Kaddi Lehmann bouldert 8b (+ Interview)

Kaddi Lehmann bouldert Fragile Steps 8b
Foto: Scott Noy
Anfang Oktober konnte Katrin "Kaddi" Lehmann ihren ersten 8b-Boulder klettern. Wir haben sie dazu befragt; und wie sie als 1,60m-Frau mit Längenzügen umgeht.

Kaddi, Du hast mit Fragile Steps Deinen ersten 8b-Boulder geklettert. Wie ist es dazu gekommen?

Fragile Steps war einer der trockenen Boulder, als wir an einem regnerischen Tag in den Rocklands oben am Fortress waren. Ich habe den Boulder einfach mal probiert und die Einzelzüge klappten erstaunlich gut. Ich fühlte mich aber weit davon entfernt das Ding am Stück zu klettern.

Am Anfang war ich nicht sicher, ob ich mich wirklich für dieses Projekt entscheiden und mich so darauf konzentrieren soll. Es gibt ja noch so viele andere tolle Boulder in den Rocklands zu denen ich dann Nein sagen musste. Ich fand dann aber die Herausforderung spannend - mal etwas sehr Schweres zu probieren und zu sehen wie es ist, wenn ich mal länger an etwas dranbleibe.

Die Einzelzüge an den kleinen Zangen im Dach waren für mich sehr maximalkräftig, klappten aber fast immer. Ich konnte den Boulder schon sehr bald in zwei überschneidenden Teilen klettern. Für den Durchstieg musste aber alles sehr genau passen.

Mit den Bedingungen war es nicht so leicht. Die Bouldersaison in Südafrika war eigentlich schon vorbei und weil es sehr warm war, habe ich immer gehofft, dass es viel Wind gibt, oder dass mal ein kühler Tag kommt.

Es war ein sehr spannender Prozess für mich und ich habe dabei viel gelernt. Wenn es mal einen Tag nicht so gut lief, habe ich trotzdem viel Positives gesehen - wenn man etwas nicht schafft und man es trotzdem probiert, macht es einen stärker. Ich musste wirklich wollen und daran glauben, dass ich es schaffen kann, durfte aber nicht erwarten, dass es einfach klappt.

Einmal bin ich sogar nach der schweren Passage gefallen - da hatte ich am Anfang zu viel Kraft liegen lassen und war überrascht, dass ich so weit gekommen war. Aber dann wusste ich wirklich, dass ich diesen Boulder klettern kann.

Als ich Fragile Steps dann klettern konnte, lief wirklich alles perfekt. An diesem Tag kam ich schon in den ersten beiden Versuchen sehr weit. Ich war wirklich im Flow, ohne Gedanken an gescheiterte Versuche und ohne zu hohe Erwartungen. Ich habe alles gegeben und war sehr happy. Den Moment konnte ich sehr genießen und es hat mir gezeigt: Wenn ich etwas wirklich will, kann ich es schaffen.

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Hast Du lang daran gearbeitet?

Fragile Steps habe ich im Vergleich zu anderen Bouldern am längsten probiert und ich habe mich sehr auf diesen einen Boulder konzentriert.

Was an dem Boulder ist Dir besonders „reingelaufen"?

Die kleinen Zangengriffe Halten klappte ganz gut, und: Heelhooks. Fragile Steps ist ein Dach mit 12 Zügen wo man viel Körperspannung braucht; und die hab ich eigentlich schon. Am schwersten fand ich es trotzdem, die Füße umzustellen. Der Name Fragile Steps ist deshalb ganz passend, finde ich.

Soweit mir bekannt, bist Du eher Boulderin als Kletterin. Warum?

Ja, ich bin eher Boulderin. Am liebsten mag ich dabei intensive Züge. Man ist so beschäftigt, dass nur der eine Moment zählt. Toll find ich auch das Puzzle-lösen; kein Boulder, kein Zug ist wie der andere. Und Bouldern ist spitze, weil man das mit Freunden zusammen draußen machen kann. Am liebsten mag ich Sandstein und ob Dach oder Platte ist egal. Ich mag die Abwechslung.

