EYC München: Jugend-Boulder-Europameister stehen fest

In sechs Altersklassen traten am 17. und 18. September die besten europäischen Boulderer der Jugend in München gegeneinander an.

European Youth Bouldercup München – die ersten Jugendeuropameister im Bouldern stehen fest!

Knapp 150 Jugendboulderer aus 21 Nationen hatten sich zum Finale des European Youth Bouldercups 2011 in München eingefunden. Nur eine Woche zuvor hatte die Auftaktveranstaltung und Wettkampfpremiere zur europäischen Jugendbouldermeisterschaft in Meran (ITA) stattgefunden. 12 Boulder mussten alle Teilnehmer in der Qualifikation absolvieren, die besten Sechs aller Altersklassen wurden dann schließlich zum Finale nach Weltcupmodus zugelassen.
Etliche deutsche Starter hatten sich über die deutsche Jugendbouldermeisterschaft in Frankfurt qualifiziert. Mit 31 Startern stellte Deutschland damit auch das stärkste Team. Das musste sich wie alle anderen Teilnehmer auch den Boulder-Kreationen einer erlesenen Routenbauer-Crew stellen: Altmeister und Routenbauer-Legende Jacky Godoffe (FRA), Weltcup-Boulderschrauber Tonde Katiyo (FRA), Boulderwelt – Inhaber Dave Cato sowie die deutschen Routenbauer Robert Heinrich und Matze Conrad hatten in langen Tagen und Nächten insgesamt 61 Boulder geschraubt und getestet. Das hatte sich gelohnt, denn die Boulder fragten alle relevanten Boulderskills ab.

Nach einem langen Qualifikations-Samstag gab es aus deutscher Sicht gleich vier Mal Grund zur Freude, hatten mit Jan Hojer (Junioren), Christoph Hanke (Jugend A), David Firnenburg (Jugend A) und Lena Herrmann (Jugend A) doch vier deutsche Starter das Finale erreicht. Beinahe wären es sogar noch mehr geworden, denn mit Isabell Leiner (Juniorinnen, Platz 7), Alexander Megos (Junioren, Platz 7) sowie Hannah Bähr (Jugend B, Platz 8) schrammten drei weitere Kandidaten knapp am Finale vorbei.

Im Finale waren dann zuerst die weiblichen Startklassen an der Reihe: Im harten Finale gelang es dann nur zwei der A- Mädels überhaupt, einen Boulder zu klettern – eine der beiden war Lena Herrmann, die am zweiten Boulder voll ihre Länge ausspielen konnte und mit Ablauf der Zeit noch den entscheidenden und erfolgreichen Versuch mit einem beherzten Sprung an ein Volumen setzen konnte. Nur noch Katja Kadic (SLO) konnte den gleichen Boulder klettern – benötigte dafür allerdings zwei Versuche weniger als Herrmann. Damit holte sich Herrmann den zweiten Platz und ihr erstes Podium bei einem internationalen Wettkampf – eine großartige Leistung für Lena, die neben ihren Wettkampferfolgen auch am Fels bereits Routen bis 8b punkten konnte.
Die weiteren Siege in den weiblichen Altersklassen gingen an Annalisa de Marco (ITA, Jugend B) und Petra Klingler (SUI, Juniorinnen). Die Performance der Schweizer Weltcup-Boulderin, die 2011 bereits zweimal in einem Weltcup-Finale bei den Damen gestanden hatte, war dabei besonders beeindruckend: Während keine ihrer Konkurrentin mehr als zwei Boulder klettern konnte, flashte die Eidgenössin kurzerhand jeden Finalboulder!

Bei den Jungs gab es dann drei Deutsche im Finale, die es anzufeuern galt. Leider hatten die A- Jugendlichen nicht nur mit vielleicht einem Ticken zu harten Bouldern zu kämpfen, sondern es fehlte den deutschen Startern auch das letzte Quäntchen Glück. So gingen David Firnenburg und Chris Hanke komplett leer aus und mussten sich mit den Plätzen fünf und sechs begnügen. Der Sieg ging mit einem Top im Flash an Gael Marty (FRA) vor Michael Piccolruaz (ITA) und Sergey Luzgetskiy (RUS).

Aber Jan Hojer zeigte gleich beim ersten Boulder, wo die Reise hingehen soll: aufs Treppchen! Mit einem Flash stieg der Frankfurter optimal in den Wettkampf ein; Boulder zwei konnte der deutsche Bouldermeister dann sogar als Einziger klettern. Damit setzte sich Hojer, der in Meran noch mit den Elementen (25 Grad im Schatten) und dem Pech (zweimal vom Topgriff im Finale abgerutscht) zu kämpfen hatte, an die Spitze des Feldes und sollte die Führung auch bis zum Ende nicht mehr abgeben. Mit drei Tops holte sich Hojer souverän den Sieg vor den beiden Franzosen Sebastien Valran und Weltcup-Ass Francois Kaiser. Damit reichte es Hojer in der Gesamtwertung zur Jugend-Europameisterschaft nach dem 6. Platz in Meran zum Vizemeistertitel hinter Max Rudigier (AUT), der nach seinem Sieg in Meran in München auf Platz vier landete. Für Hojer, der in dieser Saison bei den Boulderweltcups mit den Plätzen 13 (Sheffield) und 10 (München) schon gezeigt hatte, dass er auch 'bei den Großen' international ganz vorne mitmischen kann, ist dieses Ergebnis ein weiterer Erfolg. Man darf also gespannt sein, wie sich Hojer im nächsten Jahr bei den Boulder-Weltcups schlagen wird!

Bei den Jugend B-Jungs war das Finale eine knappe Angelegenheit: Mit drei gekletterten Bouldern sicherte sich der jüngere der Kaiser-Brüder, Lucas, den Sieg vor Jakob Heber Norum (NOR), der einen Versuch mehr benötigte. Rang drei belegte Kaisers Landsmann Jeremy Vaz.
Nach dem Wettkampf stand dann noch ein echter Siegerehrungsmarathon an: Dreizehn Podien mit Tages- und Gesamtwertung wollten geehrt werden. Hier gab es mit der Teamwertung auch noch ein weiterer Grund zur Freude für die deutschen Teilnehmer: Hinter den siegreichen Franzosen belegte das deutsche Team Rang zwei vor Österreich. Es war insgesamt eine starke Teamleistung der deutschen Truppe – Acht schafften es in die Top Zehn der europäischen Bouldermeisterschaft.

Für die Kletterer des Jugendkaders geht es nach einer kleinen Pause nun aber erst einmal wieder mit den Lead-Wettkämpfen weiter - Mitte November steht in Pau (FRA) der vorletzte der diesjährigen Lead-EYCs auf dem Terminplan.

Komplette Ergebnisse und Ranking zur europäischen Jugendbouldermeisterschaft unter www.ifsc-climbing.de