Deutsche Meister im Sportklettern: Sebastian Halenke und Julia Winter


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Sebastian Halenke wird Deutscher Meister im Sportklettern
Foto: DAV

 

 

 

 

Am 3. und 4. Dezember fand in Wuppertal die Deutsche Meisterschaft und die Deutsche Jugendmeisterschaft im Sportklettern statt. Bilder und Ergebnisse hier.

Die Titel 2011 gehen an zwei Novizen in Sachen Meisterehren: Julia Winter (SBB) holte erstmals überhaupt den Damentitel im Sportklettern nach Sachsen, Sebastian Halenke (Schwäbisch Gmünd) schaffte das Kunststück gleich in seinem ersten Jahr bei den Herren und machte sich damit zum jüngsten Deutschen Meister aller Zeiten. (Sebastian war 1010 Jugendweltmeister geworden - das Interview dazu). Nachdem die beiden amtierenden Meister Markus Hoppe (SBB) aus beruflichen Gründen und Juliane Wurm (Wuppertal) wegen ihrer Konzentration auf den Boulder-Weltcup ihren Titel nicht verteidigen konnten, war bereits vor der Deutschen Klettermeisterschaft klar gewesen, dass sich 2011 zwei neue Namen die Meisterehren würden sichern können.

Doch der Reihe nach: Zwölf Herren und acht Damen hatten sich qualifiziert für die deutsche Meisterschaft, die im DAV Kletterzentrum Wupperwände stattfand. Aus diesem Starterfeld wurden zuerst im Halbfinale die besten acht Herren und sechs Damen ausgesiebt. Bereits in der ersten Runde ging es ordentlich zur Sache – das Routenbauerteam Christian Bindhammer, Jonas Baumann und Gunter Gäbel hatte sowohl für die Damen als auch für die Herren ein Halbfinale geschraubt, das idealerweise schon eine Vorentscheidung bringen sollte. So gab es dann auch eine fast perfekte Reihung der Favoriten nach dem ersten Durchgang: Bei den Herren sicherte sich der Topfavorit Thomas Tauporn (Schwäbisch Gmünd) die einzige Halbfinal-Begehung des Tages, gefolgt von Sebastian Halenke, Jan Hojer (Frankfurt/ Main), Christoph Hanke (München-Oberland), Mathias Conrad (Zweibrücken), Martin Tekles (Berchtesgaden) und Lokalmatador Markus Jung (Siegerland).

Das Starterfeld im Finale komplettierten die auf Rang acht gleich platzierten Sammy Adolph (München-Oberland) und Florian Böbel (Schwaben). David Firnenburg (Alpinclub Hannover) verpasste als Zehnter leider ebenso das Finale wie Benjamin Sillmann (Freiburg, 11.) und Florian Wientjes ( München-Oberland, 12.). Vor allem Firnenburg hatte man eigentlich auch noch zu den Favoriten gezählt, aber der Dritte des deutschen Sportklettercups 2011 war nach eigenem Bekunden nach einer langen Saison mit vielen (auch internationalen) Wettkämpfen einfach nicht mehr in Topform.

 

Julia Winter ist die neue Deutsche Meisterin im Sportklettern.

Julia Winter zu Recht Favoritin

In Topform präsentierte sich die Favoritin auf den Meistertitel: Julia Winter kam in der Halbfinalroute bis knapp unter Top und distanzierte die Mitfavoritin Luisa Deubzer (München-Oberland) um zwei Züge. Dahinter reihte sich die zuletzt bei den Europäischen Jugendcups stark gekletterte Lina Himpel (Frankfurt) als Dritte ein. Marion Mannheim (Rheinland-Köln), Ronja Kellner (Freising) und Denise Plück schafften es ebenfalls noch ins Finale. Dann doch mit größerem Abstand ausgeschieden waren leider die beiden verbliebenen Damen Chiara Clostermann (Ringsee) und Saskia Schuster (Frankfurt), die für die im Sportklettercup Zweitplatzierte Ines Dull (Allgäu-Kempten) nachgerückt war. Dull hatte auf ihr Startrecht verzichtet und war stattdessen für ihren Arbeitgeber VauDe nach China auf einen Kletterwettkampf gefahren.

