Mirit Heyden bouldert 8B/+ (Interview)

Mile Mirit Heyden Feuerwalze 8B/+
Foto: Matti Staniek
Mirit 'Mile' Heyden hat die 'Feuerwalze' klettern können. Mile im Interview.

Ende März konnte die 27-jährige Mirit "Mile" Heyden die Bouldertraverse Feuerwalze auf der Schwäbischen Alb klettern. Damit gehört sie zu den wenigen deutschen Kletterinnen, die diesen Schwierigkeitsgrad bouldern konnten. Dabei scheinen die Boulderladies aus dem Schwabenland ganz gut unterwegs zu sein, mit Kaddi Lehmann konnte bereits eine Kletterin aus dem "Ländle" den Grad 8B bezwingen.

Mehr zur 'Feuerwalze': Jochen Perschmanns Begehung (2009)

Wir haben Mile ein paar Fragen gestellt.

Mirit oder Mile? Und wie kam es zu dem Spitznamen?

Unter Mirit kennt mich in der Kletterwelt lustigerweise kaum jemand, dabei mag ich meinen richtigen Namen eigentlich. Ich hab den Spitznamen schon ewig; als mein kleiner Bruder meinen Namen noch nicht aussprechen konnte, da war ich immer nur Mi und dann kam halt, wie im Schwabenland so üblich, das -le noch dran (lacht). Dann war ich schnell Mile der Trockner oder die Waschmaschine und ich glaub das konnten sich die Leute einfach besser merken als Mirit.

 

Mile Mirit Heyden Feuerwalze 8B/+
Foto: Matti Staniek Miles Freudensprung nach dem Durchstieg.

Woher kommst du, wie alt bist du, wie und wann bist du zum Klettern gekommen?

Ich komme ursprünglich aus Neckartenzlingen und wohne jetzt aber in Metzingen, wo ich zusammen mit Matti und unserem Hund Fai wohne. Ich bin 27 und habe auch erst spät "richtig" mit dem Klettern angefangen, so mit 17, 18. Zum Klettern bin ich auch über meinen kleinen Bruder David gekommen. Er wollte das mal testen und dann haben uns meine Eltern einen Kurs geschenkt; da war ich vielleicht 12. Mir hat es sofort Spaß gemacht und habe auch sporadisch immer weiter geklettert. Ich war aber damals total im Voltigier-Fieber und hatte das als Hauptsport betrieben. War bestimmt auch nicht schlecht für das Klettern, ist ja letztlich Turnen auf einem Pferd.

Wie bist du so höllisch stark geworden? Wie trainierst du?

Eigentlich fühle ich mich gar nicht so stark. Ich sehen immer nur die starken Jungs und versuche irgendwie mithalten zu können...
Ich habe allerdings auch die besten Trainingsmöglichkeiten, die man sich nur vorstellen kann! Ich trainiere in Reutlingen und dort haben wir das "Räumle" und eine tolle Kletterhalle. Das Räumle ist eine Schmiede für starke Leute (grinst). Es ist die erste Boulderhalle Deutschlands und damit schon recht alt. Dort wird nicht nach Farbe geschraubt, das heißt wir haben jede Woche neue tolle Boulder, die wir uns definieren. Außerdem sind viele der Griffe schon recht alt und glatt, dadurch bekommt man starke Finger weil man da ganz schön zupacken muss (lacht). Ich trainiere dort einmal die Woche mit meinen starken Mädels. Außerdem kann ich dort auch schrauben was ich will und schraube oft meine Projekte vom Fels nach, wie auch die Feuerwalze.
Und natürlich habe ich den besten Trainer mit Matti. Er trainiert neben der Leistungsgruppe Reutlingen auch mich. Ich bin oft mal unmotiviert daheim am Campusboard was zu machen und Matti aber nie (lacht) Er zeigt mir immer wieder neue Übungen die ich dann testen darf...
Ich trainiere auf jeden Fall zwei mal die Woche und versuche schon spezifisch zu trainieren. Manchmal ist man aber einfach müde oder nicht gut drauf dann bouldere ich einfach im Räumle. Es ist wichtig immer Spaß dabei zu haben, wenn man sich zu etwas zwingen muss bringt es auch nichts. Sonst mache ich daheim noch was am Beastmaker oder Campusboard, was wir zum Glück beides haben. Ab einem gewissen Grad ist es einfach wichtig, spezifisch zu trainieren.

 

Mile Mirit Heyden Feuerwalze 8B/+
Foto: Matti Staniek Mile findet ihre eigene Lösung für die weiten Züge.

Wie lang hast du die Feuerwalze projektiert?

Ich war da jetzt so zwei Jahre dran. Am Anfang immer nur sehr sporadisch, alle zwei Monate vielleicht. Erst nachdem ich die Züge mal einigermaßen konnte, so nach circa nach einem Jahr, habe ich dann versucht öfters hinzugehen. Aber – wie es beim Bouldern hier so ist – natürlich immer nur im Winter, da es im Sommer viel zu warm ist. Und jetzt seit Anfang des Jahres war ich öfters, weil das Wetter einfach auch passte und ich es endlich machen wollte. Ich denke das waren vielleicht so 20-25 Sessions.

Auf Facebook hast du geschrieben, dass du lange nicht geglaubt hast, dass die 'Walze' für dich möglich ist – heißt dass, dass du den Boulder eher als Trainingsprojekt gesehen hast?

Ja, ich wollte das eigentlich nur als Training, weil ich einfach viel lieber draußen bin als in einer Halle. Also suche ich mir gerne solche Trainingsboulder. Nachdem ich dann auch keinen einzigen Zug des ersten Teils am Anfang konnte, hatte ich eigentlich überhaupt nicht daran gedacht den Boulder mal zu schaffen.

