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Neues Klettermovie: "Hard XS" - Die spinnen, die Briten
Jenseits des Ärmelkanals gehen die Kletteruhren anders. Die brandneue DVD „Hard XS“ zeigt das muntere Treiben der Inselkletterer in all seinen Facetten. Und das ist durchaus abgefahren.
Dass die Briten anders ticken, wissen wir ja spätestens, seit Asterix und Obelix ein Fass Zaubertrank auf die Insel schmuggelten. Diese Geschichte endet ja damit, dass die Briten den Zaubertrank gar nicht benötigen, um die Römer zu besiegen. Eine Tasse Tee genügt vollauf.
Bei den Aktionen, die Richard Heap von der Sheffielder Filmschmiede Slackjaw auf die DVD "Hard XS" gebannt hat, drängt sich allerdings manchmal der Eindruck auf, dass die Akteure nicht nur eine Tasse Tee intus haben. Wo das Klettern auf dem europäischen Festland immer stromlinienförmiger wird, wo Hallen, gebohrte Sportkletterrouten und Crashpad-Stapel unter winzigen Bouldern die Regel sind, da leisten die Briten tapfer und erfolgreich Widerstand gegen den Untergang des Abenteuers beim Klettern und zeigen, dass mit etwas Phantasie auch aus kleinen Bergen große Abenteuer zu holen sind.
Gemeinhin haftet dem Briten ja das Image an, seine Spleens liebevoll zu pflegen. Das trifft offenbar auch auf die Kletterszene zu. Die zehn Kurzfilme – die sich auf fast 140 Minuten Spiel addieren – decken die ganze Bandbreite des vertikalen Wahnsinns ab. Gleich der erste Streifen führt weit weg von dem, was der Durchschnittseuropäer als akzeptables Klettern bezeichnen würde: An der Nordküste von Devon klettern Dave Thomas und Martin Perry in vier Seillängen Küstenfelsen hinauf. Das Kapitel heißt „choss“, was mit „Bruch“ nur schwach übersetzt ist. Noch nie hat man jemand eine derartig lose Mischung aus Fels und Dreck klettern sehen. Dass Sicherungen und Standplätze in diesem Gelände bestenfalls suboptimal ausfallen, versteht sich von selbst. Unvorstellbar, dass man daran Spaß finden kann? Falsch, Dave Thomas findet’s großartig. Sein Partner leidet allerdings sichtlich. Man kann es irgendwie verstehen.
Klettern im Land der schlechten Absicherung
Von dieser Sorte Kletterei – abenteuerlich, abnormal, riskant – hat die DVD noch einiges auf Lager. Ob eine sehr eindrucksvolle Mixed-Erstbegehung im winterlichen Schottland, eine Drei-Seillängen-Kletterei an den Kreide-Klippen bei Dover oder die „üblichen“ Gritstone-Horror-Routen mit marginaler Sicherung: Immer kommt der Moment, wo man als Zuschauer um nichts in der Welt in der Haut der Akteure stecken möchte. Dennoch machen die das freiwillig und es macht ihnen sogar Spaß. Und sie tun es immer wieder. Faszinierend.
Falls das jemand zu esoterisch ist: Auch das ganz normale Sportklettern ist drauf. In einem 20-minütigen Film verfolgt die Kamera Steve McClure bei den Versuchen und schließlich dem Durchstieg seines neuen Testpieces Overshadow (9a+) in Malham Cove. Dass die Route nicht von Pappe ist, wird dabei mehr als deutlich. Wie üblich bietet der britische Kalk kaum positive Griffe, sondern jede Menge Seit- und Untergriffe, die dem Begeher ein energisches Gezerre und viel Bewegungsgefühl abverlangen.
Ansonsten hat die DVD noch etliche Extras auf Lager, unter anderem einen weiteren Film über Andy Kirkpatrick, der auf einer Schottland-Tour das Filmteam durch diverse gefrorene Wände zerrt.
Man muss nicht alles selbst erleben wollen
Die Bilder in den einzelnen Filmen sprechen oft für sich, sind stark und eindrucksvoll. Aber natürlich entfaltet sich der ganze Reiz von „Hard XS“ erst, wenn man die Akteure und ihre Erläuterungen versteht. Dazu allerdings braucht es gestandene Englischkenntnisse.
Summa summarum ist Hard XS grandios. Man muss nicht alles selbst erleben wollen, was die Briten da treiben. Aber dass das Klettern abseits des eingefahrenen Boulder- und Sportkletter-Mainstreams noch ganz viele Möglichkeiten bietet, musste mal wieder demonstriert werden. Schade, dass so ein Film über Deutschland nicht existiert. Ob er überhaupt möglich wäre?
"Hard XS - die DVD im klettern-shop
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