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Will Gadds Paukenschlag: der zehnte Eisgrad?
05.02.2010 von Steffen Kern
Kürzlich hatten wir eine neue WI 7+ als Grenze des derzeit Menschenmöglichen im Eis vermeldet. Jetzt schlägt Will Gadd für seine jüngste Kreation den Grad WI 10 vor. Wie kann das sein?

- Um "Spray on" einzubohren, war aufwendige Techno-Kletterei nötig.
Foto: Will Gadd / gravsports.blogspot.com
Nein, Will Gadd ist kein Bernabé Fernandez des Eisklettern. Will kennt seine Sicherungspartner, Zeugen seiner Begehungen sind leicht auffindbar, und Will ist auch nicht fürs Auswerfen von absurden Graden bekannt. Doch diesmal geht er in die Vollen: "Es ist um Welten härter als alles, was ich je im Eis geklettert bin. Das Einzige womit sich die Route vergleichen lassen würde, ist eine M10 oder eine noch härtere Drytoolingroute. Aber hier musst du pickeln, statt nur mit den Geräten zu hooken. WI 10 ist der niedrigste Grad, den ich guten Gewissens angeben kann. Ich denke, viele Leute, die M10 klettern können, werden die Eiskletterei als deutlich härter empfinden."

- Da schnalzt ein Eisfreak mit der Zunge: Tim Emmett am Fuß des Hemcken Falls.
Foto: Will Gadd / gravsports.blogspot.com
Eine Laune der Natur
Die Rede ist von Spray on, einer Route, die 30 Meter durch ein 45 Grad überhängendes Gemäuer im kanadischen Bundesstaat British Columbia zieht. Durch Thermik wird die Gischt des 140 Meter hohen Helmcken Falls gegen den Fels geweht, wo sich auf dem vulkanischen Gestein Eisknollen und kleine Eiszapfen bilden. Eineinhalb Tage haben Will Gadd und der Brite Tim Emmett im Januar gebraucht, um die Linie in technischer Kletterei einzubohren – eine andere Möglichkeit zur Absicherung sahen die Trad-erprobten Kletterer nicht. Im Anschluss holten sich beide den Rotpunktdurchstieg. Laut Will Gadd hat man in der kompletten Route nicht einmal Felskontakt. "Ganz normales Eisklettern, aber in einem 45-Grad-Überhang." Und dies, obwohl die Verhältnisse nicht optimal waren. Gadd äußert auf seinem Blog die Hoffnung, bei kälteren Temperaturen eine komplett überhängende 170-Meter-Eisroute durch die gesamte Wand klettern zu können.
Hier findet ihr ein geniales Panoramafoto des Wasserfalls
Mit selbst abzusichernden, gefährlichen Eiskreationen wie Albert Leichtfried und Benni Purners Centercourt (WI 7+) im Gasteinertal ist Spray on nicht zu vergleichen. Aber das tut Gadd ja auch nicht. Seine Argumentation ist logisch, der zehnte Eisgrad scheint angebracht, auch wenn damit die Grade WI 8 und WI 9 einfach übersprungen wurden. Offensichtlich ermöglicht am Helmcken Falls eine Laune der Natur eine völlig neue Dimension des Eiskletterns. Irgendwo zwischen Drytooling und ebenfalls extrem steilen Eisrouten in Gletschergrotten. Willkommen in der Zukunft.
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05.02.2010
© klettern
Autor: Steffen Kern
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