Boulder-Bundesliga startet (plus Interview)

Boulder-Bundesliga
Foto: Boulder-Bundesliga
Die Boulder-Bundesliga ist gestartet: was das heißt, wie die Boulder-Liga funktioniert und wer sich die Bundesliga ausgedacht hat - hier.

Die Boulder-Bundesliga ist gestartet. Dabei handelt es sich um einen offenen Jedermann-Wettkampf im Bouldern. Die Laufzeit erstreckt sich über das gesamte Jahr in 11 Hallen. Das "Auftaktspiel" findet im Kölner Boulderplanet statt, weiter geht's in der Boulderhalle Climbix Bielefeld.

Im Gegensatz zu den demnächst ihren Höhepunkt findenden HardMoves treten die Boulderer in verschiedenen Leistungsklassen ("Ligen") und in Einzelwertung an. Das Punktesammeln in den verschiedenen teilnehmenden Hallen erstreckt sich über die gesamte Saison.

Folgende Kletter- und Boulderhallen stellen 2016 die Stationen für die Boulder-Bundesliga:

23.1.-6.3. Boulderplanet Köln
13.2.-27.3. Climbix Boulderhalle Bielefeld
19.3.-1.5. Escaladrome Hannover
9.4.-22.5. Flashh Hamburg
7.5.-19.6. Bright Site Berlin
28.5.-10.7. Bloc No Limit Leipzig
25.6.-7.8. Plan B Jena
23.7.-4.9. Cafe Kraft Nürnberg
17.9.-30.10. Dynochrom Frankfurt
15.10.-27.11 Climbmax Stuttgart
Finale 10.12. Mandala Dresden

 

Boulder-Bundesliga
Foto: Boulder-Bundesliga

Boulder-Bundes...Liga?

Innerhalb der Boulder Bundesliga gibt es die Ligen Profi Herren, Profi Damen sowie Amateur Herren und Amateur Damen. Die einzelnen Ligen unterscheiden sich im Schwierigkeitsgrad der Boulder. Zu jeder Station gibt es 15 Boulder je Liga im entsprechenden Schwierigkeitsgrad.
Bei der erstmaligen Teilnahme an der Boulder Bundesliga obliegt die Auswahl der Liga (Profi oder Amateur) dem einzelnen Athleten, wobei nur in einer Liga gestartet werden darf. Die Wahl der Liga ist bis zum Erfassen der ersten Resultate und unter Berücksichtigung der möglich.

In der Amateurliga startberechtigten Athleten ist es freigestellt, zum Saisonende in die Profiliga zu wechseln. Die besten zehn Prozent der Amateurligen steigen im Folgejahr automatische in die Profiliga auf und sind in der Amateurliga nicht startberechtigt (Aufstieg ist zwingend). Die schlechtesten 20 Prozent der Profiliga bekommen im Folgejahr eine Startfreigabe für die Amateurliga (Abstieg ist optional). Die besten 80 Prozent der Profiliga verbleiben im Folgejahr in der Profiliga.

Interview zur Boulder-Bundesliga mit Simon und René

Wie funktioniert die Boulder-Bundesliga, wie die Fußball-Bundesliga?

Nicht ganz ;-) Es gibt Parallelen und Unterschiede. Ein großer Unterschied ist, dass in der Boulder Bundesliga die Sportler nicht im Team antreten. Die Athleten sammeln im Laufe einer Saison – diese besteht aus 11 ”Spieltagen“ – Punkte, indem sie Boulderprobleme lösen. Je Spieltag warten 15 Boulder und es gibt Punkte für einen Flash (1,2) oder das Erreichen des Top- (1,0) bzw. Bonus-Griffs.

Alle Punkte fließen in der Gesamtwertung ein und es ergibt sich die Tabelle. Eine Besonderheit ist die Dauer der Spieltage, die sich in der Boulder Bundesliga jeweils über 6 Wochen erstrecken. Die Sportler haben so genug Zeit, die Austragende Halle des jeweiligen Spieltags innerhalb dieser Dauer zu besuchen und Punkte zu sammeln.

Es gibt eine Amateur- und eine Profi-Klasse - wie verhindert Ihr, dass sich Profis als Amateur anmelden und dort abräumen, Stichwort Fairness? Wer legt fest, wer Profi ist und wer Amateur ist?

Zunächst liegt diese Entscheidung bei den Athleten, die sich selbst einschätzen und ihr Niveau mit den zu erwartenden Schwierigkeitsgraden der Boulder vergleichen. Die Niveaus werden wohl etwa wie folgt sein:
Profi Herren: 6a – 8a
Profi Damen: 5b – 7b
Amateur Herren: 5a – 7a
Amateur Damen: 4c – 6b

Nach der ersten Saison wird erst natürlich eine gewisse ”Aufstiegsquote“ für die vorderen Platzierungen bei den Amateuren geben. Eine Abstiegsquote ist nicht vorgesehen. Wir wollen niemandem verbieten, schwere Boulder zu Bouldern. Also: Abstiegsrecht (für die unteren Platzierungen der Profiligen), Aufstiegspflicht (für die oben Platzierungen der Amateurligen).

