Trailer von "Nordwand" - Film über das Drama am Eiger

Am 23. Oktober kommt der Spielfilm „Nordwand" über das Eiger-Drama von 1936 in die Kinos. Hier den Trailer ansehen und nachlesen, was unser Redakteur Steffen Kern vom Film hält.

Steffen Kern hat den Film gesehen. Unterhalb des Trailers lässt sich nachlesen, was er von Nordwand hält.

Fast durchweg realistisch

Blöd, wenn man das Ende schon kennt, zumal es kein glückliches ist. Denn dass Hauptfigur Toni Kurz (Benno Fürmann) oder gar alle vier Bergsteiger um des Happy Ends willen gerettet werden, steht kaum zu erwarten.

„Nordwand“, der neue Film von Philipp Stölzl, handelt vom Erstbesteigungsversuch der Eiger-Nordwand im Juli 1936. Damals traten die Berchtesgadener Toni Kurz und Andreas Hinterstoisser hoch in der Wand gemeinsam mit ihren österreichischen Konkurrenten Edi Rainer und Willi Angerer den Rückzug an, weil der verletzte Angerer nicht mehr weiter klettern konnte.

Der Rückzug endete in einer Katastrophe: Nachdem seine drei Kameraden abgestürzt oder erfroren sind, kämpft Toni Kurz verzweifelt ums Überleben, stirbt aber schließlich an Erschöpfung – nur wenige Meter von seinen Rettern entfernt.

Also nicht gerade das, was man unter Popcorn-Kino versteht. Zu lachen gibt es wenig, und ob die um die historischen Tatsachen herum gestrickte Lovestory mit dem versöhnlichen Ende für Tonis Jugendliebe Luise die Mienen der Cineasten nach all der düsteren Dramatik aufhellen kann, darf bezweifelt werden. Aber auch gestandene Alpinisten dürfte der Film nicht kalt lassen.

Denn anders als in unrealistischen Holly­wood-Bergfilmen wie „Cliffhanger“ und „Vertical Limit“ bietet – der zu guten Teilen am Eiger gedrehte – „Nordwand“ eine fast durchwegs realistische Darstellung des Bergsteigens vor einem Dreivierteljahrhundert. Dies gilt für die Charaktere genauso wie für Kletter- und Sicherungstechnik – vor allem aber für die entfesselten Naturgewalten, als das Wetter während des Rückzugs umschlägt. Da heult der Sturm, rauschen die Lawinen und krachen die Steine herab, dass man getrost in der Popcorntüte rascheln kann, ohne böse Blicke der Nachbarn zu riskieren. Keine Frage – mit „Nordwand“ feiert der Bergfilm à la Arnold Fanck und Luis Trenker eine Renaissance. Prädikat: Wirklich sehenswert!

Nordwand; Regie: Philipp Stölzl; Darsteller: Benno Fürmann, Johanna Wokalek, Florian Lukas, Simon Schwarz, Georg Friedrich, Ulrich Tukur u.a.; Dor Film-West 2008

23.10.2008
Autor: Steffen Kern
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