Kletter-Verletzungen & Prävention Wie erkennt und behandelt man Verletzungen und Überlastungsschäden? Und wie vermeidet man sie? mehr ...
Bernd Zangerls neues Testpiece
Bernd Zangerls neuester Boulder Anam Cara ist ein Highlight. Alles über das Boulderproblem, Bernds Meinung zu Latex und die Gefahr von Öl an den falschen Stellen lest ihr hier.
Bernd Zangerl, Ausnahmeboulderer aus Tirol und vielen bekannt aus dem Video Memento, hat im Oktober 2007 ein neues Testpiece in der Silvretta geklettert: Anam Cara. Um das Problem zu meistern, müssen laut Bernd recht brutale Züge bewältigt werden. "Nach eineinhalb Jahren mit Verletzungen - Ringbandriss, Seitenbandriss, Kapselverletzungen - musste ich mich langsam wieder an kleine Leisten gewöhnen."
Einige von Bernds Boulderproblemen, Frontline (8b) in Chironico, Geckos (8a) in Cresciano und Tintenfischalarm (8b/+) waren für Bernd "kleine persönliche Highlights, bei denen sich die Crux auf einen schweren Einzelzug reduzieren lässt". Seit dem letzten Sommer ist Bernd nun verletzungsfrei und so begann er, Anam Cara zu bearbeiten. "Nach den Verletzungen hatte ich da schon Respekt. Ich habe nur probiert, wenn ich mich wirklich topfit gefühlt habe."
Keine schlechte Idee, wenn man Bernds Beschreibung von Anam Cara hört: "Der Boulder startet gleich mit einem schwierigen Längenzug in die erste kleine Leiste. Angesichts des einzigen Schmiertrittes im Überhang hat mich dieser Zug oft zur Verzweiflung gebracht. Bekommt man die Leiste dann zu fassen, muss man mit rechts über dem Kopf in einen Untergriff, in den sich drei Fingerspitzen hineinkrallen können. Total überstreckt müssen dann die Füße im Dach platziert werden. Spannung aufbauen, zuschrauben... (hoffen, dass das Ringband hält) und mit links an einen Zwischengriff... und sofort weiterspringen an die Dachkante. Danach folgen noch vier leichte Züge zum Gipfel".
Zu finden ist das 30° steile Dach im Bouldergebiet Silvretta. Neben Fingerkraft braucht man bei diesem Problem auch ordentlich Torsokraft, und ein wenig Sadomasochismus schadet laut Bernd auch nicht.
„Anam Cara ist etwas Besonderes für mich. Die Linie ist ein Traum. So logisch, so klar, so kompromisslos. Es gibt nur eine Lösung. Ich kann den Boulder auch nicht mit Memento (8c+) vergleichen. Hier ist jeder Zug schwer und das Übersetzen des Untergriffs war das brutalste, was ich je gemacht habe.
Aber vielleicht leide ich ja schon an Alterserscheinungen... oder hatte zuviel Respekt vor diesem Untergriff. Für mich ist Anam Cara ein Highlight meiner bisherigen Kletterlaufbahn und ich finde es ist ein Traum, so etwas klettern zu können“, so Zangerl.
Kings of Sonlerto
Im Dezember holte sich Bernd dann noch die erste latexfreie Begehung von
Kings of Sonlerto (8b+). Während Dave Graham den Boulder noch mit einem Gummiknieklemmer überlistet, wählt Bernd den harten Weg. Das mit dem Latexüberzug fürs Knie war Bernd nicht geheuer: "Hoffentlich werden Gummiüberzüge NIE als gängiges Boulderutensil anerkannt!!!"
Also musste er eine neue Lösung finden. Die ist laut Bernd etwas schwieriger, dafür aber schöner zu klettern. Da die Crux nur aus zwei schweren Zügen besteht, glaubt er nicht, dass das Problem mit 8b+ zu bewerten ist. "Aber vielleicht hatte ich ja einfach einen guten Tag?"
„In Zukunft könnte Kings of Sonlerto aber doch noch schwieriger werden", warnt Zangerl. "Seit dem Video Dosage 4 kommen viele Leute nach Sonlerto. Der Block steht auf Privatgrund und einige Boulderer zeigen wenig Respekt dafür. Immer wieder wird die Weidewiese kurzerhand als Tummelplatz genutzt und es wurden Steine in der Wiese platziert. Davon ist der Besitzer nicht sehr begeistert. Er hat bereits gedroht, den Boulder mit Öl einzulassen.
Erst als ich mit dem Besitzer geredet habe und die Steine aus der Wiese entfernt habe, durfte ich dann doch noch den wunderschönen Boulder probieren. Deshalb an dieser Stelle ein Aufruf:
Bleibt im Frühjahr von Sonlerto fern!!! Der Besitzer ist echt verärgert und es ist letztes Frühjahr fast zu Handgreiflichkeiten gekommen. Die Wiesen sind, wie gesagt: Weidegrund!!! Wer, so wie ich, nicht die Finger davon lassen kann, kann es ja im nächsten Winter probieren. Und den Bauern vorher um Erlaubnis fragen.“
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