Verstehe ich das richtig, um teilzunehmen muss ich übers Jahr 2016 alle Stationen der Boulder-Bundesliga bereisen und ordentlich was wegbouldern, oder?

Völlig richtig. Aber das ist ja in jeder Bundesliga der Fall – egal ob im Profifußball oder im Kegeln. Wenn Bayern München keine Lust hat nach Hamburg zu reisen, weil es so weit weg ist, gehen natürlich die Punkte verloren. Genauso wird es in der Boulder Bundesliga sein. Im Prinzip muss ich alle Stationen bereisen, wobei es ein Streichergebnis gibt.

Hinzukommt, dass die Anzahl der Spieltag mit 11 Stück überschaubar ist. Letztlich haben wir den Spielplan nach einem gewissen Muster erstellt. Aufeinanderfolgende Spieltage (Spielzeiten) überschneiden sich um etwa zwei Wochen und sind geografisch auf der Deutschlandkarte benachbart. Bei gute Planung und unter Berücksichtigung des Streichergebnisses schaffe ich also mit 5 Wochenendtrips (Freitag-Sonntag), bei denen ich jeweils zwei Hallen besuche (z.B. Hamburg, Hannover oder Augsburg, Nürnberg), eine ganze Bundesligasaison. 5 Wochenenden – das sollte machbar sein.

Was ist das Besondere an der Boulder-Bundesliga?

Sie überträgt das Ligakonzept, wie man es von anderen Sportarten kennt, in den Bouldersport. Wir wollen eine solide Basis für den Wettkampfsport im Boulder in Ligaform schaffen. Das Herzstück wird das Ligaportal sein. Und das ist auch die Besonderheit. Es wird dort alles geben, was man sich zu einer echten Liga wünscht. Ausführliche Profile von Athleten, Schraubern und jedem einzelnen Boulder. Das Liga-Taxi und die Boulder-Couch: Quasi eine Mitfahrzentrale und Couchsurfing der Szene. Live-Ergebnisse und vieles mehr.

Gibt es eine Herren und Damen-Wertung, also nach Geschlechtern getrennt?

Genau. Es gibt vier Ligen: Profi Herren, Profi Damen, Amateur Herren, Amateur Damen.

Gibt es ein Forum, wo sich gegebenenfalls Fahrgemeinschaften bilden können und Teilnehmer austauschen?

Es ist noch besser. Wir haben das Liga-Taxi auf unserer Webseite boulder-bundesliga.de. Die Mitfahrzentrale für Boulderer sorgt dafür, dass sich Boulder zusammenschließen und gemeinsam zu den Spieltagen reisen. Es funktioniert quasi wie BlaBla Car und ist auf die Bouldercommunity zugeschnitten.

Ein deutschland-weiter, über das Jahr gehender Jedermann-Wettkampf mit Laufzettel - das erinnert spontan an einen anderen überregionalen Spaßwettkampf. Was unterscheidet Euch von den HardMoves?

Die HardMoves sind ein tolles Konzept, jedoch grundverschieden. Der Wettkampf, der üblicherweise von November bis Anfang März stattfinden, sind eine Art Pokal um im Fussballjargon zu bleiben. Von bis zu 400 Teilnehmern in einer Halle, fliegt der überwiegende Teil in einer Art KO-System raus. Weiter im Wettkampf kommen nur 20, zum Finale nur 6 Athleten. Der Unterschied zwischen Liga und Pokal macht es aus. In der Boulder Bundesliga haben die Athleten ganzjährig den Leistungsvergleich – Spitzen- und Breitensportler, keiner fliegt. Ich bin fest davon überzeugt es muss beides geben: Pokal und Liga.

Wie läuft das ab, gibt's ein Finale? Oder entscheiden nachher einfach die (selbstnotierten?) Punkte?

Es gibt 11 Spieltag zu denen die Athleten ihre Ergebnisse auf Vertrauensbasis im Ligaportal erfassen. Dann wird ein Schlussstrich gezogen. Zum Saisonfinale am 10. Dezember 2016 im Mandala Dresden qualifizieren sich dann eine bestimmte Anzahl. Das Quorum ist noch nicht ganz fix, aber etwa die 20-50 Besten pro Liga. in Dresden wird dann unter den Augen von Schiedsrichtern der Beste der Besten ermittelt und es geht um insgesamt 5.600 Euro Preisgeld.

Wer steht hinter der Boulder-Bundesliga?

Die Bundesliga organisieren wir zu zweit. René und ich, eigentlich sind wir Doktoranden in Physik an der Universität in Jena, hatten die Idee vor etwa 8 Monaten.

Danke Simon und René!

Mehr unter www.boulder-bundesliga.de

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