European Youth Series 2009 in München: zwei Mal Gold

Der internationale Jugendwettkampf EYS in München am 12. und 13. September geriet zum großen Kletterfest: über 250 Startern aus 21 Nationen waren in Thalkirchen.


Dichtes Gedränge ist man gewohnt in der DAV-Kletteranlage Thalkirchen, aber am vergangenen Wochenende ließen es die mehr als 250 Starter aus 21 Nationen inklusive Anhang doch eng werden in den Gängen und an den Wänden der Anlage. Dazu kamen noch die kletterbegeisterten Zuschauer. Mit dem zweiten Wettkampf zur European Youth Series (EYS) 2009 richtete der DAV in Kooperation mit dem Trägerverein des Kletterzentrums und der Sektion Oberland zum dritten Mal einen europäischen Jugendwettbewerb aus – nach der Premiere 2008 auch in München wieder in den beiden Disziplinen Lead und Speed.

Für den DAV gingen beim EYS nicht nur die üblichen Verdächtigen aus den Reihen des Jugendkaders an den Start, sondern wie bei Jugend-Wettkämpfen im eigenen Lande gewohnt auch noch etliche Gaststarter, die sich über die nationale Jugendcup-Rangliste für den EYS-Start qualifiziert hatten. So stellte der DAV mit 35 Kletterern die größte Mannschaft unter Jugendtrainer Gunter Gäbel.

Am Freitagnachmittag stand die Speed-Qualifikation auf dem Programm und es wurde schnell deutlich, dass die deutschen Starter auch hier gute Chancen hatten. Vor allem die schnellen Schwaben, die sich in der letzten Zeit zunehmend auf das Speedklettern konzentriert haben, konnten locker mit den schnellen Osteuropäern mithalten: Fabian Bosler, Maximilian Porscha, seine Schwester Sofia, Isabell Haag und Lucas Günther schafften es in ihren Altersklassen problemlos, sich für die Finalrunden am Sonntag zu qualifizieren.

Aber zuvor stand erst noch der lange Lead-Qualifikations-Samstag auf dem Programm: Die Routenbauercrew (Christian und Andreas Bindhammer, Jonas Baumann und Johannes Lau) hatte sowohl innen an den langen Dachstreifen als auch an der Außenwand einige harte Nüsse kreiert. Vor allem die Struktur- und Insert-Route, die aus der Ferne völlig grifflos aussah, forderte präzise Beinarbeit und ordentlich Fingerkraft – so konnten am Ende auch nur eine Hand voll Kletterer aus zwei Altersklassen diese Route durchsteigen.

Das dickste Brett war aber die lange Dachroute für die männliche Jugend A und die Junioren: Allen Teilnehmern zog es spätestens in der Ausstiegswand nach dem Dach den Stecker – der Topgriff in dieser Route blieb unberührt. Aus deutscher Sicht verlief der Qualifikationstag hervorragend: Bei der weiblichen Jugend B konnten Luisa Deubzer (München-Oberland) als Siebte und Lilli Färber (Erlangen) als Vierte ins Finale einziehen. Sarah Schützenberger (München-Oberland) schrammte als „Gaststarterin“ mit dem 12. Platz knapp am Finale der besten 10 vorbei. Die restlichen Jugend B-Starterinnen: Ronja Kellner (Freising) landete auf dem 19. Platz, Lina Himpel (Frankfurt) wurde 22ste, Afra Hönig (Landshut) 31ste.

Die B-Jungs ließen es ordentlich krachen: Gleich vier Deutsche kletterten unter die besten zehn: Die beiden Medaillengewinner der Jugend-WM Sebastian Halenke (Schwäbisch-Gmünd) und Samuel Adolph (München-Oberland), außerdem noch David Firnenburg (Alpinclub Hannover) und auch Florian Wientjes (München-Oberland), der es damit als einziger Nicht-Kader-Starter ins Finale schaffte. Sein Sektionskollege Christoph Hanke landete in der zweiten Quali auf Rang 16. Für Jonas Winter (Barmen) sprang der 30. Platz heraus.

In der weiblichen A-Jugend schaffte es leider keine der deutschen Starterinnen ins Finale: Isabell Leiner (Zweibrücken) war mit dem 21. Platz noch beste DAV-Starterin, gefolgt von Chiara Maria Klostermann (Ringsee, 23ste), Katharina von Chamier (Münster, 27ste), Isabell Haag (Schwaben, 28ste) und Maja Julie Zajonc (Alpinclub Hannover, 32ste).