Mit 160 cm Körpergröße gehörst Du nicht zu den größten Kletterern. Trotzdem habe ich dich noch nie über einen Längenzug klagen hören. Wie kommt das?

Ich mag die Herausforderung und schaffe es meistens etwas Positives in einem Kletterzug oder einer Kletterstelle zu sehen, die ich nicht oder nicht auf Anhieb schaffe. Man hat die Chance etwas zu lernen oder zu trainieren. Klar, manche extrem körpergrößenabhängige Kletterzüge werde ich vielleicht nie schaffen, und dann bin ich ein bisschen traurig wenn ich einen wirklich tollen Boulder wegen einem weiten Zug nicht klettern kann. Dann gehe ich eben zum nächsten Boulder. Zum Glück gibt es genügend andere schöne Sachen.

Wie ist denn Dein Affenfaktor?



Meine Armlänge ist weniger als meine Körpergröße. Ich bin 1,60m groß und habe ein paar weniger Zentimeter Armspannweite: Mein Affenfaktor ist also Minus...

Was ist Deiner Meinung das Wichtigste, um schwer zu klettern?

Motivation.

Welches ist Dein Lieblingsgebiet?

Fontainebleau ist mein Lieblingsgebiet und meine Lieblingskletterschule. Hier lerne ich immer etwas dazu.

Wohin geht der nächste Klettertrip?

Nach Fontainebleau oder gerne in ein Gebiet, in dem ich noch nie war.

Was machst Du, wenn Du nicht kletterst?

Wahrscheinlich bin ich dann auf dem Weg in ein Klettergebiet (lacht), gebe Kletterkurse oder schraube Boulder. Ich gehe öfters Laufen und dehne mich zur Entspannung. Ich koche auch ganz gerne, besuche meine Brüder und meine Eltern und spiele gerne mit meiner kleinem Nichte.

Worauf bist Du besonders stolz?

Dass ich mich über kleine Dinge im Leben freuen kann. Mich kann man leicht glücklich machen. Beim Klettern bin ich stolz darauf, wenn ich Boulder schaffe, die mir nicht so gut liegen oder wenn ich etwas klettere, das für mich nicht nur körperlich sondern auch mental sehr anspruchsvoll war.

Ich werde nie vergessen, als ich vor ein paar Jahren alle 62 Boulder des roten Parcours in Franchard Isatis in Fontainebleau an einem Tag klettern konnte. Es gibt in Fontainebleau ja meistens Parcourboulder, die einem nicht so liegen und damals war das für mich sehr anspruchsvoll.

Worauf bist Du am wenigsten stolz?

Ich bin leider mal über einen Igel gefahren, weil ich ihn zu spät gesehen habe.

Dein Lieblingsessen?

Wahrscheinlich Tomaten-Mozzarella-Salat - und: Schokolade geht immer.

Was braucht die Welt?

Weniger Urteile, mehr Akzeptanz für Leute, die anders sind. Und mehr schöne Boulder sind immer gut (lacht).

Was braucht die Welt nicht?

Zecken.

Deine Lieblingsmusik?

Das kommt sehr auf die Stimmung an. Zum Feiern gehen und Tanzen gehen mag ich Drum & Bass und Elektro. Ansonsten höre ich gerne Thievery Corporation, Reggae, ab und zu Hip Hop, manche lustige Oldies und Swing - gute Laune Musik.

Und sonst?

Ich bin super dankbar für die tolle Unterstützung in den Rocklands von meinem Freund Scott Noy, Bruder Christi und Esther, Andreas Kunert, Alex Bester, Martin Kälble, Fred Nicole und Mary. Die waren wichtig, einfach dabei für gute Laune, Motivation und Klettermut. Und vielen Dank an Black Diamond für die Unterstützung.

Danke Kaddi!

Mehr:

Fotostrecke: Besser Bouldern: 10 Tipps

11 Bilder
Katrin Kaddi Lehmann bouldern in Rocklands Foto: Marinus Coetzee
Katrin Kaddi Lehmann bouldern in Rocklands Foto: Marinus Coetzee
Katrin Kaddi Lehmann bouldern in Grampians Foto: Glen Maddox