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Elbsandstein – Die Eroberung der Kletterwelt
Dass die sächsische Idee des Freikletterns sich schließlich weltweit durchsetzte, hat verschiedene Gründe. Zum einen wanderte 1929 der Dresdner Spitzenkletterer Fritz Wiessner in die USA aus und brachte im Reisegepäck auch die sächsische Kletterethik mit. Wiessner stieg in der amerikanischen Kletterszene schnell zu einer bedeutenden Rolle auf. Er nahm nicht nur an amerikanischen Expeditionen zum Nanga Parbat und zum K2 teil (wo er ohne künstlichen Sauerstoff, den er aus sportlichen Gründen ablehnt, eine Höhe von 8400 Metern erreicht), er eröffnete auch in den USA zahllose Routen und entdeckte neue Klettergebiete, die er in Anlehnung an die Kletterregeln seiner alten Heimat erschloss. Die amerikanische Kletterszene übernahm schließlich viele seiner Ideen. Aus dem kalifornischen Yosemite brachten sie Besucher später wieder zurück nach Europa.
Aber auch in Europa selbst befruchtete das Sächsische Freiklettern in den 70er-Jahren die Kletterszene. Westeuropäische Besucher des Elbsandsteins wie der Nürnberger Kurt Albert oder der Franzose Jean-Claude Droyer fuhren tief beeindruckt nach Hause und begannen an ihren Felsen ebenfalls mit dem freien Klettern. 1975 erfand Kurt Albert dann den roten Punkt, mit dem er frei gekletterte Routen im Frankenjura kennzeichnete. Der zugehörige Kletterstil, „Rotpunkt“, ging dann in einem Punkt etwas über die sächsischen Kletterregeln hinaus: Im Elbsandstein durfte an den Ringen geruht werden – wegen der oft sehr kühnen Kletterei mit weiten Abständen zwischen den Sicherungen brauchte man die Ruhepunkte nicht nur für die dicken Arme, sondern auch für den Kopf. Beim Rotpunktklettern dagegen muss eine Route vom Einstieg bis zum Ende ohne Ruhen durchstiegen werden. Dies ist heute der weltweit vorherrschende Stil beim Freiklettern und gilt inzwischen auch im Elbsandstein als Ideal.
Die Felsen des Elbsandsteingebirges haben sich seit den Anfängen vor rund 130 Jahren zu Europas größtem Freiklettergebiet entwickelt. An den exakt 1106 fürs Klettern freigegebenen Gipfeln existieren derzeit rund 20.000 Routen von sehr leicht bis extrem schwierig. Die sächsischen Kletterregeln sind inzwischen über das Naturschutzgesetz zu Gesetzesrang aufgestiegen. Sie sorgen dafür, dass das Gebiet als relativ kühnes Klettergebiet in seiner ursprünglichen Form erhalten bleibt. Fairerweise muss man anmerken, dass das moderne Sportklettern, bei dem es um höchstmögliche Schwierigkeiten bei optimaler Absicherung geht, hier nur begrenzt stattfindet. Doch die sächsische Ausprägung des Freikletterns hat uns im Elbsandstein eine Vielzahl eindrucksvoller Kletterwege beschert, bei denen das Gesamterlebnis ungleich höher ist als bei vielen genormten Sportkletterrouten. Es ist ein anderes Klettern, ein eigenes Klettern, eines, das man nicht so schnell vergisst.
Zum Thema:
- Elbsandsteinwochen 2008 - Infos zu den Kletterkursen
- Red Bull Steinkönig - Kräftemessen im Elbsandstein
- Red Bull Steinkönig Video
08.05.2008
© klettern
Autor: Hahn / Stöhr
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