Im Finale der Damen sollte dann ein Sprung alles entscheiden: Bis auf Marion Mannheim, die bereits weiter unten unerwartet früh abgetropft war, schafften es alle Damen bis zu einem Sprung an zwei Riesengriffe in Wandmitte. Spektakulär, aber nicht übermäßig schwierig – so hatten es die Routenbauer eigentlich geplant. Die Damen taten sich dann allerdings unerwartet schwer – niemand bekam die Griffe richtig zu fassen, so dass alle Damen die gleiche Wertung bekamen, beziehungsweise nach ihrer Halbfinalplatzierung gewertet wurden.

Nachdem fünf Damen spätestens am Sprung gescheitert waren, konnte es also nur noch eine richten: Boulderspezialistin Julia Winter traute man in jedem Fall den Sprung zu und sollte sie die Zielgriffe halten können, dann wäre der Meistertitel schon in Wandmitte gesichert. Die Dame vom SBB setzte den Sprung ohne zu zögern an – und hielt die beiden Zielgriffe ohne Probleme. So war der Rest der Route nur noch die Kür zum Meistertitel. Da machte es auch nichts mehr, dass ihr kurz vor Top der Fuß abrutschte und ihr eine Topbegehung verwehrt blieb.

Winter holte damit nicht nur den ersten Damentitel überhaupt in den Osten der Republik sondern belohnte sich auch für ihre konstant guten Leistungen in den letzten Jahren. Zuletzt war die Dresdnerin nach einer Babypause vor allem im Bouldern wieder sehr stark ins Wettkampfgeschäft zurückgekehrt und hatte auch mit dem Sieg beim letzten Sportklettercup in Darmstadt ihre Titelambitionen für Wuppertal deutlich gemacht. Hinter Winter belegten Luisa Deubzer und Lina Himpel die Plätze zwei und drei auf dem Podium.

 

Sebastian Halenke klettert zum Meistertitel.

Herrenfinale der Deutschen Meisterschaft im Sportklettern

Nachdem die ersten beiden Finalisten Sammy Adolph und Florian Böbel beide an einem weiten Zug um die Kante in Wandmitte scheiterten, setzte Lokalmatador Markus Jung als dritter Starter eine erste Höchstmarke, an der sich auch die folgenden Starter die Zähne ausbeißen sollten. Jung, der als Sport- und Fitnesskaufmann in den Wupperwänden wohl jedes Bohrloch an Wand mit Namen kennt, fiel erst an einem Volumen in der Ausstiegsplatte nur wenige Züge vor Top. Weder Martin Tekles, Chris Hanke noch Jan Hojer konnten Jungs Wertung überbieten. Damit stand zwei Starter vor Schluss bereits fest, dass der deutsche Vizemeister von 2005 sechs Jahre später erneut auf dem Podium der Deutschen Meisterschaft im Sportklettern stehen würde. Nur auf welcher Treppchenstufe war noch nicht klar. Der vorletzte Starter im Feld kam gewohnt energiegeladen an die Wand: Sebastian Halenke hatte nach einer für ihn eher mittelmäßig verlaufenen Saison ohne einen einzigen Sieg nichts zu verlieren und befand sich nach eigenem Bekunden in Topform. Dies zeigte der jüngste Starter im Feld auch vom Boden weg – mit vielen Schüttelpausen und scheinbar ohne große Mühe kletterte der Doppel-Jugendweltmeister von 2009 und 2010 bis über Jungs Bestmarke hinweg und bis knapp unter top. Erst am vorletzten Zug der Route war dann auch Schluss für ihn – eine starke Vorstellung und eine echte Ansage an den letzten verbliebenen Starter: Thomas „Shorty“ Tauporn war auf dem Papier der mit Abstand größte Favorit – nach einer hervorragenden internationalen Saison mit dem Vizeweltmeistertitel im Overall und dem siebten Gesamtplatz im Lead-Weltcup. Auch sein überzeugendes Auftreten im Halbfinale ließen ihn schon wie der sichere neue Meister aussehen. Nach der Vorstellung von Halenke allerdings, die Tauporn auch in der Isolation mitbekommen haben dürfte, hatte der Schwäbisch-Gmünder den Druck unbedingt top klettern zu müssen – nicht die leichteste Aufgabe, zumal Tauporn immer noch der DM-Titel in seiner beachtlichen Sammlung fehlte. Diese Spannung merkte man ihm auch beim Klettern an – ungewohnt nervös ging er auf den ersten Metern zu Werke, bevor er sich in der Mitte der Route wieder fangen konnte. Knapp vor Markus Jungs Höhe schaffte es Shorty sogar noch, die Zuschauer zu Beifallsstürmen zu animieren – trotzdem war für ihn an diesem Tag leider wenige Züge weiter Schluss. Es reichte zwar noch, um Markus Jung auf Platz drei zu verdrängen, an Halenkes Höhe kam Shorty aber leider nicht mehr heran. Auch wenn ihm damit der DM-Titel weiterhin in der Sammlung fehlt, braucht sich Tauporn nicht zu grämen: Mit einer eindrucksvollen internationalen Bilanz hat der Schwabe in diesem Jahr bereits gezeigt, dass er zu den besten Wettkampfkletterern der Welt zählt. Umso mehr freute sich Halenke, der mit seinem Titelgewinn Jan Hojer (2008) als jüngsten Deutschen Meister aller Zeiten ablöst und sich mit seinem Titel auch etwas über eine Saison trösten kann, in der er sich ausschließlich auf die Senioren-Weltcups konzentriert hatte und hier erst einmal ein wenig Lehrgeld bezahlen musste. Die Siegerfaust von Halenke und seine Freude über den Titel sprachen in jedem Fall Bände.