Wann hast Du angefangen, an einen möglichen Erfolg zu glauben?

Als ich dann wirklich vor einem Jahr die Züge einigermaßen hinbekommen habe, wusste ich: Es könnte möglich sein. Mir war aber auch klar, dass es noch sehr viel Arbeit sein würde, vor allem an der Maximalkraftausdauer. Im Januar dieses Jahr bin ich dann zum ersten Mal über den ersten Teil hinausgeklettert und da war es mir dann erst so richtig klar, dass es gehen könnte (großes Grinsen).

Die Feuerwalze hat recht weite Züge. Du bist ja keine Riesin, wie hast du deine Beta rausgefunden?

Stimmt, ich bin 1,60 Meter groß. Also habe ich einfach viel ausprobiert und immer wieder was Neues rausgefunden, wie ich meinen Körper besser positioniere. Das ist das Schöne am Projektieren, man lernt echt viel und die Kreativität ist gefordert. Normalerweise halte ich immer irgendwelche kleine Sachen als Zwischengriff, aber das ging bei dem Boulder nicht. Da gab es einfach nichts!
Die ersten Züge sind wirklich richtig weit, gefühlt bin ich öfter recht knapp mit der Nase an der Wand entlang (grinst). Ich konnte auch nicht so starten wie die Jungs, weil ich gar nicht an deren Griff vom Boden aus rangekommen bin. Für die Lösung der Jungs für den schwersten Zug (in einen Untergriff greifen und das Ganze auflösen) war ich auch etwas zu kurz; ich musste den Toehook lösen, und dann den Schwung mit kleinen Griffen abbremsen...

Was war der Schlüssel zum Erfolg?

Nicht aufgeben! Und das war gar nicht so einfach bei diesem langen Zeitraum. Hätte es jetzt nicht irgendwann geklappt, hätte ich vielleicht wirklich aufgegeben. Mental ist das schon ganz schön anstrengend. Immer wieder hingehen und dann versagen. Da muss man sich einfach an den kleinen Fortschritten freuen, aber irgendwann spielt der Kopf nicht mehr mit.

Was motiviert dich beim Klettern?

Mich motivieren tolle und abgefahrene Bewegungen. Ich finde Boulder spannend, bei denen die Lösung nicht gleich offensichtlich ist. Mich kann aber auch eine schöne Kulisse motivieren. Vor einer beeindruckenden Landschaft bouldert es sich viel entspannter. Außerdem motivieren mich andere motivierte Leute!

 

Mile Mirit Heyden Feuerwalze 8B/+ Portrait
Foto: Matti Staniek Mirit 'Mile' Heyden.

Kletterst du auch mal mit Seil?

Hm, das ist eigentlich nicht so meins, ich bin kein Ausdauertyp und außerdem gehe ich da nie an meine Grenzen weil das Fliegen mich abschreckt (grinst). Ich denke, ich werde jetzt aber wieder mehr am Seil unterwegs sein.

Du schraubst auch Boulder - was ist dir beim Schrauben wichtig?

Ja, ich schraube auch. Dabei lasse ich mich gern von Felsbouldern inspirieren. Die Natur ist einfach am kreativsten! Wichtig ist für mich auf jeden Fall, dass die Schwierigkeit nicht an der Länge eines Zuges liegt. Ich will, dass alle Spaß daran haben, auch eben die Kleinen! Das ist ja oft ein Problem, weil die meisten Schrauber Jungs sind. Das Schöne an unserem Sport ist ja gerade, dass Jungs und Mädels gemeinsam stark sein können. Dennoch hat jedes Geschlecht seine Vor-und Nachteile und da es meist nur männliche Schrauber gibt, finde ich, dass die Vorteile der Mädels oft zu kurz kommen. Also Mädels, traut euch, wir können das auch!

Was sind deine nächsten Pläne?

Jetzt gehe ich erst mal ein bisschen ans Seil und versuche da besser zu werden (grinst).

Was machst du, wenn du gerade nicht kletterst (oder schraubst)?

Ich mache noch gerne Yoga, backe Kuchen, arbeite in der Kletterhalle Reutlingen und studiere Geoökologie.

Deine Lieblingsmusik?

Ich mag eher chillige Musik. Ich mache auch zu Tracy Chapman Campustraining (grinst). Auf der Playlist sind gerade Angus und Julia, Dikanda oder Eddie Vedder.

Dein Lieblingsgericht?

Lasagne von meiner Mama und Marmorkuchen von meiner Oma

Kaffee oder Tee?

Natürlich Kaffee!

Hund oder Katze?

Hund, ich hab den süßesten Hund überhaupt! Sie ist mein treuer Schatten, der mir auf Schritt und Tritt folgt.

Bier oder Wein?

Bier, aber nur im Sommer. Im Winter ist es zu kalt, um aus dem Schlafsack zu müssen.

Vielen Dank, Mile!

Mehr:

Fotostrecke: Besser Bouldern: 10 Tipps

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Katrin Kaddi Lehmann bouldern in Rocklands Foto: Marinus Coetzee
Katrin Kaddi Lehmann bouldern in Rocklands Foto: Marinus Coetzee
Katrin Kaddi Lehmann bouldern in Grampians Foto: Glen Maddox

Fotostrecke: Bilder: Klettergebiete in D / A / CH

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Klettern im Zillertal, Österreich Foto: Markus Schwaiger
Klettern im Zillertal, Österreich Foto: Markus Schwaiger
Klettern im Zillertal, Tirol Foto: Markus Schwaiger