Umso besser waren die A-Jungs unterwegs: Jan Hojer (Frankfurt) war der einzige A-Jugendliche, der die schwere Insert- und Struktur-Qualifikation top klettern konnte und auch in der langen ersten Quali kam er mit am Weitesten. So zog er nach seinem unglücklichen Abschneiden beim EYS in Imst und bei der Jugend-WM endlich einmal wieder in ein internationales Finale ein – und dies als Zweiter nach der Qualifikation. Nur noch Hojers Teamkollege Alexander Megos (Erlangen) war nach der Qualifikation besser und setzte sich an die Spitze der Qualifikationswertung. Dritter DAV-Mann im Bunde fürs Finale war schließlich Robin Gray (Bad Tölz). Mit deutlichem Abstand hinter den Finalrängen folgten die weiteren deutschen A-Jungs: Felix Leuoth (Alpinclub Hannover, 25ster), Domink Winkler (Zweibrücken, 28ster) und Maximilian Porscha (Schwaben, 30ster).
Nach der kurzfristigen verletzungsbedingten Absage von Juliane Wurm (Wuppertal) ruhten alle deutschen Hoffnungen bei den Juniorinnen auf Ines Dull (Allgäu-Kempten) und Luisa Neumärker (SBB). Während sich Ines Dull mit einer starken Leistung als Zweite hinter der Favoritin Charlotte Durif (F), die als einzige Juniorin beide Qualirouten topklettern konnte, einreihte, verpasste Luisa Neumärker als Elfte hauchdünn den Finaleinzug. Auch Monika Retschy (München-Oberland, 14te), Lara Hojer (Frankfurt, 17te) und Louise Tharandt (Berlin, 22ste) mussten nach den beiden Qualifikationsrouten die Kletterschuhe wieder einpacken. Bei den Junioren war leider auch für alle deutschen Starter zum Finale Zuschauen angesagt: Am ehesten hätte noch Marcel Dippon (Oberer Neckar, 13ter) Finalchancen gehabt – seine Altersgenossen Fabian Bosler (Schwaben, 24ster), Mathias Götting-Boller (Siegerland, 28ster), Martin Tekles (Rosenheim, 29ster), Lars Proske (Bielefeld, 32ster) und Moritz Krämer (Siegerland, 35ster) waren leider chancenlos im starken Juniorenfeld.

So waren es dann auch genau die erhofften 10 deutschen Finalisten - Deutschland stellte damit ein Sechstel der Finalisten! Die Finalroute der männlichen Jugend war zweigeteilt mit einem eigenen Ausstieg für die B-Jugend, während alle Mädels-Altersklassen in einer Route antreten mussten.

Im Finale der weiblichen Jugend B musste als erste deutsche Starterin Luisa Deubzer vor heimischer Kulisse antreten: Sie schaffte es problemlos über den schweren Einstiegsboulder am zweiten Haken, dem bereits die ersten drei Starter zum Opfer gefallen waren, und scheiterte erst an einem weiten Sprung nach rechts im oberen Drittel der Route. Damit reichte es ihr am Ende für den sechsten Rang. Ihrer Teamkollegin Lilli Färber erging es nicht besser: Sie schaffte es auch nicht, den Zielgriff nach dem Sprung sicher zu fassen, wurde aber aufgrund des besseren Vorrunden-Ergebnisses noch Vierte. Um aufs Treppchen zu klettern musste man auf jeden Fall diese Stelle meistern – das schafften auch die Französin Laura Michelard, die Dritte wurde, sowie die beiden Österreicherinnen Katharina Posch und Berit Schwaiger. Da die beiden sowohl in der Vorrunde zweimal top geklettert waren, als auch am selben Griff im Finale abgetropft waren, musste ein Superfinale her. In der Route der männlichen B-Jugend sorgte die Jugendweltmeisterin Posch dann aber für klare Verhältnisse und siegte mit deutlichen 15 Zügen Vorsprung. Damit wäre sie bei den Jungs immerhin noch Fünfte geworden. Für die starken B-Jugendlichen war das Finale etwas zu leicht geschraubt, denn gleich vier Starter konnten das Finale top klettern, darunter auch Sebastian Halenke und David Firnenburg. Firnenburg konnte als erster Finalist die Umlenkung einhängen, Halenke als zweiter. Aber auch der letzte Starter, Vizeweltmeister Domen Skofic (SLO), kletterte top, so dass Halenke knapp auf den zweiten Rang verwiesen wurde. Pech für David Firnenburg: Für ihn blieb nur der vierte Platz hinter dem Franzosen Geoffray de Flaugergues, trotz „Top“ im Finale. Auch für Sammy Adolph lief es nicht ganz optimal: Beim Aufstützer auf ein Volumen rutschten ihm Hand und Fuß weg – Platz Sieben am Ende für ihn. Sektionskollege Florian Wientjes fiel einem Positionsfehler zum Opfer; damit blieb ihm leider nur der zehnte Platz.

