Roctrip im Zillertal: Zwischen Kuhglocken und Ultimate Route

Vom 23. bis 27. Juli versammelte sich die Weltelite der Kletterer im Zillertal beim Petzl Roctrip. Doch es ging nicht nur um die harten Züge beim Roctrip - auch die Parties waren hart.

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Der Petzl Roctrip hat es wieder geschafft, Kletterer und Rockstars aus aller Welt an geniale Felsen zu locken.

"Ich habe mich noch nie für besonders begabt im Klettern gehalten - ich hatte einfach nur den Willen und die Motivation." Solche und ähnliche Einblicke bekamen die Besucher des Petzl Roctrips im Zillertal. Denn die Rockstars waren alle da, und sie ließen sich über die Schulter gucken. Obiges Zitat stammt von Lisa Rands, die bei einem Vortrag am Donnerstag abend für ihre sensationellen Highball-Begehungen bewundert wurde. Mit der Aussage antwortete sie auf die Frage, was sie der nächsten Kletterergeneration mitgeben wollte. Und sie schloss mit dem sehr richtigen Tipp: "Lass Dir nie und von niemand einreden, dass Du es nicht schaffen kannst." Fesselnd erzählte auch die Grande Dame Lynn Hill, die bewegte Bilder ihrer Nose-Begehung zeigte und die Schlüsselstelle erklärte, sowie erzählte, wie sie ihren ersten Kletter-Worldcup in Nürnberg meisterte. Auch ihre letzten Worte kann man sich getrost hinter die Ohren schreiben: "Nach 33 Jahren Klettern lerne ich immer noch. Wir sollten alle dankbar sein, dass wir die Möglichkeit haben, zu klettern."

 

Said Belhaij klettert ohne große Mühe den Klassiker "Jumping Jack Flash" (7c+) in den Ewigen Jagdgründen.

Steil und matschig

Wohl selten waren soviele hochkarätige Kletterer auf einem Platz: Von Sharma und Graham über Steve McClure und Lynn Hill bis zu Charlotte Durif war das gesamte Petzl-Team versammelt, und viele weitere Topkletterer waren der Einladung zum Roctrip gefolgt. Erstmals waren auch die iranischen Kletterer Artimes Farshad Yeganeh und Gholamali Barat Zadeh in Europa und haben direkt mal ein paar Boulder abgewertet. Der Roctrip litt ein wenig unter dem Wetter der vergangenen Wochen, viele der "Ultimate" Routen waren schlichtweg noch nass. Den Weg zum Klettergebiet "Bergstation" erklommen nur die Hochmotivierten - ein langer Zustieg über einen steilen und matschigen Pfad sortierte diese vom Rest. Doch die Motivation der meisten Athleten erstreckte sich über den Sport am Fels hinaus bis in die gemütlichen Abende am Waldfestplatz von Mayrhofen, wo alte und neue Geschichten ausgetauscht wurden und die bekannteren, vor allem Chris Sharma und Dave Graham, geduldig ihre Namen auf diverse Poster, Topos und T-Shirts von Bewunderern schrieben.

 

Dave Graham, Kilian Fischhuber und Barbara Zangerl treffen sich im Wald - sofort werden Tipps ausgetauscht.

Wo sind die Stars?

Der Roctrip fand auf mehreren Schauplätzen statt, drei Klettergebiete und drei Bouldergebiete standen zur Auswahl. So war es nicht leicht, mal eben einem Chris Sharma zuzusehen, denn erst einmal musste man wissen, wo der sich gerade aufhielt. Hatte man einen Kletterstar gefunden, musste man ihm auf den Fersen bleiben: Kamen drei weitere um die Ecke, konnte es gut sein, dass sie gemeinsam weiterzogen, weil ein Griff noch nass war, oder ein neuer Boulder wartete. Doch Nachwuchstalent und Local Alfons Dornauer hätte sich auch ein bisschen mehr Motivation gewünscht: "Die hätten sich schon ein bisschen mehr anstrengen können, die haben ja kaum was geklettert", erklärt er leicht enttäuscht.


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