 

Der Pokal der Begierde...

Die deutsche Jugendmeisterschaft

Traditionell durften am zweiten Tag des Deutschen Meisterschafts-Wochenendes dann die Jugendlichen ran – etliche der Nachwuchskletterer waren ja bereits am Vortag bei den Damen und Herren angetreten. *Die acht besten aller Altersklassen nach Endstand des deutschen Jugend- und Juniorencups hatten sich ihr Ticket für Wuppertal gesichert – davon durften wiederum die sechs besten nach dem Halbfinale die Meister unter sich ausmachen.

Jugend B: Hannah Bähr und Moritz Hans siegen
In der jüngsten Altersklasse der 13-15-jährigen war die Titelvergabe vor allem bei den Jungs eine eindeutige Sache: Moritz Hans (Schwaben) sicherte sich in beeindruckender Manier mit dreizehn Zügen Vorsprung den Titel vor Ruben Firnenburg (Alpinclub Hannover) und Joachim Tensing (Coburg) auf Platz drei. Mit seiner Wertung hätte Hans auch in den beiden höheren Altersklassen den Vizemeistertitel geholt – die Jugendklassen kletterten jeweils alle auf der gleichen Route.

Bei den Mädels war der Sieg zwar nicht ganz so deutlich, aber nicht minder verdient: Die alte und neue deutsche Jugendmeisterin Hannah Bähr (Schwäbisch-Gmünd) kletterte souverän und ohne jede sichtbare Mühe bis zum vorletzten Zug und bestätigte einmal mehr ihre Vorreiterstellung in der jüngsten Altersklasse. Auch international hatte die in Innsbruck trainierende Bähr in diesem Jahr bei den European Youth Cups etliche Top-Resultate einfahren können.

Hinter Bähr konnte eine weitere starke Nachwuchskletterin aus dem BaWü-Kader auf sich aufmerksam machen: Sophie Rauberger als neue deutsche Vizemeisterin. Die jüngste Starterin im Feld hätte beinahe für die große Sensation gesorgt – sie fiel nur einen Zug vor Bähr und wäre bei den Juniorinnen mit dieser Höhe sogar Meisterin geworden – und dies in ihrem allerersten Wettkampfjahr! Mit großem Kampfgeist überzeugte sie auch die anwesenden Bundesjugendtrainer, die sich den Namen Rauberger dick auf ihrer Liste potentieller neuer Kaderkandidaten angestrichen haben dürften. Platz drei holte sich Lilli Kiesgen aus Frankfurt, die damit ihr bestes Wettkampfergebnis bislang holte.

 

Die Wupperwände im Ausnahmezustand bei der Deutschen Meisterschaft 2011.

Jugend A: Lina Himpel und Jonas Winter machen das Rennen

Bei der weiblichen A-Jugend gab es im Halbfinale leider nur lange Gesichter: Alle Mädels scheiterten an der gleichen Stelle – einem weiten Zug über eine Dachkante, der von den Routenbauern wie schon im Damenfinale am Tag zuvor eigentlich nicht als echte Schlüsselstelle gedacht war, bei dem sich die Mädels aber unerwartet schwer taten. So durften dann auch fast alle Starterinnen im Finale noch einmal antreten.

