Schnell am Eiger & M12+ im Flash: Michi Wohllebens Bericht

Am 10. Februar gelang ihm mit Fritz Miller gemeinsam die Eiger Nordwand in 5 Stunden und 10 Minuten. Im Winter hatte er sich dem Eis gewidmet: Und mit "Tension" (M12+) einen harten Flash eingefahren.

Michi Wohlleben gehört zu den profiliertesten Nachwuchstalenten und Allroundern in Deutschland. Der 20-Jährige hat bereits mehrfach Klassiker wie die Eiger Nordwand abgehakt und sich im Sportklettern bis zum elften Grad vorgearbeitet. Am Spantik blieb ihm die geplante Erstbegehung versagt - er half bei einer Lawinenrettung. Im Winter reizen ihn Eis und Mixedgelände. Im Allgäu hat er bereits harte Mixedlinien erstbegangen.

Fotostrecke: Michi Wohlleben am Eiger und beim Eisklettern

6 Bilder
Eisklettern Michi Wohlleben Foto: Heckmair / Archiv Wohlleben
Eisklettern Michi Wohlleben Foto: Heckmair / Archiv Wohlleben
Eisklettern Michi Wohlleben Foto: Heckmair / Archiv Wohlleben




Eiger Nordwand im Zeitraffer

Michis Bericht:
"Die Eiger Nordwand ist in aller Munde. Seit unserem letzten Mal am Eiger (Februar 2009) redeten Fritz und ich immer wieder darüber, dass wir die Wand auch mal ein bisschen schneller versuchen wollen.
So standen wir nun zum dritten Mal am 10. Februar 2011 am Fuß des Eigers. Diesmal war unser Ziel die klassische Heckmair-Route in ca. 7-8 Stunden zu klettern. Um Punkt sieben Uhr starteten wir mit leichtem Gepäck in die Wand. Wir trafen nahezu perfekte Verhältnisse an und unser Team funktionierte wie so oft.

Nach 50 Minuten erreichten wir den 'Schwierigen Riss'. Nach circa zweieinhalb Stunden waren wir im 'Todesbiwak' und merkten, dass wir ganz gut vorankamen. Aber die schweren Stellen: 'Wasserfallkamin', 'Brüchiger Riss' und 'Quarzriss' folgten noch. Wir kletterten schnell und konzentriert und waren nach circa dreieinhalb Stunden am Anfang des 'Götterquergangs'. Wir wussten wenn unsere Reserven reichen, könnten wir schnell sein. So kletterten wir dann weiter, unsere Reserven reichten wohl und um 12:10 Uhr konnten wir am Gipfel des Eigers auf die Uhr schauen mit 5 Stunden 10 Minuten waren wir absolut zufrieden.

Wir haben unseren Zeitplan eingehalten, keine Verletzungen davon getragen und einfach einen super Tag gehabt, was fehlt? Der Dank an die 19 Menschen in der Wand, die uns wirklich ohne Probleme vorbei gelassen haben!!! Hätten wir lange warten müssen, wäre diese Zeit nicht möglich gewesen. ??Die mit großem Abstand schnellste Begehung der Eiger Nordwand glückte im Jahr 2008 dem Schweizer Ausnahmealpinisten Ueli Steck. Vom Einstieg zum Gipfel brauchte er nur 2h47min. Im Team waren bisher Roger Schäli und Simon Gietl(4h25min) sowie Ueli Steck und Bruno Schläppi (5h03min) schneller.

Ruhestörung am Öschinensee

"Die Vorbereitung für die Eissaison lief super: Nach einem Ringbandriss am 29. Oktober in einem Projekt im Frankenjura konnte ich mich notgedrungen voll auf die Wintervorbereitung konzentrieren. Ein Monat Muskelaufbau im Fitnesstudio und dann Ausdauertraining an den Eisgeräten im Drytooling-Boulderraum brachten den erwünschten Erfolg. Ende Dezember war ich für zwei Wochen in Kandersteg um dort mit meiner Freundin 'Urlaub' zu machen. Neben vielen Eisrouten im Oeschinenwald, konnte ich im Mixedgebiet Ueschinen unter Anderem Matador (M11) im ersten Versuch klettern, nachdem ich die Züge ausgecheckt hatte.

