Ellbogen-Probleme durch instabiles Schultergelenk

Shauna Coxsey Bouldertraining Climbing Hangar
Foto: Red Bull Content Pool | Lukasz Warzecha
Viele Kletterer leiden unter Ellbogenproblemen - diese können anscheinend von einem instabilen Schultergelenk verursacht werden. Zusammenhänge und Gegenmaßnahmen.

Der Physiotherapeut und Trainer Bernd Bachfischer (www.kletterathletik.de) hat mit Hilfe des Kraftanalyse-Geräts Kraftolizer Indizien dafür gefunden, dass Ellbogenbeschwerden (zum Beispiel Epikondylitis) wohl von einer instabilen Schulter befördert werden können.

So schreibt er auf Facebook:

"Da im Klettersport Überlastungssyndrome in den Bereichen Ellbogen, Hand und Finger sehr häufig vorkommen und wir gleichzeitig sehr viele Schulterinstabilitäten bei Kletterern und Boulderern feststellen, haben wir überprüft, ob es hier einen kausalen Zusammenhang gibt.

Mit dem Kraftolizer als Mess-Station für die funktionelle Zugbelastung im Arm und dem EMG-Messgerät von NeuroTrac haben wir die Veränderungen von Leistung und Belastung im Ellbogen im Vergleich einer stabilisierten und nicht stabilisierten Schulter gemessen.

Diese ersten Werte waren sehr aussagekräftig und bestätigen uns im strategischen Therapie- und Trainingsverlauf, bei Überlastungsproblemen im Ellbogen die Schulter funktionell als Teil der bestehenden kinetischen Kette mit einzubeziehen."

So stellte er fest, dass eine instabile Schulter für rund 41 Prozent höhere Belastung auf den Muskelansätzen am Ellbogen sorgt. Das heißt auf deutsch: Eine stabile Schulter ist also sinnvoll, um Ellbogenprobleme zu vermeiden.

 

instabile Schulter Last auf Ellbogen Grafik
Foto: Bernd Bachfischer Die Datenlage nach Athletiktrainer Bernd Bachfischer.

Wie entsteht eine instabile Schulter?

Instabilitäten entstehen in erster Linie durch unausgewogenes Training. Wer ausschließlich klettert und kaum Ausgleichstraining macht, riskiert eher, von einer muskulären Dysbalance betroffen zu sein - im Schulterbereich ist es oft die Rotatorenmanschette, deren Schwäche dazu führt, dass das Gelenk nicht mehr zentriert und stabil ist.

Aber auch zu wenig Beweglichkeit in der Schultermuskulatur und der Brustwirbelsäule können dazu führen, dass das Schultergelenk überstrapaziert wird: Denn beim Klettern fordern wir der Schulter sehr viel Bewegung ab, und wenn die umliegenden Strukturen fest sind (Hallo Kletterer-Buckel), dann muss das Gelenk um so mehr leisten.

Manche Menschen verfügen über sehr weiches Bindegewebe, bei denen können Instabilitäten schnell auftreten.

Woher weiß ich, ob meine Schulter instabil ist?

Der Physiotherapeut Jens Schaldt aus Stuttgart empfiehlt, Fachpersonal aufzusuchen. "Es gibt Sportler, die ein gutes Körpergefühl haben; die können bemerken, wenn der Kopf des Oberarmknochens nicht zentriert ist – doch das sind wenige. Ein Sporttherapeut, Trainer oder Physiotherapeut kann die Situation der Schulter besser einschätzen."

Was kann man bei instabiler Schulter tun?

Die wichtigsten Tipps zur Vermeidung einer instabilen Schulter (und damit zusammenhängenden Ellbogenproblemen) sind:

  • Ausgleichstraining

Die Muskulatur sollte ausgewogen gestärkt werden. Oftmals hilft das Training der Rotatorenmanschette (siehe diese Übung hier).

  • Schultermuskulatur und Brustwirbelsäule beweglich halten

Kletterer neigen zu ausgeprägter und fester Muskulatur, mit Dehnen und aktiven Beweglichkeitsübungen lässt sich dem entgegenwirken.

In jedem Fall lohnt also bei Ellbogen-Beschwerden ein Blick auf die Schultermotorik, Brustwirbelsäule und Nacken, die als an den Arm angrenzende Gliedmaßen recht viel Einfluss haben können.

Video: Übungen für stabile Kletterschultern

Hier zeigt die vormalige Wettkampfkletterin Laurence Guyon einige Theraband-Übungen, die für Kletterer sinnvoll sein können. Sie schafft es ganz gut, beim Schwerklettern gesund zu bleiben: Mit 46 Jahren hat sie im Sommer 2016 noch in Bürs 8c geklettert.




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Übungen gegen Nackenschmerzen vom Sichern Foto: Ralph Stöhr
Übungen gegen Nackenschmerzen vom Sichern Foto: Ralph Stöhr
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