Walter Bonatti (geb. 22. Juni 1930) ist tot

Am 13. September ist der italienische Alpinist Walter Bonatti im Alter von 81 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Bonatti gehörte zu den besten und bekanntesten Alpinisten des 20. Jahrhunderts.

 

Walter Bonatti 2010
Foto: Volker Leuchsner Walter Bonatti bei der Verleihung des Piolet d'Or an Reinhold Messner 2010.

Mit Walter Bonatti verliert die Bergsteigerszene einen ihrer ganz Großen: Der Bonatti-Pfeiler an der Drus, die Capucin-Ostwand, die Zinnen-Nordwände im Winter, der Grand Pilier d‘Angle am Montblanc, das Drama am Freney-Pfeiler, die italienische Expedition zum K2 – doch das ist nur ein kleiner Ausschnitt der Abenteuer und Erstbegehungen, bei denen Bonatti eine führende Rolle gespielt hat.

Eines der ersten Bergbücher, die ich las, war Bonattis „Berge, meine Berge“. Was für eine Tour de Force. Geschrieben von einem Mann, der die Berge liebte, der die Herausforderung suchte, der ein sehr guter Bergsteiger war und ein noch besserer werden wollte.

Walter Bonatti war ein Senkrechtstarter. 1948 kletterte er zum ersten Mal – die erste Mehrseilllängeroute gleich im Vorstieg. Ein Jahr später, nach der Bergsaison 1949, hatte er bereits die Badile-Nordostwand, die Westwand der Aiguille de Peuterey und den Walkerpfeiler an der Grandes Jorasses durchstiegen, die damals alle noch zu den schwierigsten Routen der Alpen zählten.

Doch Bonatti begnügte sich nicht damit, Routen zu wiederholen. Er suchte Neuland und fand es in den Dolomiten, im Montblanc-Gebiet, den Anden, dem Himalaya. Seine bekannteste Erstbegehung wurde der Südwestpfeiler des Petit Dru über Chamonix. Am 17. August 1955 stieg Bonatti nach zwei vorherigen Versuchen mit verschiedenen Partnern schließlich alleine ein und kämpfte sich sechs Tage lang im Alleingang durch die rund 1000 Meter hohe Wand. Es war eine unglaubliche Leistung, die Bonatti in der Bergsteigerszene ganz nach oben katapultierte.

Bonatti äußerte sich aber auch kritisch zur Entwicklung des Alpinismus. Er suchte am Berg das Abenteuer und die Schönheit, und lehnte ein Übermaß an technischen Hilfsmitteln vehement ab, insbesondere die damals aufkommenden Expansionsbohrhaken, mit denen „unkletterbare“ Passagen technisch überwunden werden konnten.
Mit der ersten Winterbegehung der Matterhorn-Nordwand 1965 verabschiedete sich Walter Bonatti weitgehend vom Bergsteigen, nicht aber vom Abenteuer: Er bereiste fortan als Reisejournalist die Welt.

 

Walter Bonatti 1954
Foto: Public Domain Walter Bonatti 1954 nach der Rückkehr von der Expedition zum K2.

Er verfasste über 20 Bücher und lebte zuletzt im Veltlin in Norditalien. Mit einem Zitat aus einem seiner Bücher, „Berge meines Lebens“ (AS-Verlag Zürich, 2000) möchten wir uns von ihm verabschieden:

„Ich verschrieb mich mit Körper und Geist den Felsen, den Überhängen, der tiefen Freude, die man empfindet, wenn man beim Ringen am Rande des Möglichen über die eigenen Schwächen Herr bleibt. Ich lernte zudem die Befriedigung kennen, dort durchzukommen, wo andere keinen Erfolg hatten. Bei dieser direkten Verbindung von Gedanke und Handlung lotete ich meine Stärken und meine Grenzen immer genauer aus. Vielleicht vergalt ich mir damit alles, was mir das Leben sonst nicht geben konnte; jedenfalls war mir immer klarer, dass ich in den Bergen mit einer unversehrten Natur in Berührung kam. Ich fühlte mich in dieser unverfälschten Umgebung von Tag zu Tag lebendiger, freier, wahrer. So entdeckte ich also das Abenteuer mit all seinen Elementen, die den Mensch begeistern und wachsen lassen. Vor allem aber entdeckte ich die für mich richtige Lebensart.“

Video zu Bonattis Erfolgen




14.09.2011
Autor: Ralph Stöhr
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