Hier lief es dann auf ein Duell zwischen den beiden Jugendnationalkader-Mitgliederinnen Luisa Deubzer und Lina Himpel hinaus, die schließlich beide am gleichen Zug fielen. Da auch das Vorrundenergebnis keine Entscheidung brachte, wurde aufgrund der Platzierung im Jugendcup gewertet: Lina Himpel sicherte sich damit den Titel vor Deubzer. Auch für Himpel wurde damit eine starke Saison belohnt: Sie hatte regelmäßig in den Finals der European Youth Cups gestanden und zum Abschluss dieser Serie in Kranj (SLO) mit Platz 6 ihr bestes internationales Ergebnis bislang erzielt. Platz drei sicherte sich eine ehemalige Jugendkaderkletterin: Ronja Kellner (Freising) konnte sich deutlich vom Rest des Feldes absetzen und komplettierte verdient das Podium.

Bei den A-Jungs gab es gleich im Halbfinale die erste dicke Überraschung: Mitfavorit David Firnenburg verpasste als Siebter den Einzug ins Finale. Nach seinem vorzeitigen Ausscheiden bei den Herren am Vortag war ihm damit leider auch bei der Jugend kein Erfolg zum Saisonabschluss vergönnt. Der Hannoveraner kann nun hoffentlich nach einer langen Wettkampfsaison etwas die Füße hochlegen und im nächsten Jahr mit geballter Kraft wieder neu angreifen.

So durften die anderen Kandidaten den Titel unter sich ausmachen. Und hier überzeugte vor allem einer: Lokalmatador Jonas Winter (Barmen) zeigte im Finale die beeindruckendste Leistung und sicherte sich verdient den Meistertitel unter dem frenetischen Applaus seiner Wuppertaler Fans. In dieser Form ist Winter in jedem Fall ein Kandidat für internationale Einsätze – die Bundesjugendtrainer haben noch vor Ort bereits entsprechend vorgefühlt. Vielleicht mit etwas mehr hatte der zweitplatzierte Chris Hanke gerechnet – er fiel einen Zug unter Winter. Auf den dritten Platz kletterte Sammy Adolph – dann allerdings schon mit zwölf Zügen Abstand.

Junioren: Jan Hojer und Luise Raab werden Meister
Auch die Junioren schafften es schließlich nicht, die Finalrouten des Routenbauertrios top zu klettern. Am nächsten kam dem noch Jan Hojer, der sich in seinem letzten Juniorenjahr noch einmal den Titel sicherte, aber auch knapp unter Top die Reise nach unten antreten musste. Seinem unnachahmlichen Kämpferstil und der „Hojer`schen Schüttel-Windmühle“ hatte an diesem Tag niemand etwas entgegenzusetzen. So war hinter Hojer auch erst einmal 14 Züge Luft, bevor sich der neue Vizemeister Philipp Hans (Schwaben) einreihen durfte. Rang drei ging an seinen Sektionskollegen Simon Bosler.

Bei den Juniorinnen holte ebenfalls eine Hessin den Titel: Luise Raab, die bereits 2007 in der Jugend B deutsche Meisterin geworden war, setzte sich ebenfalls deutlich von ihren Konkurrentinnen ab und gewann hochverdient den Titel. Boulder-Spezialistin Isabell Leiner (Zweibrücken) sicherte sich Platz zwei vor der Siegerin des Juniorencups 2011, Chiara Clostermann (Ringsee)

Starkes Team hinter den Kulissen

Ein ganz besonderer Dank gebührt den Sektionen Wuppertal und Barmen sowie dem Helferteam von der Betreibergesellschaft Climb Inn, die mit perfekter Planung zum reibungslosen Ablauf des Wettkampf maßgeblich beigetragen haben. Den guten Kontakten der Sektionen dürfte es auch zu verdanken gewesen sein, dass sich der Nikolaus auf seinem Weg zu den Haushalten in der Umgebung noch in die Kletterhalle verirrte. Ob sein Bart, der beim Abseilen in den Abseilachter gezogen wurde, dauerhaften Schaden genommen hat, konnte dann leider nicht mehr in Erfahrung gebracht werden…
In jedem Fall sorgten Helfer und Sportler für einen würdigen Rahmen für die wahrscheinlich letzte Deutsche Meisterschaft, denn ab der kommenden Saison werden die Meister wie schon beim Bouldern und Speed ebenfalls über die Gesamtwertung des Sportklettercups ermittelt. Jetzt heißt es für alle Kletterer erst einmal: Hoch die Füße bis zum Saisonstart 2012 auf der Münchner Ispo am letzten Januarwochenende!
Komplette Ergebnisse der DM/ DJJM unter www.digitalrock.de

15.12.2011
Autor: Matthias Keller
© klettern