Ueli Steck tödlich verunglückt

Ueli Steck Extrem-Bergsportler © Robert Bösch
Foto: Ralph Stöhr
Ende April ist der berühmte Speed-Bergsteiger Ueli Steck (41) am Nuptse (7861m) tödlich verunglückt.

Aktualisiert am 2. Mai 2017

Am 30. April stürzte der Schweizer Alpinist Ueli Steck in der Westflanke des Nuptse bei einer Akklimatierungstour tödlich ab. Ueli war alleine unterwegs, um sich auf die geplante Überschreitung von Mount Everest und Lhotse vorzubereiten.
Er war einer der besten Alpinisten der Welt und sicher der schnellste.

Seine Speedrekorde an Eiger, Matterhorn und Grandes Jorasses aus dem Jahr 2009 machten ihn weltbekannt. Die Südwand der Shishapangma (8027 m) durchstieg er solo in 10,5 Stunden, die Südwand der Annapurna (8091 m) ebenfalls solo in einer 28-Stunden-Aktion vom Basislager zum Gipfel und zurück.

Die schnellen Solobegehungen waren sein Markenzeichen, sein Aushängeschild. Dabei kletterte er auch viel und gerne mit Partnern. Besonders mit dem Schweizer Spitzenalpinisten Stephan Siegrist war er häufig unterwegs. 2001 eröffneten die beiden die Route The Young Spider in der Eiger-Nordwand, im Januar 2006 kletterte Ueli die Route dann seilgesichert im Alleingang. Später folgte die Pacencia.

Ueli Steck war nicht leichtsinnig

Ueli war Ausgesetztheit gewohnt, dennoch war er sicher kein leichtsinniger Kletterer. Auf jeder seiner Aktionen bereitete er sich mit wissenschaftlicher Gründlichkeit vor, seine Trainingsmethoden und die Disziplin, die er dabei an den Tag legte, brachten ihm den Spitznamen „The Swiss Machine“ ein.

Doch eine Maschine war Ueli ganz bestimmt nicht. Als er im Frühjahr 2013 in der Lhotse-Flanke am Everest in eine Auseinandersetzung mit Sherpas geriet, setzte ihm dies mental schwer zu. Auch die Diskussionen um seine Solobegehung der Annapurna-Südwand belasteten ihn extrem.

Für diese Solobegehung erhielt er 2014 in Chamonix den Piolet d‘Or, den „Alpinismus-Oscar“ (es war bereits sein zweiter). Ich hatte damals Gelegenheit, mit ihm über die Begehung und die Diskussionen darüber zu sprechen. Mir erschien Ueli nicht nur glaubwürdig und seine Schilderung der Besteigung und der Verhältnisse am Berg absolut schlüssig. Ich lernte Ueli auch als einen sehr netten Menschen und als einen kennen, den die Berge und das Bergsteigen einfach begeistern, so wie das bei Millionenen Menschen weltweit der Fall ist.

Ueli sagte: „Für mich sind die Eindrücke, die ich beim Bergsteigen oder Klettern gewinne, Erlebnisse, die mir niemand mehr nehmen kann. Mir geht es genau um diese ganz persönlichen Erfahrungen – sie sind es wert, gelebt zu werden“, schrieb er 2009 in einem Artikel in klettern über seine Speed-Solos an Eiger und Co. Und reflektierte auch über sein Verhältnis zum Risiko: „Natürlich sind Speed-Begehungen mit einem großen Risiko verbunden. Sie sind nicht nur das Ergebnis von Fitness, sondern auch von Taktik, Technik und nicht zuletzt von Risiko. Ich habe mich im Eis teils nur auf meine Steigeisen verlassen. Das ist extrem effizient und schnell – und geht auch gut, bis einmal ein Fuß wegrutscht. Ich denke aber, dass mit der nötigen Konzentration und dem absoluten Fokus so etwas nicht passiert. Ich war immer zu 100 Prozent überzeugt, dass ich nicht stürzen würde. Sonst hätte ich gesichert. Außerdem hatte ich in allen drei Routen ein Seil für einen Rückzug dabei. Aber mir ist auch bewusst: Je öfter man so etwas macht, desto größer ist die Möglichkeit, dass die Konzentration auch mal nachlässt.“

Uelis Absturz am Nuptse dürfte damit jedoch wenig nur zu tun haben. Hier ging es nicht ums Speed-Bergsteigen, sondern um eine Akklimatisationstour. Und an den hohen Bergen des Himalaya in mittelschwerem Gelände seilfrei unterwegs zu sein, ist normaler Bergsteiger-Alltag. Nur auf den Normalwegen der kommerziell bestiegenen Achttausender gibt es kilometerlange Fixseil-Geländer. An allen anderen Bergen und Routen gilt es immer noch, alle Risiken eigenverantwortlich abzuwägen, und Geschwindigkeit ist da ein Sicherheitsfaktor, der gegen ständige Absicherung spricht.

Was genau am Nuptse geschah, wird vermutlich nie zu klären sein. Ueli Stecks Tod erinnert uns aber auf schmerzlichste Weise daran, dass die Berge immer gefährlich sind und dass sich mit nur etwas Pech das gern zitierte Restrisiko realisieren kann – egal, auf welchem Niveau man unterwegs ist.

Unser Beileid geht an Uelis Familie und seine vielen Freunde. Wir werden Ueli vermissen.

(von Ralph Stöhr)

Älterer Beitrag:

Auf dem Facebook-Account von Ueli Steck wurde am 30. April die untenstehende Mitteilung veröffentlicht. Hieraus geht hervor, dass der Schweizer Spitzen-Alpinist Ueli Steck tödlich verunglückt ist.

Information von Ueli Stecks Facebook-Account




Anscheinend war Steck beim Akklimatisatieren für die von ihm geplante Everest-Lhotse Traverse am Nuptse in der Nähe des Camp 1 verunglückt.

Ueli Steck war ein herausragender Bergsteiger, der mit Solo- und Speedbegehungen in den Alpen und auch an den großen Bergen des Himalayas bekannt geworden ist.

Die Kletterszene wird ihn vermissen. Unser Gedenken gilt seinen Fans und seinen Freunden und Angehörigen.

Fotograf Jon Griffith nimmt Abschied von Ueli Steck




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