Den Sieg bei der weiblichen A-Jugend holte sich die französische Vizeweltmeisterin Helen Janicot vor der Weltmeisterin Katherine Choong (SUI) und ihrer Teamkollegin Amanda Rohner, die damit das erste Mal auf einem internationalen Treppchen stand. Große Spannung unter den deutschen Fans bei der männlichen A-Jugend, galt es hier doch auch wieder drei DAV-Starter anzufeuern. Robin Gray konnte die kraftraubende Linksquerung noch gut meistern, bevor ihm nach einem anstrengenden Clip schlagartig der Strom ausging – Platz 6 am Ende für ihn. Jan Hojer konnte an dieser Stelle noch zwei Züge weiter klettern, tropfte dann aber auch ab. Damit lag er als vorletzter Starter auf dem dritten Rang – nur noch Teamkollege Megos konnte ihm vom Podium verdrängen. Der starke Franke, der zu Trainingszwecken auch gerne mal eine leistige 10+ im Fränkischen vier Mal hintereinander klettert, ließ aber nichts anbrennen und durchstieg als einziger in der Jugend A die Finalroute – dabei chalkte er noch an Griffen, die seine Alterskollegen nur mit aufgeklappten Armen halten konnten. Nach Imst sicherte er sich damit seinen zweiten EYS-Sieg in Folge und machte einen weiteren Schritt in Richtung Europameistertitel.

Damit blieb noch eine deutsche Starterin: Juniorin Ines Dull kletterte souverän bis zum weiten Sprung nach rechts, den sie energisch ansetzte, dann aber den Zielgriff nicht hundertprozentig zu fassen bekam. Wie bei den anderen Mädelsklassen war dieser Sprung auch bei den Juniorinnen der Schlüssel zum Podium. Dull lag mit ihrer Höhe noch auf dem 3. Platz bevor die letzte verbliebene Starterin, Charlotte Durif (FRA), an die Wand kam. Durif, die nicht unbedingt für einen dynamischen Kletterstil bekannt ist, zögerte lange, bevor sie zum Sprung ansetzte, meisterte diesen aber problemlos. Aber auch für sie war kurz darauf Schluss – damit blieb das Damenfinale undurchstiegen. Durif scheiterte am gleichen Griff wie zuvor bereits die slowenische Vizeweltmeisterin Ana Ogrinc, gewann aber schließlich aufgrund der besseren Vorrundenwertung. Dritte wurde Christina Stütz (AUT).
Bei den Junioren gab es gleich fünf Finalbegehungen, so dass auch hier das Vorrundenergebnis herhalten musste: Gauthier Supper (FRA) machte so das Rennen vor Mario Lechner (AUT) und Yuriy Dzubiak. Wie schon bei der Jugend B hatten auch hier die Routenbauer die starken Jungs wohl ein wenig unterschätzt…

Nachdem die Sonne dann aus der Wand verschwunden war, stand noch das abschließende Speedfinale auf dem Programm: Isabell Haag, Maximilian Porscha (beide Jugend A) und Fabian Bosler (Junioren) schafften es in die Runde der letzten vier. Hier unterlagen zwar in ihrer Paarung sowohl Porscha als auch Bosler, die beiden gewannen jedoch noch das kleine Finale und standen damit als Dritte auf dem Podium ihrer Altersklassen. Für Isabell Haag lief es sogar noch besser: Im Finale gegen die WM-Dritte Anna Ghislimberti (ITA) siegte Haag hauchdünn mit etwas mehr als einer Zehntelsekunde Vorsprung – damit gab es den zweiten Sieg des Tages für Deutschland. Die Platzierungen der weiteren deutschen Speed-Starter: Lucas Günther (Schwaben, 11. Platz Jugend B); Dominik Winkler (18ter, Jugend A); Sofia Porscha (7ter, Jugend B), Afra Hönig (10te, Jugend B).
Nach einer langen Siegerehrung, bei der 36 Pokale vergeben wurden und die Franzosen mit ausgesprochenen Sangeskünsten glänzen konnten, traten die Teams wieder die Heimreise an.

Für den DAV-Jugendkader geht es bereits am nächsten Wochenende nach Edinburgh zum nächsten EYS-Wettbewerb in eine der beeindruckendsten Kletterhallen der Welt: Das Ratho-Center mit Wandhöhen bis zu 30m ist in einen Steinbruch hinein gebaut und wird 2010 die Austragungsstätte der Jugend-WM sein.

Komplette Ergebnisse unter www.ifsc-climbing.org.

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Autor: Keller / Burmester

© klettern

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