Bei einem späteren Besuch flashte ich die Route Twin Towers (M10+), die Towers waren schon gefallen. Dann ??NIN (WI6+/7-, A2+,205m) – ein alter Traum??: hoch über dem Oeschinensee, exponiert und scheinbar unnahbar, verläuft eine auffällige Eisspur. Eiskletterer kennen sie seit der Erstbegehung vor zehn Jahren unter dem Namen NIN. NIN, Kurzform für den Namen der Musikband Nine Inch Nails.

Seit ich Fritz kenne, redet er schon von NIN. Nach langen Diskussionen, ob Mach3 an der Breitwangflue oder NIN entschieden wir uns für NIN. Wir starteten am 2. Januar früh morgens mit Tourenski zum Öschinensee. Unser Plan sah vor, den Einstieg über die Untere Fründenschnur (das Schneeband in Wandmitte) zu erreichen. Die erste Seillänge (A2+) technische Kletterei im überhängenden Fels, sah nicht gerade einladend aus. Ein paar kurze Gewindestifte und fünf immer wieder rettende Bohrhaken machten es nicht zum Genuss aber kletterbar.

Die zweite Länge begann mit ein paar Drytoolingzügen, ehe wir ins Eis starten konnten. Die folgenden Längen haben uns schwer beeindruckt und gehören definitiv zum Anspruchsvollsten, was wir im Eis geklettert sind. Das spannendste war sicher die Seillänge mit dem zwei Meter ausladende 'Space Funghi' ein zwei Meter Eisdach in der vierten Seillänge. Abgesehen von der Dusche ließen sich aber auch die letzten beiden Seillängen gut klettern. Das Problem bei der ganzen Route war definitiv nicht die Kletterei, sondern die riesigen Eiszapfen, die wir immer über Kopf wegschlagen mussten. Insgesamt hatten wir aber trotzdem gute Verhältnisse, die es uns möglich gemacht haben, diesen kleinen Traum von Fritz zu wiederholen. Und wir möchten uns noch bei allen Fischen und Eisanglern für die anhaltende Ruhestörung am 2. Januar durch den Eisschlag entschuldigen.

M12+ im Flash

Nach Kandersteg war Illuminati eine Mehrseillängenmixedroute (M11+/WI6+, 150m) in den Dolomiten mein eigentliches Projekt, welches allerdings auch durch die warmen Temperaturen Anfang Januar fast vollständig zerstört wurde. Deswegen suchte ich mir ein neues Projekt. Ich wälzte die Internet-Plattformen und stieß auf einen Bericht von Benedikt Purner über Begehungen im Dryland – ein renommiertes Mixedklettergebiet bei Innsbruck. Bei dem Bericht war ein Video von einer Begehung der Route Tension dabei, ich schaute mir es an und dachte: Michi, das kannst du flashen. Da war das neue Projekt.

Drei Tage später stand ich zusammen mit meinem Trainingspartner, Chauffeur, Motivator, starker Hund und guter Freund Laszlo Toth am Einstieg von Tension. Laszlo war auch an der Route interessiert und checkte sie aus, erklärte mir die Züge und ich musste nur noch klettern… So stieg ich ein. An der Schlüsselstelle musste ich nochmal ein Stückchen zurück klettern, da sich mein Fuß in einem Loch verklemmt hatte, nach kurzem Erholen in flacherem Gelände, ließ ich mir dann den Durchstieg nicht mehr nehmen. Ich klippte den letzten Haken vor dem normalerweise vorhandenen Eis und setzte mich überglücklich ins Seil. Durch den Föhneinbruch litt auch das Eis in Tension, genauer gesagt war keins mehr vorhanden. Deswegen konnte ich die letzten drei Meter Eis leider nicht mehr klettern - ob das jetzt eine richtige Begehung war oder nicht, weiß ich nicht. Aber ich bin happy diese sehr anstrengenden und steilen 20 Meter Fels geflasht zu haben."

Mehr zu Michi auf seinem Blog: ?www.michaelwohlleben.blogspot.com

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11.03.2011
Autor: Michi Wohlleben
© klettern