Tipps vom Alpenverein für Bergsport bei Kälte

Foto: © Gereon Balzer / pixelio Berge im Winter Gipfelkreuz
Nur weil es kalt ist, heißt das nicht, dass man nicht in die Berge kann. Doch gibt es ein paar Tipps, die man beachten sollte, denn warm anziehen alleine reicht nicht.

Eiskaltes Winterwetter hat Europa fest im Griff. Für das Wochenende sind in den Bergen wieder Temperaturen bis zu minus 25 Grad vorausgesagt. Gleichzeitig wird oftmals und vielerorts die Sonne scheinen; viele Bergsportler werden sich daher die Frage stellen, ob trotz der Kälte Bergtouren möglich sind. "Ja", sagt Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein (DAV), "bei dem vielen Schnee und dem schönen Wetter sind die Berge besonders schön. Aber es ist sehr wichtig, einige Vorkehrungen zu treffen." Bei Bergtouren drohen zur Zeit nicht nur Unterkühlung und Erfrierungen, sondern es bestehen darüber hinaus verborgene indirekte Gefahren.

Warum die Kälte in den Bergen so gefährlich ist
Diese indirekten Gefahren resultieren daraus, dass warme Räumlichkeiten auf Bergtour oft nicht schnell erreicht werden können. Schon kleine Malheure wie Bindungsprobleme mit Schneeschuhen, Abfahrtsstürze auf Skitour oder Orientierungsverlust können sich schnell zu Katastrophen ausweiten. Aufgaben, die unter normalen Voraussetzungen leicht zu bewerkstellligen sind – zum Beispiel kleine Reparaturen –, werden bei großer Kälte zu unüberwindbaren Hindernissen. In Verbindung mit Wind verschärft sich die Situation weiter. Der sogenannte Wind-Chill-Effekt sorgt dafür, dass die gefühlte Temperatur die eigentlichen Kältegrade noch um ein Vielfaches unterschreitet.

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Tipps für Bergtouren bei großer Kälte

Grundsätzlich sollte man nicht alleine unterwegs sein und sich nicht überanstrengen. „Am wichtigsten ist es, mit Sicherheitsreserve unterwegs zu sein", sagt Stefan Winter. "Man sollte sich kürzere Touren aussuchen. Zusätzliche Sicherheit gewinnt man, wenn an der gewählten Route eine geöffnete Berghütte liegt." Zur richtigen Tourenplanung im Winter gehört es, den Wetterbericht, den Lawinenlagebericht und die Verhältnisse vor Ort zu prüfen. Entsprechende Informationen dazu und zu den Öffnungszeiten der Hütten gibt es unter alpenverein.de und unter alpine-auskunft.de. Über die normale Bekleidung für winterliche Bergtouren (wetterfeste und warme Kleidung, Mütze, Handschuhe, Wechselunterwäsche) hinaus sind bei der Ausrüstung folgende Dinge zu beachten:

• ausreichend große Schuhe, warme Socken

• zweite Mütze (falls die erste vom Aufstieg verschwitzt ist)

• wasserfreie, stark fetthaltige Creme für das Gesicht

• Windschutz für das Gesicht (Tuch, eventuell Neoprenmaske)

• Fäustlinge als Handschuhreserve

• Handy und GPS am Körper tragen (Akkus sind kälteempfindlich)

• Rettungsdecke

Was man über das Wetter wissen muss

Unterkühlung und Erfrierungen

Leichte Formen von Unterkühlung und Erfrierungen kommen bei großer Kälte nicht selten vor. Wer die Symptome und Gegenmaßnahmen kennt und entsprechend handelt, kann körperlichen Schäden effektiv vorbeugen.

Eine Unterkühlung im ersten Stadium erkennt man an starkem ganzkörperlichem Muskelzittern, der Betroffene ist ansprechbar. Am wichtigsten ist es, windstille Verhältnisse herzustellen und den Unterkühlten vor weiterer Auskühlung zu schützen. Heiße und süße Getränke (kein Alkohol!) sollten verabreicht werden. Außerdem sollte sich der Unterkühlte vorsichtig bewegen. All das ist natürlich in einer Hütte oder in geschlossenen Räumen am ehesten zu bewerkstelligen. Gelingt es nicht, den Betroffenen wieder in einen stabilen Zustand zu versetzen, sollte die Bergrettung alarmiert werden (112), denn starke Unterkühlung kann lebensbedrohlich sein.

Für Erfrierungen besonders anfällig sind die Extremitäten (Finger, Zehen) und exponierte Körperteile wie Nase und Ohren. Bei Erfrierungen unterscheidet man drei Grade, wobei die Schwere der Erfrierung erst nach Tagen festzustellen ist. Generell sinnvolle Maßnahmen vor Ort sind:

• beheizte Räumlichkeiten wenn möglich aufsuchen (z. B. Berghütte)

• Betroffenen mit warmen Getränken versorgen

• vor weiterer Kälteeinwirkung schützen, nasse Kleidung wechseln

• nicht mit Schnee einreiben

• erfrorene Körperteile nicht in den Mund stecken oder anhauchen, sondern am Körper wärmen (z.B. Hand in die Achselhöhle legen)

• betroffene Extremitäten vorsichtig aktiv bewegen

• Achtung: keine trockene Wärme (Feuer/Heizung) anwenden – wegen fehlender Temperaturempfindlichkeit besteht die Gefahr von Verbrennungen

• starke Erfrierungen mit Dunkelfärbung der Haut sind ernste körperliche Schäden und bedürfen dringend einer medizinischen Versorgung

Weitere Infos zu Lawinenlage, Hüttenöffnungszeiten und Bergwetter: www.alpenverein.de

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10.02.2012
Autor: Bucher / Burmester
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