.

Die beliebteste Disziplin beim diesjährigen Rock Master: Kalt duschen in allen Lagen.
Foto: Ralph Stöhr / klettern

Was sonst noch geschah

Nach dem Bouldern folgte am Sonntag Abend noch ein Arco-spezifischer Wettkampf, das Duell, bei dem die besten Athleten in zwei identischen Routen (mittelschwer, also rund 8a) auf Zeit klettern: Wer zuerst oben ist, gewinnt. Hier siegten Adam Ondra und Katharina Posch. Ach ja, Cédric Lachat und Mina Markovic waren auch hier noch mal dabei. Die beiden haben ihre Klettermeter für die nächsten Tage nach diesem Wochenende auf jeden Fall schon in den Armen.

Am Rande der Wettkämpfe wurden schließlich noch der Salewa Rock Award und der La Sportiva Competition Award vergeben. Eine über 20-köpfige Jury – alles Kletterjournalisten internationaler Magazine und Webseiten, darunter auch von "klettern" – setzte sich dazu schon am Freitag zusammen und kam nach langen Diskussionen und knappen Abstimmungen schließlich zum Ergebnis: Adam Ondra erhält 2010 den Salewa Rock Award (womit er diesen Preis nach 2008 zum zweiten Mal nach Hause nehmen konnte). Außer Adam waren noch Charlotte Durif, Enzo Oddo, Chris Sharma und Daniel Woods nominiert gewesen.

Der La Sportiva Competition Award ging an Akiyo Noguchi aus Japan. Ebenfalls nominiert waren hier Johanna Ernst aus Tirol und wieder einmal der allgegenwärtige Adam Ondra.

Und weil aller guten Dinge drei sind, gab es dieses Jahr auch noch einen neuen Award für die Lebensleistung bedeutender Kletterer. Der heißt Sector-Award und ging dieses Jahr an Manolo Zanolla. Das italienische Kletterurgestein hat nicht nur für das Klettern in Arco viel getan, er hat auch in den Dolomiten viele Spitzenrouten eröffnet. Und klettert immer noch so stark wie eh und je.

Mit der großen Party im Café Conti ging das Rock Master Wochenende schließlich zu Ende. Es wird als das heißeste bisher in Erinnerung bleiben. Für die WM im nächsten Jahr gilt auf jeden Fall: Sonnenhüte, Sonnencreme und Eiswürfel dürfen nicht fehlen. Und die Athleten nutzen diesen Sommer am besten, um das Klettern in großer Hitze noch einmal intensiv zu trainieren.

Autor: Ralph Stöhr

© klettern

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