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Erstbegehung: Toni Lamprecht knackt Boulderprojekt in Kochel
Der "Stier von Kochel" ist zurück. Toni Lamprecht berichtet von seinem neuen Boulder an der Atlantiswand: "Assassin, Monkey and Man" (8c).
Eine heiße Affäre findet ihr Ende: Toni Lamprecht begeht "Asassin, Monkey and Man".
Foto: Udo Neumann
Dies ist die Geschichte einer nahezu romantischen Beziehung zwischen einem auf den ersten Blick nicht unbedingt ästhetisch anmutenden Stück Fels und seinem in die Jahre kommenden Erschließer. Nach einer fast zwei Jahre andauernden Boulderpause bin ich zurückgekehrt. Zunächst hatte ich die fraglichen acht Meter im heimischen Kalk nicht wahrgenommen, doch dann - 1000mal berührt - flammt die jahrzehntelange Liason zwischen der Atlantiswand und mir wieder auf...
Als der neue Ausstieg (There's something in my bedroom) Ende Januar gefallen ist, und ich den Absprung in den sicheren Tod durch Plateau-Bauten entschärft hatte, macht ich mich unerschrocken über den um sechs Züge erweiterten Startboulder her. Zug um Zug wird dieser zur wochenlangen Geduldsprobe. Drei Monate und 36 Klettertage später ist dann eine der längsten Begehungszeiten der Kochler Bouldergeschichte zu sehen: Nachdem der „Assassin" eines Abends alleine ist, wird er von mir in einem dramatischen Showdown besiegt.
Der Stier, die Stadt, seine Liebste und ihr Name: Toni in seiner neuen Linie.
Foto: Udo Neumann
Das Ende der vertretbaren Boulderhöhe
Assassin, monkey and man ist ein acht Meter langer, bedrohlich wirkender Schiffsbug über einem großen Staubplateau mitten in der abgespeckten Kochler Boulderwelt Atlantis, der das ganze Repertoire moderner Boulderkunst abruft: vom blind ausgeführten Dyno über wildes Gepatsche bis zu feinfühligen Toe- und Heel-Hook – hier wird alles gefordert. Nachdem der Einstieg über die leichtere Eulenvariante des Antonators überwunden ist, warten sieben harte Züge im Mittelteil. Auf Höhe der Schlüsselstelle des klassischen Antonators folgt man der Linie entlang dem Schiffbug, und erreicht schließlich nach weiteren zwölf weiten Zügen das Ende der vertretbaren Boulderhöhe: einen Henkel links im Riss. 25 Züge kombinieren so einen komplexen 8b+ bloc-Boulder mit einem highballartigen Fb 8a+ Bloc-Ausstieg zum ultimativen Pressfestival, welches eine lilablassblaue Gesichtsfarbe garantiert.
"Der erste 8c+ Boulder in Kochel"? Nun, eigentlich sollte das Ding gar nicht bewertet werden, sondern einfach nur mit „abgefahren", „bouldernswert" oder „unbedingt zu probieren" tituliert werden, wie es im Kochler Boulderführer sowieso der Fall ist. Doch alle Koketterie beiseite, der Boulder ist schwer. Der erste Vorschlag lautet: „Hart 8c"! Und die Zukunft wird zeigen, ob dies stimmt.
Entdeckt wurde die komplette Linie übrigens schon 2006, während einer
Bouldersession mit einem der größten Boulderer Deutschlands. Die komplette Linie verblasste zunächst zugunsten des Teilstücks Bokassa's Fridge – benannt nach einer Starnberger Indy-Band. Deren zweiter Veröffentlichung ist dann auch der komplette Bouldername angelehnt.
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