Extreme Höhe schädigt das Gehirn

Spanische Forscher haben herausgefunden, dass große Höhe das Hirn schädigt. Dies gilt nicht nur für extreme Höhen, sondern offenbar auch schon für höhere Alpengipfel.

 

Menschliches Gehirn
Foto: WriterHound "Das Gehirn ist der wichtigste Muskel beim Klettern." - Wolfgang Güllich

Die Ergebnisse von Nicolás Fayed und seinen Kollegen in Saragossa sind nicht ermutigend für die Freunde des Alpinismus. Für die Studie hatten die Forscher 35 Bergsteiger (12 Profi- und 23 Hobbybergsteiger), die von Expeditionen zurückgekehrt waren, per Magnetresonanztomographie (MRT) untersucht. Nun ist bekannt, dass die Höhenkrankheit auch das Gehirn in Mitleidenschaft zieht. Doch die Ergebnisse von Fayed et al. weisen darauf hin, dass auch jene, die keinerlei Anzeichen von Höhenkrankheit zeigen, Schäden davontragen.

Das Gehirn in der Röhre

Von den 35 Bergsteigern der Studie hatten 13 sich am Everest versucht, die anderen hatten weniger hohe Berge angesteuert. Von den 13 am Everest erreichten drei den Gipfel (8848 Meter), drei erreichten eine Höhe von 8100 Metern, und sieben gelangten bis auf Höhen zwischen 6500 und 7500 Metern. Von den 12 Profi-Bergsteigern zeigte keiner Anzeichen von Höhenkrankheit, nur der Hobby-Alpinist zeigte leichte Symptome. Doch nur einer der 13, ein Profi, zeigte beim MRT ein unbeeinträchtigtes Gehirn - alle anderen litten unter kortikaler Atrophie (Gewebsschwund der Hirnrinde) bzw. einer Vergrößerung des Virchow-Robin'schen Raumes - eine Veränderung, die man normalerweise nur bei älteren Menschen findet. Der Hobby-Bergsteiger wies außerdem am frontalen Stirnlappen Verletzungen unter der Hirnrinde auf.

 

Everest Nordseite
Foto: Jean-Michel Asselin Die Nordseite des Mount Everest.

Risikofaktor Höhenkrankheit

Doch offenbar muss man nicht auf den Everest steigen, um sein Gehirn zu gefährden. Acht der Untersuchten waren am Aconcagua (6962 Meter), und auch sie kamen nicht unbeeinträchtigt zurück. Bei allen zeigte die MRT kortikale Atrophie, bei sieben der acht Alpinisten fanden sich ein vergrößerter Virchow-Robin'scher Raum und vier trugen Verletzungen unter der Hirnrinde davon. Einer litt an Sprachproblemen, zwei weitere berichteten von vorübergehendem Gedächtnisverlust. Von den sieben Bergsteigern, die nach der Rückkehr vom Mont Blanc (4810 Meter) untersucht wurden, zeigten zwei eine Vergrößerung des Virchow-Robin'schen Raumes.

Das Forscherteam um Nicolas Fayed hat festgestellt, dass das Gehirn nicht zwangsläufig in großen Höhen Schaden davonträgt, aber deutlich häufiger, als man es vermuten würde. Hobby-Bergsteiger sind einem größeren Risiko ausgesetzt, weil sie eher an Höhenkrankheit leiden.

Quelle: Scientific American (englisch)

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