Interview zum Kinofilm Nanga Parbat mit Reinhold Messner

Am 14. Januar kommt der Film "Nanga Parbat" in die Kinos. Reinhold Messner über den Film, über den Nanga Parbat und die Ruhmsucht von Bergsteigern.

 

Messner mit Filmteam Nanga Parbat
Messner mit dem Filmteam für Nanga Parbat.

Nanga Parbat erzählt die tragische Geschichte der Brüder Günther und Reinhold Messner und deren Besteigung eines der höchsten Gipfel der Welt - die Erfüllung eines Traums für die Brüder und zugleich ein packendes Drama. An Originalschauplätzen gefilmt, schildert der Regisseur Joseph Vilsmaier die tödlichen Schicksalstage im Himalaya-Gebirge und den Überlebenskampf zweier Brüder. Der Film lässt den Zuschauer Extreme erleben – Grenzerfahrungen zwischen menschlichem Mut und alpiner Naturgewalt.

Wie war die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Joseph Vilsmaier?

Reinhold Messner: Wir haben uns auf eine schwierige Expedition begeben und sind eine Seilschaft geworden. In NANGA PARBAT geht es um zeitlose Emotionen, die weltweit nachempfunden werden können, um Kameradschaft, Gipfelerfolg, um Lawinengefahr und Überleben bis zum letzten. Ich bin überzeugt, dass uns in dieser Seilschaft ein starker Film gelungen ist. Der 70jährige Vilsmaier hat sich sogar als junger Bergsteiger herausgestellt. Von Anfang an entwickelt sich ein intensives Vertrauensverhältnis zwischen uns. Uns war klar, dass wir uns dem Berg gegenüber zurücknehmen müssen.

Was war Ihnen besonders wichtig?

Hier geht es in keiner Weise um eine heldenhafte Geschichte, sondern ich will selbstkritisch hinterfragen, was am Nanga Parbat passiert ist und ich bin ganz der Meinung von Joseph Vilsmaier, die besten Drehbücher schreibt das Leben. Wir brauchen nur das erzählen, was passiert ist, um starke Emotionen im Zuschauer zu wecken.

Inwieweit haben Sie die Ereignisse von damals, den Tod Ihres Bruders, verarbeitet, wie schwer war es für Sie, diesen Film zu drehen?

Die Ereignisse am Nanga Parbat bleiben natürlich immer Teil meiner Verantwortung und auch Teil meiner Erinnerung, da geht kein Jota verloren. Aber ich hatte Zeit, habe mehrere Bücher über diese Geschichte geschrieben, bin wiederholt, ja dutzende Male zum Nanga Parbat zurückgekehrt und habe dort mit einer eigenen Stiftung den Einheimischen Schulen und eine kleine Krankenstationen gebaut. Ich bin mehr oder weniger im Reinen mit dieser Tragödie, aber es ist unvermeidlich, die Belastung bleibt. Bis zum Nanga Parbat war ich ein fanatischer Felskletterer, das sage ich mit Selbstkritik. Nachher wurde ich ein professioneller Höhenbergsteiger. Ich konnte meinen Bruder nicht mehr lebendig machen und deswegen habe ich weitergemacht und mein Leben den großen Abenteuern verschrieben und bin viel geradliniger weitergegangen als vorher. Ich bin weniger durch meine Erfolge der geworden, der ich heute bin, als vielmehr durch mein häufiges Scheitern.




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07.01.2010
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